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  • 20.03.2013
  • von Yvonne Jennerjahn

Potsdam: Brandenburg macht Weg für jüdische Theologie frei

von Yvonne Jennerjahn

Erstmals in Deutschland kann an der Universität Potsdam die Ausbildung von Rabbinern und Kantoren im Zuge eines Theologiestudiums angeboten werden. Foto: dpa

Historischer Moment in Potsdam: Brandenburgs Landtag hat den Weg für die erste jüdisch-theologische Einrichtung einer staatlichen Universität in Deutschland frei gemacht. Im Wintersemester soll es losgehen.

Potsdam - Mit großer Mehrheit hat der brandenburgische Landtag am Mittwoch eine Änderung des Hochschulgesetzes beschlossen und damit die Gründung der „School for Jewish Theology“ der Universität Potsdam möglich gemacht. Theologische Studiengänge an staatlichen Hochschulen waren in Brandenburg bisher ausgeschlossen. Das Gesetz soll im April in Kraft treten. Die jüdische Theologie mit fünf Professuren soll im Wintersemester an den Start gehen.

Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) sprach von einer „historischen Weichenstellung“ für ein „bundesweit beachtetes Modell“. Die wissenschafts- und religionspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Susanne Melior, nannte die Gesetzesänderung eine „historische Entscheidung“. Damit könne nun umgesetzt werden, was der liberale jüdische Reformer Abraham Geiger (1810-1874) bereits 1836 gefordert habe. Auch Vertreter der anderen
Fraktionen begrüßten das Vorhaben.

„Brandenburgs Politik hat hier einen großen Schritt unternommen“, sagte der Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs, Walter Homolka, nach dem Landtagsbeschluss dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die jüdische Theologie werde nun nach fast 200 Jahren endlich als Universitätsfach in Deutschland etabliert und bewege sich damit künftig auf gleicher Augenhöhe mit den christlichen Theologien und den neuen islamischen Zentren.

Das liberale Abraham-Geiger-Kolleg bildet als sogenanntes An-Institut seit 2001 in Kooperation mit der Universität Potsdam Rabbiner aus und wird auch in den Studiengang einbezogen. Träger des öffentlich-rechtlichen Kollegs sind nach eigenen Angaben die Kultusministerkonferenz, das Bundesinnenministerium, das brandenburgische Kulturministerium und der Zentralrat der Juden. Der Wissenschaftsrat von Bund und Ländern hatte sich 2010 für die Gleichstellung der jüdischen mit den christlichen Theologien ausgesprochen.

Im Landtag stimmte am Mittwoch nur die CDU-Fraktion gegen die Änderung des Hochschulgesetzes. Zur Begründung hieß es, eine Regelung durch Staatsvertrag sei sinnvoller. Zugleich bekannte sich die CDU-Fraktion zur Institutionalisierung der jüdischen Theologie. Für einen Staatsvertrag stehen nach Aussage von SPD, Linken und Wissenschaftsministerium in Brandenburg keine Verhandlungspartner zur Verfügung. Die Einrichtung der jüdischen Theologie hätte sich damit weiter verzögert.

Kritik an den Regelungen kam auch von den Grünen. Die Finanzierung der jüdischen Theologie an der Universität sei nicht wie in einem Staatsvertrag verbindlich geregelt, betonte die wissenschaftspolitische Sprecherin Marie Luise von Halem. Dies könne bei Kürzungen von Hochschulmitteln zu Problemen führen. Melior kündigte an, die jüdische Theologie durch einen öffentlich-rechtlichen Vertrag abzusichern. Damit beschreite Brandenburg „einen ganz neuen Weg“.

Wissenschaftsministerin Kunst sagte, sie habe in der vergangenen Woche grünes Licht für die Einrichtung der Professuren für die jüdische Theologie gegeben. Das Gesetz mache nun den Weg frei für die nächsten Schritte. Der Landtag hatte Ende 2012 zusätzliche Mittel für zwei Professuren für die Jahre 2013 und 2014 beschlossen. Eine Professur soll innerhalb der Universität neu zugeordnet werden. Zwei weitere Professuren werden vom Bund finanziert.


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