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  • 21.11.2012
  • von Richard Rabensaat

Kyoto ohne Ende

von Richard Rabensaat

PIK-Forscher zum Doha-Klimagipfel

Die Hoffnung auf einen grünen Deus ex Machina hält Ottmar Edenhofer für eine Illusion. Künftiges grünes Wachstum, steigende Ölpreise und gesteigerte Energieeffizienz würden nicht ausreichen, um die negativen Folgen des weltweit weiterhin steigenden Kohlendioxidausstoßes (CO2) zu bremsen, stellt der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und ranghöchste Deutsche im Weltklimarat fest.

Am 26.November beginnt in Doha, Katar, die Weltklimakonferenz der Staaten, die sich an der Konvention der Vereinten Nationen über das Klima beteiligt haben. Ein Ziel ist es, eine Perspektive für das Auslaufen des Kyoto-Protokolls zu erarbeiten. Wissenschaftler des PIK bereiten sich gegenwärtig auf das Treffen vor. 1997 schrieben die am Kyoto-Protokoll beteiligten Staaten erstmals verbindliche Grenzmengen für die Emissionen des Treibhausgases CO2 fest. Die Klimaerwärmung sollte insgesamt auf zwei Grad in Bezug auf den Beginn der Industrialisierung begrenzt werden. Eine Nachfolgeregelung für das in diesem Jahr auslaufende Protokoll gibt es bisher nicht. Edenhofer ist skeptisch, ob es sinnvoll ist, ein weiteres Protokoll anzustreben: „Das erfordert einen erheblichen diplomatischen Aufwand und könnte sich dennoch als klimapolitische Sackgasse erweisen.“ Bereits 2009 scheiterte in Kopenhagen die Konferenz über ein Nachfolgeprotokoll. „Es wurde viel an den Details der Formulierungen der Erklärung gefeilt, aber ihre tatsächlichen Konsequenzen sind überschaubar“, so Edenhofer.

Soll das Klimaziel erreicht werden, seien andere Maßnahmen notwendig, als immer neue Papiere zu verabschieden. Edenhofer favorisiert eine Mischung verschiedener Handlungsoptionen, von denen keine das alleinige Heil bringe. Ein „Green Climate Fonds“, der bis zum Jahr 2020 auf das Volumen von hundert Milliarden Dollar anwachsen soll, könnte dazu dienen, Ausgleichszahlungen bereitzustellen. Länder mit hohem CO2-Ausstoß könnten so Gelder für Entwicklungsländer bereitstellen. Diese könnten es gezielt unterlassen, bei der Einrichtung neuer Produktionsstätten auf fossile und damit schadstoffstarke Energieträger zu setzen. Denn auch im Jahr 2010 wurde der Abbau und die Verwertung fossiler Energieträger noch mit 400 Milliarden US-Dollar gefördert. Die deutsche Energiewende werde zwar weltweit als interessantes Labor wahrgenommen und intensiv beobachtet, aber allein deutsche oder europäische Anstrengungen könnten die drohende Schädigung der Erdatmosphäre nicht begrenzen, konstatiert Edenhofer.

Denn in der globalen Wirtschaft sei nicht klar, wem welche Verunreinigungen zuzurechnen sind. Zwar wachse die chinesische Wirtschaft noch immer und das mithilfe einer erheblichen Steigerung der Verwertung von Öl, Kohle und Gas. Die Technik und die Kraftwerke für die Verwertung der Energien kommen aber aus den USA und anderen Staaten. Zudem würde China gerade die Produkte, bei denen der größte Teil des Schadstoffausstoßes anfiele, vorwiegend für den Export in die USA und nach Europa fertigen. Wer also sei für den Dreck verantwortlich, der Erzeuger oder der Verbraucher?

Ein Mix aus Effizienzsteigerung, Kostenreduktion und dem Ausbau international verpflichtender Verträge für die Abgaben bei CO2-Emissionen sei notwendig. „Ein verbindlicher Ordnungsrahmen für die Klimapolitik ist unerlässlich“, so Edenhofer. Nur so könne verhindert werden, dass sich Staaten gegen einen Umbau ihrer Ressourcennutzung wehren. Denn der Ausbau erneuerbarer Energien könne langfristig den Preis der 15 Billionen Tonnen fossiler Rohstoffe, insbesondere von Kohle, beeinflussen, die noch im Erdboden lagern würden.

Auf den technischen Fortschritt setzt Hermann Lotze-Campen. Der PIK-Agrarwissenschaftler hofft, auch in afrikanischen Wüsten langfristig ähnlich hohe Kornerträge wie im Magdeburger Sand zu erwirtschaften. Für den Schutz von Urwäldern und Klima-Lungen setzt aber auch Campen auf internationale Abkommen. Richard Rabensaat

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