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  • 26.10.2012
  • von Heike Kampe

Abseits von Horrorbildern

von Heike Kampe

Media Factory stellte an der HFF Ergebnisse vor

Es begann mit einem Feierabendbier, bei dem sich zwei Wissenschaftler gegenseitig Vorwürfe machten. „Warum seid ihr nicht in der Lage, das Wissen über den Klimawandel verständlich aufzubereiten?“, fragte der Klimaforscher. „Warum könnt ihr eure Ergebnisse nicht vernünftig kommunizieren?“ entgegnete der Medienwissenschaftler. Zweieinhalb Jahre später blicken eben jene Wissenschaftler – Jürgen Kropp vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Klaus-Dieter Müller von der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ (HFF) – zufrieden auf das Ergebnis ihres damaligen Schlagabtauschs zurück.

Entstanden war daraus nämlich ein Kooperationsprojekt, das bisher einmalig ist. Medienschaffende und Klimaforscher bündelten ihre Kompetenzen und gründeten die Climate Media Factory (CMF). Das gemeinsame Projekt von PIK und HFF hatte sich zum Ziel gesetzt, fachlich fundierte neue Medienformate zu schaffen, die den Klimawandel abseits von Horrorszenarien und Verharmlosungen thematisieren. Unterhalten statt berieseln, bilden statt ausbilden, vereinfachen statt verkomplizieren – so die Grundsätze des Vorhabens. Das Bundesforschungsministerium förderte das Projekt zwei Jahre lang. Auf der Abschlussveranstaltung am Donnerstag zog die Media Factory Bilanz.

Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe, stellvertretender Direktor des PIK, unterstrich dabei, wie groß die Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen Wissen über die Klimaerwärmung und der Berichterstattung der Medien sei. In den letzten zehn Jahren habe es in der Fachpresse so gut wie keinen wissenschaftlichen Beitrag gegeben, der die menschlichen Ursachen des Klimawandels infrage stelle. Die Wissenschaftler sind sich einig. In der Tagespresse hingegen würden etwa in der Hälfte aller Beiträge zum Klimawandel Zweifel an dessen Gründen geäußert. Für Laien sei es nahezu unmöglich zu beurteilen, ob die Argumente korrekt seien.

„Für uns Klimawissenschaftler spielen die Medien eine große Rolle“, machte auch Jürgen Kropp deutlich. Dass es möglich ist, klimawissenschaftliche Inhalte korrekt und doch unterhaltsam in unterschiedlichsten Medienformaten wiederzugeben, zeigen die Ergebnisse der Media Factory. In zwei Jahren entwickelte sie Kurzfilme, Computerspiele, Apps für SmartPhones, eine Datenbank und das Kinderfilmfestival „Gecko“. Weltbank, Universitäten, WWF, BMBF und die Gesellschaft für innere Zusammenarbeit (GIZ) zählen inzwischen zu ihren Kunden. Den Kurzfilm „Earthbook“ haben bereits mehr als 400 000 User im Internet gesehen.

Und auch die eigene Branche haben die Medienwissenschaftler im Blick: „Die Produktionsweise der Medien ist meist wenig nachhaltig“, gibt HFF-Präsident Dieter Wiedemann zu. Die „Green Film Initiative“ der Media Factory sei eine Antwort darauf. Mit Workshops, Panels und Informationsangeboten soll sie eine klimafreundliche Produktionsweise fördern. Man hat eine Checkliste für Filmproduzenten erstellt. Denn: „Wir wissen bereits alles Notwendige, nun müssen wir unser Verhalten ändern“, stellte Dieter Wiedemann fest. Heike Kampe

Climate Media Factory im Internet: www.climatemediafactory.de

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