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  • 10.05.2012
  • von Jan Kixmüller

PLAGITASFÄLLE: Uni Potsdam verabschiedet sich von Mathiopoulos

von Jan Kixmüller

Margarita Mathiopoulos, 2008 bei der Benefiz-Gala „Cinema for Peace“. Foto: dpa

Nach Entzug des Doktortitels will die Universität Potsdam die Honorarprofessur lösen, sobald Beschluss der Uni Bonn rechtskräftig wird

Potsdam - Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam hat am Mittwochabend beschlossen, Margarita  Mathiopoulos aus ihrer Honorarprofessur zu verabschieden. Wie eine Sprecherin sagte, wird dem Präsidenten der Universität Potsdam nun empfohlen, Mathiopoulos  den Titel der Honorarprofessorin zu entziehen. Dies gelte für den Fall, dass die Entscheidung der Universität Bonn rechtskräftig wird. Die Uni Bonn hatte am 18. April bekannt gegeben, dass die Potsdamer Honorarprofessorin Margarita Mathiopoulos wegen „bewusster Irreführung“ ihren Doktortitel abgeben soll. Die Anwälte von Mathiopoulos hatten daraufhin angekündigt, gegen den Beschluss zu klagen. Sie sprachen von einem „unfairen und mit blindem Eifer geprägten Verfahren“.
Die Universität Bonn hatte ihre Entscheidung damit begründet, dass Mathiopoulos bezüglich der in ihrer Dissertation benutzten Quellen getäuscht habe. In zahlreichen Fällen seien aus anderen Arbeiten entlehnte Passagen gefunden worden, die nicht als wörtliche Übernahmen gekennzeichnet waren, teilte die Universität mit. In über 320 Stellen sei die Originalquelle systematisch nicht ordnungsgemäß zitiert worden.
Mathiopoulos ist Honorarprofessorin am Historischen Institut der Philosophischen Fakultät. „Zum Zeitpunkt ihrer Bestellung hatte die Philosophische Fakultät die Stellungnahme des Promotionsausschusses der Universität Bonn zur Kenntnis genommen und sich nach einer kontrovers geführten Diskussion für die Bestellung von Frau Mathiopoulos entschieden“, so Professor Johann Hafner, Dekan der Philosophischen Fakultät. Der aktuelle Bonner Beschluss über den Entzug des Doktortitels von Margarita Mathiopoulos sei durch den Fakultätsrat zur Kenntnis genommen worden. „Wir vertrauen darauf, dass die Bonner Gremien die Plagiatsvorwürfe eingehend und sorgfältig geprüft haben“, so Hafner. Mathiopoulos wird nach Angaben der Universität Potsdam nun ihrer Lehrverpflichtung weiter nachkommen, so lange der Beschluss der Uni Bonn nicht rechtskräftig ist.
Die Uni Bonn war im April zu dem Ergebnis gekommen, dass teilweise längere Passagen anderer Quellen mit nur geringen Abänderungen wörtlich abgeschrieben worden seien. Auch sei die Übernahme fremder Texte zusätzlich durch eine irreführende Zitierweise verschleiert worden. „Auf Grund der systematischen und breit angelegten Vorgehensweise steht aus der Sicht der entscheidenden Gremien fest, dass es sich nicht um bloße Versehen, sondern um vorsätzliche Täuschungen über die wissenschaftliche Urheberschaft handelt“, so die Uni Bonn.
Die Doktorarbeit der 55-jährigen Mathiopoulos mit dem Titel „Amerika: das Experiment des Fortschritts. Ein Vergleich des politischen Denkens in Europa und in den USA“ stammt aus den 80er Jahren. Sie war bereits Anfang der 90er Jahre in die Kritik geraten. Eine Überprüfung hatte damals zwar handwerkliche Mängel ergeben, aber keine Verfehlungen, die zur Aberkennung des Doktortitels geführt hätten. Der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät der Uni Bonn hat nun festgestellt, dass die Entscheidung von 1991 aus heutiger Sicht objektiv rechtswidrig war und daher aufgehoben werden konnte. Den Anstoß für die erneute Überprüfung hatte die Internet-Plattform „VroniPlag“ gegeben. Mathiopoulos hatte bei dem renommierten Bonner Politologen Professor Karl Dietrich Bracher promoviert. Bei ihm wie auch bei ihrem damaligen Ehemann, dem CDU-Politiker Friedbert Pflüger, soll sie laut „VroniPlag“ abgeschrieben haben.
Margarita Mathiopoulos gibt am Historischen Institut der Uni Potsdam Lehrveranstaltungen, zuletzt über die Rolle Deutschlands bei der Finanz-, Banken- und Schuldenkrise. Sie kam im Februar 2002 als Honorarprofessorin für US-Außenpolitik und Internationale Sicherheitspolitik an das Historische Institut der Uni Potsdam. Ihre Tätigkeit ist laut Wissenschaftsministerium Brandenburg unentgeltlich. Mathiopoulos sei seinerzeit vom Rektor der Hochschule – Wolfgang Loschelder – bestellt worden. Die Landesregierung habe keine Anhaltspunkte, dass das Verfahren rechtlich fehlerhaft verlaufen sei, heißt es. Mathiopoulos, die seit 2002 die FDP berät, ist Mitgründerin der European Advisory Group (EAG), die Sicherheitsberatung auch im militärischen Bereich anbietet.

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