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  • 06.02.2012

Klimawandel: Streit um Klimaprognosen:RWE-Manager kontra Potsdam-Institut

Durchblick. „Kohle im Loch lassen“ fordert ein Demonstrant vor dem Tagungsort der Weltklimakonferenz im südafrikanischen Durban. Kohle gilt als größter Klimakiller.Foto: Reuters

Energiemanager Vahrenholt kritisiert die Prognosen des Weltklimarats zur Erderwärmung. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung verweist dagegen auf Treibhauseffekt und nennt die Kritik unwissenschaftlich.

Berlin/Potsdam/Genf - Der Manager des Energiekonzerns RWE, Fritz Vahrenholt, wirft dem Weltklimarat übertriebene Vorhersagen zur Erderwärmung vor. Bis zum Jahr 2100 werde es nicht zu einer Erwärmung von drei oder vier, sondern nur von einem Grad kommen, sagte Vahrenholt am Montag im Deutschlandradio Kultur.
Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung wies die Kritik Vahrenholts als unwissenschaftlich zurück. Der Sprecher des Klimarates, Jonathan Lynn, wollte die Kritik Vahrenholts nicht kommentieren. Allerdings wies er in Genf darauf hin, dass die Forscher bei ihren Vorhersagen die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigen würden.
Vahrenholt indes bemängelte, der Klimarat habe weder Auswirkungen des Sonnenzyklus noch Effekte durch ozeanische Meeresströmungen beachtet. Die Sonne habe „starke und schwache Zeiten“. Für die natürliche Erwärmung in starken Zeiten sei aber allein das Klimagas CO2 verantwortlich gemacht worden.
Georg Feulner, Wissenschaftler am Potsdam-Institut, erklärte dem epd: „Vahrenholts Aussagen entbehren einer wissenschaftlichen Grundlage.“ Die Mehrheit der Klimaforscher sei sich einig, dass Veränderungen der Sonneneinstrahlung das Klima beeinflussten. Der Effekt der Sonnenstrahlung sei aber nur sehr gering. Der von den Menschen verursachte Treibhauseffekt sei die Hauptursache für die Erderwärmung, unterstrich Feulner.
Auch Wissenschaftler des staatlichen britischen Wetterdienstes und der Universität Reading hatten unlängst auf den schwachen Einfluss der Sonnenstrahlung auf die Erderwärmung hingewiesen. Der mögliche Rückgang der Sonnenaktivität bis 2100 führe nur zu einem Absinken der durchschnittlichen globalen Temperaturen um 0,08 Grad Celsius, erklärten die Forscher in einer Studie.
Vahrenholt ist Mitautor des Buches „Die kalte Sonne: Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet“. Werner Weber, der als Physikprofessor an der Technischen Universität Dortmund an dem Buch mitgearbeitet hat, schreibt in einem Beitrag für die „Bild“-Zeitung (Montagsausgabe), derzeit stehe eine Sonnenflaute und damit eine Abkühlungsphase für die Erde bevor: „Erst ab 2040 könnte es wieder wärmer werden.“ Der Weg weg von Öl, Gas und Kohle sei richtig. „Aber die maßlosen Hitze-Prognosen des Weltklimarats sind reine Angstmache“, schreibt Weber.
Der ehemalige Hamburger Umweltsenator Vahrenholt forderte aufgrund der Thesen Konsequenzen für die Umweltpolitik. Beim Einsatz erneuerbarer Energien solle man sich mehr Zeit lassen. In Deutschland seien zu schnell noch unausgereifte Photovoltaik-Anlagen gebaut worden. epd

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