15.12.2017, 2°C

Endspiel für den Klimaschutz

von Jan Kixmüller

Beschleunigter Wandel. Weltweite Wetterextreme bedrohen zunehmend die Menschheit. Klimaforscher mahnen schnelles Gegensteuern an. Fotos: dpa

Potsdamer Klimaschützer warnen im Vorfeld der UN-Konferenz in Durban vor weiterer Untätigkeit

Der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Ottmar Edenhofer, hält die Verhandlungsform der UN-Klimakonferenzen für überholt. Kurz vor Beginn der Klimakonferenz im südafrikanischen Durban (28. November bis 9. Dezember) hat der stellvertretende PIK-Chef vorgeschlagen, den Teilnehmerkreis der Konferenzen zu verkleinern und die Instrumente zu erweitern. Es habe sich gezeigt, dass Verhandlungen im Kreis aller Staaten ein „miserables Instrument“ seien, „um Kompromisse auszuloten“. Edenhofer sprach von einem „Konstruktionsfehler“. Vor diesem Hintergrund hege er keine großen Erwartungen an die UN-Klimakonferenz von Durban.

Der Potsdamer Klimaökonom plädiert für Gespräche im Kreis des von den USA initiierten Major Economies Forum (MEF), das die wichtigsten Emittenten von Treibhausgasen repräsentiert. Verhandelt werden solle zudem nicht mehr vorrangig über Emissionsgrenzen für Treibhausgase, was in den bisherigen Gesprächen gescheitert sei, sondern über Technologiepolitik, Erneuerbaren Energien und den Abbau von Subventionen für fossile Energieträger. Darüber hinaus empfiehlt Edenhofer Handelssanktionen gegen Klimasünder.

Die Subventionen für fossile Energieträger wie Kohle und Öl bezifferte Edenhofer für 2010 mit weltweit mit 409 Milliarden US-Dollar. Jede Tonne CO2 sei daher mit rund 9 US-Dollar subventioniert worden. Die Subventionen für erneuerbare Energien lagen im Vergleichszeitraum weltweit gerade mal bei 66 Milliarden Dollar. Durch die Auflösung dieser Subventionen könnten in den Industriestaaten 20 bis 30 Prozent pro Jahr eingespart werden. Diese Mittel könnten wiederum in den Klimaschutz investiert werden.

„Wir unterschätzen, in welchem Ausmaß Kohle noch gefördert wird“, betonte der Chefökonom des PIK. Eine Abschaffung der Subventionen würde seiner Einschätzung nach zu einer Verringerung von zehn Prozent der globalen Treibhausgasemissionen bis 2050 führen. Da weiterhin große Mengen Kohle und Erdgas zur Energiegewinnung genutzt würden, sprach sich Edenhofer für die weitere Erforschung und Nutzung des CCS-Verfahrens aus, bei dem CO2 unter der Erde gespeichert werden soll. „Wir werden noch lange mit Energie aus fossilen Rohstoffen leben müssen“, sagte Edenhofer. Daher würden CCS-Pilotprojekte der Forschung sozusagen als Versicherung für Klimaschäden dringend benötigt.

Jüngste Studien der World Meteorological Organization (WMO) geben Edenhofers Einschätzung recht: Sie haben eine Rekordkonzentration der Treibhausgase Kohlendioxid und Methan in der Erdatmosphäre ermittelt, die CO2-Emissionen der Menschheit steigen demnach seit Jahren an, 2010 sogar schneller als je zuvor. Vor diesem Hintergrund bekräftigte Edenhofer einmal mehr, dass es möglich sei, das Wirtschaftswachstum vom Wachstum der Emissionen zu entkoppeln. Dabei würden vor allem die Energieeffizienz und die Erneuerbaren Energien eine Rolle spielen, Biomasse werde vor allem in Verbindung von CCS eine Bedeutung haben, wie auch der weitere Gebrauch von fossilen Energieträgern. Die Kosten des Klimaschutzes, der die Erderwärmung beim Zwei-Grad-Ziel stabilisieren könnte, bezifferte er auf gerade mal zwei Prozent des globalen Wirtschaftswachstums bis zum Jahr 2100. Vor einigen Jahren habe dieser Wert noch bei einem Prozent gelegen. Durch untätiges Abwarten habe er sich immerhin bereits verdoppelt.

Einen weiteren signifikanten Beitrag zum Klimaschutz erhofft sich Edenhofer von der Umsetzung des Klimafonds. Die auf der letzten Klimakonferenz in Cancún zugesagten Gelder könnten zu einer Verringerung des Treibhausgasausstoßes bis 2020 um fünf Gigatonnen beitragen.

Die von Edenhofer ins Spiel gebrachten Strafzölle auf CO2-intensive Produkte sollen Ländern treffen, die nichts oder wenig für den Klimaschutz unternehmen. So soll vermieden werden, dass weiterhin billige Produkte auf Kosten des Klimaschutzes angeboten werden können. Solche Zölle würden insbesondere China treffen. Eine CO2-Steuer könnte helfen, den fossilen Energieverbrauch zu senken. Hier sieht Edenhofer sogar einen positiven Nebeneffekt für die kränkelnden europäischen Staatsfinanzen: „Der Emissionshandel könnte zu einer neuen Einnahmequelle für die Staaten werden.“

Dass es für die Staatengemeinschaft höchste Zeit wäre, verbindliche Schritte zum Klimaschutz einzuleiten, verdeutlichte Edenhofers PIK-Kollege Stefan Rahmstorf, Professor für Physik der Ozeane. Aktuelle Studien würden den Schluss nahelegen, dass die Entwicklungen die schlimmsten Erwartungen des Weltklimarats IPCC aus dem Jahr 2007 noch übertreffen könnten, so Rahmstorf. Vor allem verwies er auf die Gefahr eines weiteren Anstiegs des Meeresspiegels. In der Arktis habe die Eisdecke in den letzten Jahren deutlich abgenommen, seit 1980 sei das Volumen um zwei Drittel geschrumpft. Auch die Eisschmelze in Grönland habe sich in den letzten Jahren beschleunigt. Der Eisschwund in der Arktis sei zwischen 1979 und 2007 frappierend: Die Eisdicke nehme viermal schneller ab wie vorhergesagt. Das Volumen sei schon um zwei Drittel zurückgegangen. Auch Grönland und Antarktis würden immer rascher an Eismasse verlieren, was zu steigendem Meeresspiegel führt.

Bis Ende des Jahrhunderts werde der Meeresspiegel voraussichtlich um rund einen Meter ansteigen, im besten Fall um 75 Zentimeter, im schlechtesten Fall um 1,90 Meter. Seit 1880 sei bereits ein Anstieg von 20 Zentimetern gemessen worden – mit steigender Tendenz. „Der Anstieg ist dreimal so hoch wie die bisherigen IPCC-Prognosen.“ Das betreffe auch die Deutsche Bucht oder Venedig, wo das Hochwasser heute doppelt so häufig auftritt wie noch in den 80er Jahren. Der Anstieg des Meeresspiegels korreliere mit dem globalen Temperaturanstieg, den Rahmstorf seit der Industrialisierung auf 0,8 Grad Celsius bezifferte. Experten gehen davon aus, dass in der Alpenregion die Jahresmitteltemperatur bereits um 1,5 Grad angestiegen ist. Ein globaler Temperaturanstieg von zwei Grad gilt als beherrschbar – wobei die Potsdamer Klimaforscher diese Ziel mittlerweile als „ambitioniert“ bezeichnen. Auch neueste Messergebnisse belegen den Temperaturanstieg: Mitte der 70er Jahre knickt die Temperaturkurve steil nach oben ab.

Weitere Daten sprechen eine eindeutige Sprache. So war der Sommer 2010 mit dem Hitzeschwerpunkt über Osteuropa/Russland sogar noch wärmer als der sogenannte Jahrtausendsommer 2003. „In den vergangenen 500 Jahren gab es keine solche Häufung von Hitzesommern wie im vergangenen Jahrzehnt“, so Rahmstorf. Um das Ziel, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen, mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Dritteln einhalten zu können, dürfen nach Darstellung Rahmstorfs insgesamt noch 750 Gigatonnen Kohlendioxid ausgestoßen werden. Aber auch dann drohen weiterhin Risiken. „Auch wenn wir nur eine Erderwärmung von zwei Grad haben, können wir als Klimaforscher nicht sagen, das dies eine sichere Grenze ist“, warnte er. Eine aktuelle Studie des Max-Planck-Instituts für Meteorologie berechnet für Deutschland bis zum Ende des Jahrhunderts zwischen 2,5 und 3,5 Grad Erwärmung.

Der Direktor des Potsdamer PIK, Hans Joachim Schellnhuber, spricht von einem „Endspiel für den Klimaschutz“. Wenn jetzt nicht gegengesteuert werde, steige der Meeresspiegel bis 2100 um einen Meter. Nach Angaben von „Brot für die Welt“ wären damit allein 17 Prozent der Fläche in Bangladesch überschwemmt, und 35 Millionen Menschen müssten umgesiedelt werden. (mit dpa)

7 Kommentare

  • von riot24.11.2011 14:15
    Genau! Cool ist, mit einem Drei-Liter-Auto in den Urlaub zu fahren - mit der ganzen Familie. Zynismus ist doch nur ein Zeichen von Hilflosigkeit. Ganz arme Würstchen...
  • von Sieht so das Weltenende aus?24.11.2011 13:52
    Also wenn man die Kommentare ließt, fragt man sich warum die Menschheit eigentlich gerettet werden soll.

    Da werden jede Menge Wissenschaftler bezahlt, um uns vor Problemen und Katastrophen zu warnen, nur damit diese sich dann von irgendwelchen völlig unterbelichteten Trollen beschimpfen lassen müssen.

    Sag mal habt Ihr sie noch alle? Das Euch doch der Hitzschlag hole! Ach was rede ich, der hat Euch längst geholt, besonders den SUV Fahrer. Ehrlich mal, was ist cool daran für eine Tankfüllung 140 € zu bezahlen? Masochist oder was?
  • von Check_it24.11.2011 13:07
    Zu den Kommentaren: Entweder Zynismus und Ironie oder Verschwörungstheorien - Das zeigt den Psychologen eine tiefsitzende Angst. Vielleicht sollte wir mal ehrlich mit dieser Bedrohung umgehen!
  • von mafiaskeptiker24.11.2011 08:53
    "Endspiel" klingt gut!

    Vielleicht schweigt der Rahmstorf dann endlich, kommt in der Realität an oder spielt weiter im Keller mit seine "Modellen" vom dem seine Kollegen von der Klimakirche intern sagen:

    "Das Grundproblem ist, dass alle Modelle falsch sind - weil nicht genug Wolken auf mittlerem und niedrigen Niveau."

    Datenbank zum Durchsuchen interner Mails führender Funktionäre der Klimakirche hier: http://foia2011.org/

    Weitere aus dem Zusammenhang gerissene Splitter:

    "Was ist, wenn der Klimawandel in erster Linie eine multidekadische natürliche Fluktuation ist? Sie werden uns wahrscheinlich umbringen ..."

    "Beobachtungen zeigen keine steigenden Temperaturen in den tropischen Troposphäre es sei denn, Sie akzeptieren eine einzige Studie und Vorgehensweise und vernachlässigen die vielen anderen. Dies ist einfach zu gefährlich. Wir müssen die Unsicherheiten kommunizieren und ehrlich sein. Phil, hoffentlich können wir die Zeit finden, um diese zu diskutieren bei Bedarf weiter ..."


    Guter Artikel dazu hier: http://www.science-skeptical.de/blog/climategate-2-das-drama-erlebt-eine-fortsetzung/006191/

  • von Kind24.11.2011 07:24
    Ja und eigentlich sind ja unsere Eltern schuld! Die haben immer gesagt: "Wenn Du nicht aufisst, gibt es morgen schlechtes Wetter" und nu haben wir fette Kinder und den Klimawandel!!!
  • von SUV-Fahrer24.11.2011 05:03
    Also ich und meine Kollegen, wir tun wirklich alles, was nötig ist für den Klimawandel.

    Wir fahren die Autos mit dem größten Kraftstoffverbrauch, sind begeisterte Flugmeilensammler, wir pfeifen auf den ÖPNV, haben Häuser mit dem größten Heizungsbedarf ...

    Was sollen wir denn noch alles tun?
  • von erderwärmer23.11.2011 10:51
    es ist doch so: vor 30 jahren hatten wir panik, dass die eiszeit wieder kommt - und es wurde wärmer. jetzt haben wir angst, dass der klimakollaps kommt - und es wird...
    mal sehn, was kommt!

Aktuellste Kommentare

  • von riot24.11.2011 14:15
    Genau! Cool ist, mit einem Drei-Liter-Auto in den Urlaub zu fahren - mit der ganzen Familie. Zynismus ist doch nur ein Zeichen von Hilflosigkeit. Ganz...
  • von Sieht so das Weltenende aus?24.11.2011 13:52
    Also wenn man die Kommentare ließt, fragt man sich warum die Menschheit eigentlich gerettet werden soll. Da werden jede Menge Wissenschaftler bezahlt,...
  • von Check_it24.11.2011 13:07
    Zu den Kommentaren: Entweder Zynismus und Ironie oder Verschwörungstheorien - Das zeigt den Psychologen eine tiefsitzende Angst. Vielleicht sollte wir...

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!