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  • 05.10.2011
  • von R. Rabensaat

Von Eiderenten und Kranichen Jahrestagung der Ornithologen an der Uni

von R. Rabensaat

„Wann ruft der erste Kuckuck?“ Diese Frage hat vor 150 Jahren Förster und Bauern so beschäftigt, dass sie den Ruf genau verzeichnet haben. Auch über andere Fragen der Vogelwelt haben sich Ornithologen früh den Kopf zerbrochen. Wie viele Eier legt die Kohlmeise? Wann kommen die ersten Zugvögel aus ihren Winterquatieren zurück? Deshalb sei die Vogelwelt ein besonders guter Indikator für den Klimawandel, resümiert Franz Bairlein, der Präsident der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft (DOG) beim diesjährigen Jahrestreffen in der Universität Potsdam. Jedes Jahr residiert die deutschlandweit 2000 Mitglieder umfassende Gesellschaft in einer anderen Stadt. Zum Treffen in Potsdam wurden 500 Forscher erwartet. Passend zum Ort wählten die Ornithologen einen naheliegenden Schwerpunkt: Den Klimawandel.

Den Zusammenhang zur Vogelkunde erläuterte Bairlein am Beispiel von arktischen Gänsen, Eiderenten und weiterer Vogelarten, deren Brutgewohnheiten aufgrund der Klimaerwärmung durcheinander geraten. Eiderenten seien darauf angewiesen sich für den Vogelzug ein hinreichendes Fettpolster anzufressen. Dies geschehe beispielsweise im Wattenmeer, wo die Vögel sich Muschelfleisch einverleiben würden. Seien die Muscheln jedoch zu früh gereift, erhielten sie zu wenig Eiweiß. Genau dieses aber gebe der Ente einerseits Kraft für den Flug und andererseits auch ein hinreichendes Sättigungsgefühl. „Es sind schon Enten beobachtet worden, die mit vollem Magen gestorben sind“, berichtet Bairlein.

Er führt noch weitere Beispiele für die fatalen Folgen des menschengemachten Ungleichgewichts an. Vögel, die zu früh aus ihren Winterquartieren zurück kämen, brüteten zu früh. Sie fänden dann nicht hinreichend Maden, um die geschlüpften Kücken zu füttern, weil die Maden erst später auftauchen würden. In Afrika würde immer weniger Wasser für die Natur zur Verfügung stehen und damit auch die Pflanzenwelt als Nahrungsquelle für Zugvögel knapper werden. „Weil die Ornithologie über sehr lange Datenreihen verfügt, können wir auf einigen Gebieten sehr genaue Aussagen machen“, beschreibt er sein Forschungsfeld.

Generell habe der Klimawandel unterschiedliche Auswirkungen auf die Vogelwelt. Während sich die weltweite Erwärmung für Zugvögel eher negativ auswirke, würden andere Arten davon profitieren. Ein Beispiel dafür seien die bis zu 10 000 Kraniche, die sich manchmal sogar noch zu Weihnachten in Brandenburg aufhalten würden. Hier fänden sie genügend Maisreste zum Überwintern.

Ins Hintertreffen gerät dagegen die Großtrappe. Nur noch wenig mehr als hundert Exemplare gibt es in Deutschland, alle leben in Brandenburg. Mit aufgerecktem Hals und breit gefiedertem Schwanz sieht die Trappe zwar stolz aus, ist aber als Kulturfolger des Menschen dessen Wirken in der Landschaft hilflos ausgeliefert. Große freie Flächen braucht der Vogel. Die aber verschwanden Mitte des vergangenen Jahrhunderts. So reduzierte sich der Bestand von mehreren Tausend Paaren bundesweit auf etwa 50 Tiere Mitte der 90er Jahre. Es täte ihm ja um jede Pappel leid, die gestutzt würde, beteuert Wolfgang Mädler von der Arbeitsgemeinschaft Berlin Brandenburgischer Ornithologen: „Aber der Trappenbestand hat sich durch entsprechende Maßnahmen stabilisiert.“R. Rabensaat

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