UMC meldet Insolvenz an Privatschule wirft Ministerium Intrige vor

(29.01.10)

Die UMC Potsdam (University of Management and Communication) hat am 26. Januar beim Amtsgericht in Potsdam einen Insolvenzantrag gestellt. Nach eigenen Angaben habe sich die ehemalige Privathochschule dazu gezwungen gesehen, da sie durch die Neugründung der Business School Potsdam (BSP) wirtschaftlich in die Enge getrieben worden sei (PNN berichteten). Wie der Geschäftsführende Gesellschafter der UMC, Eberhard Knödler-Bunte, gestern sagte, sei die Privatschule, die zum Jahresbeginn die staatliche Anerkennung verloren hatte, Opfer einer Intrige des Brandenburgischen Wissenschaftsministeriums geworden.

Bei der „feindlichen Übernahme“ der UMC durch die neugegründete BSP habe diese sich „augenscheinlich auf die parteiische Unterstützung“ des Wissenschaftsministeriums verlassen können, so Knödler-Bunte. „Dabei wurden vom Wissenschaftsministerium ganz offenkundig schwerwiegende arbeits-, wettbewerbs- und urheberrechtliche Rechtsverstöße in Kauf genommen“, sagte der Gesellschafter. Die UMC habe daher Klage gegen das Wissenschaftsministerium beim Verwaltungsgericht Potsdam eingereicht. Gegenstand der Klage sei die Aufhebung der vorläufigen staatlichen Anerkennung der BSP, die Anfang Januar in der Potsdamer Garde-Ulanen-Kaserne ihren Studienbetrieb aufgenommen hat. Die neue Privathochschule sei vom Wissenschaftsministerium in einer „Nacht-und-Nebel-Aktion kreiert worden“, so Knödler-Bunte.

Das Wissenschaftsministerium wies gestern gegenüber den PNN alle Vorwürfe der UMC als haltlos zurück. Das Ministerium habe nach dem Negativ-Votum des Wissenschaftsrates die staatliche Anerkennung der UMC nicht verlängern können. Die BSP habe daraufhin ein sehr gutes Konzept vorgelegt. Dabei sei genauer hingeschaut worden als zuvor, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Die vorläufige Anerkennung der neuen Hochschule sei nicht erfolgt, um Konkurrenz zwischen den beiden Hochschulen zu schüren. „Wenn eine Hochschule den Anforderungen entspricht, müssen wir sie auch zulassen“, sagte die Sprecherin.

Die UMC  behauptete indes, dass die Business School Potsdam sich eines Wirtschaftsunternehmens mit „über zwei Millionen Euro Umsatz pro Jahr und mit solider finanzieller Basis“ bemächtigt habe. Die BSP bestreitet dies allerdings. „Übersehen sollte man auch nicht, dass das Wissenschaftsministerium sich durch sein Vorgehen die jährlichen Transferzahlungen aus dem Hochschulpakt 2020 mit rund 7000 Euro pro neu geschaffenen Studienplatz sichert“, merkte Knödler-Bunte an. Dies mache einen jährlichen Betrag von über zwei Millionen Euro aus.

Durch die Neugründung der BSP sei der UMC die Chance für einen Neustart unmöglich gemacht worden. „Was vom Ministerium aber mehrfach in Aussicht gestellt worden war“, so der UMC-Gesellschafter. Der UMC sei durch die Konkurrenz der neuen Hochschule innerhalb eines Monats ein Verlust von Unternehmenswerten in Höhe von mindestens 1,2 Millionen Euro entstanden. „Nahezu die Hälfte aller UMC-Arbeitsplätze wurde vernichtet, internationale Verträge vor allem mit russischen Hochschulen können nicht mehr eingehalten werden – ein lang anhaltender Imageschaden auch für das Land Brandenburg“, so der UMC-Gesellschafter Knödler-Bunte. Jan Kixmüller

Kommentare

  • Verfolgt man die Vorgänge um die UMC/BSP von aussen, kommt man zwangsläufig zu folgenden Überlegungen:
    1. Das Wissenschaftsministerium hat beim Antrag zur staatlichen Anerkennung der UMC seinerzeit Jahre gemeinsamer, befruchtender Arbeit geleistet bis zum damals positiven Ergebnis für die UMC.
    Im Falle der BSP reichten zwei Wochen.
    Fazit: Die Gründungsvoraussetzungen sind bizarr verzerrt
    2. Wenn die neue Hochschule die Studierenden der UMC übernehmen durfte: wer hat die Leistungen der Studierenden vorher geprüft?
    3. Wer hat eigentlich - seltsdamerweise - in 14 Tagen 3 Lehrpläne neu aufstellen können, die denen der UMC entsprechen müssen, wenn eine Anerkennung der Studienleistungen möglich sein soll?
    4. Wenn das je hätte möglch sein sollen: woher kamen die Infos zu den Curricula? Anders gesagt: Wer ist strafrechtlich verantwortlich für die offensichtliche Verletzung des Urheberrechtes an den Lehrplänen?
    Für mich ist das Vorgehen des Ministeriums ein widerlicher Skandal, der einer demokratischen Gesellschaft zutiefst unwürdig ist.

    Dr.Hermann Ayen (30.01.2010)
  • Das Geschäft macht die neue Regierung des Landes Brandenburg, denn alle anderen zahlen

    Für jeden Studenten an einer privaten Hochschule erhält das Land Brandenburg durch Ausgleichsregelungen ca 7000,-€ pro Jahr aus Bundestöpfen. Bei drei Jahren Mindeststudienzeit und einigen hundert Studenten rechnet sich das, zumal staatliche Leistungen außer der Genehmigung und "Aufsicht" nicht erbracht werden müssen. Die so gewonnen „Gestaltungsspielräume“ können dann landes- bzw. wissenschaftspolitisch nach Art der jeweiligen Legislatur gefüllt werden. Damit das funktioniert, wird diesen Institutionen die Akkreditierung "ex ante" erteilt.
    Sollte dann eine dauerhafte Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat nicht zustande kommen, wird das Problem durch eine Neugründung gelöst, die sich weitgehend aus den Resten der vorherigen entsorgten Institution bedient. Nur so kann der Geldfluß aus den Ausgleichsfonds weitergehen und die Zahlung aus den studentischen Privatschatullen auch für die Zukunft garantiert werden.
    Die Entsorgung der nächsten "***School" ist dabei schon jetzt mit bedacht. Nahezu unvermeidlich bei einer Gründung ohne wissenschaftlichen Beirat, mit einem Lehrkörper, der nahezu ausnahmslos "ohne Ausschreibung berufen" wurde, deren Leitbild als eine Art "akademische Auffangesellschaft" geprägt wurde, bei einer Gründung, die nicht erst im Betrieb, sondern schon in ihrer Konstituierung von einem „ad hoc“-Management - zusammen mit dem Wissenschaftsministerium –geprägt ist.

    Seriosität sieht anders aus.

    Ergo: Sind die Studenten nicht schon durch die „Vorgänge“ arm dran, werden sie jetzt wirklich arm gemacht.

    R.Kenner (30.01.2010)