In Bedrängnis. Erst im Frühjahr 2008 war die UMC in die alte Hauptpost am Platz der Einheit gezogen. Als persönlichen Gast begrüßte damals UMC-Chef Eberhard Knödler-Bunte (l. oben) auch Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Fotos: A. Klaer/M. Thomas
Von Jan Kixmüller

Keine Berührungspunkte mehr

Die ehemalige Privathochschule UMC kämpft um ihre Studenten und Dozenten, die zur BSP abwandern (22.01.10)

Nach dem Verlust der staatlichen Anerkennung für die UMC-Potsdam (University of Management an Communication) im vergangenen November ist die Privatschule offensichtlich in Auflösung begriffen. Wie nun bekannt wurde, ist ein Großteil der Studierenden und Dozenten an die neu gegründete Fachhochschule für Management und Gesundheit, die Business School Potsdam (BSP) gewechselt. Die BSP war auf Initiative des Wissenschaftsministeriums im Schnellverfahren gegründet worden, um den Studierenden der UMC eine Perspektive zu geben. Hinter den Kulissen gab es daraufhin in den vergangenen Wochen ein Gerangel der beiden Schulen um die Studierenden, die mit ihren Studiengebühren den Bestand der jeweiligen Hochschule sichern. Nach Informationen der PNN sind mittlerweile die Hälfte der ehemals 300 UMC-Studenten an die neue BSP gewechselt, die UMC spricht von einem guten Drittel.

An der UMC hatte man noch im Dezember einen Neustart angekündigt. Mittlerweile ist der zurückgetretene UMC-Präsident Eberhard Knödler-Bunte als Geschäftsführender Gesellschafter der UMC wieder in einer maßgeblichen Position. In einem Schreiben an die Studierenden, das den PNN vorliegt, hatte er ihnen noch zu Weihnachten Hoffnungen auf eine Kooperation mit der Berliner Steinbeis-Hochschule gemacht. Kurz darauf schon erhielten die Studierenden Post von der neu gegründete BSP, worin ihnen in Aussicht gestellt wurde, durch einen Wechsel ihr Studium an einer staatlich genehmigten Hochschule ohne Unterbrechung fortführen zu können.

Knödler-Bunte schrieb daraufhin abermals an die Studierenden: Die BSP gehe unseriös und rechtswidrig vor, man werde rechtliche Schritte einleiten. Er verwies erneut auf Kooperationsgespräche mit der Steinbeis-Hochschule und stellte den Studenten in Aussicht, die Fortführung des Studiums an der UMC sichern zu können. Bei den Studierenden, die sich nach dem Negativ-Votum des Wissenschaftsrats noch geschlossen hinter die UMC gestellt hatten, kippte nun allerdings die Stimmung. Ein Studierendenvertreter nahm Gespräche mit der neuen Hochschule auf und empfahl seinen Kommilitonen den Wechsel. Anfang Januar wand sich auch ein Großteil der Dozenten, die mittlerweile zur BSP gewechselt waren, an die Studierenden, und ermutigte sie zum Wechsel.

Der Studierendenvertreter erhob schwere Vorwürfe gegen Knödler-Bunte, er habe die Studierenden getäuscht, eine Kooperation mit der Steinbeis-Hochschule sei nicht abzusehen, zudem sei die finanzielle Lage der UMC schon seit Monaten prekär. Mit dem Land werde es nach einer Klage der UMC gegen das Wissenschaftsministerium auch keine Zusammenarbeit mehr geben können. Knödler-Bunte habe von der BSP eine Ablösesumme verlangt. „Dies Leute machen Geschäfte auf unsere Kosten“, schrieb der Studierendenvertreter seinen Kommilitonen. Von der Steinbeis-Hochschule hieß es gestern, dass es außer einem Gespräch keine konkreten Kooperationsverhandlungen mit der UMC gegeben habe.

Der Studienbetrieb an der Business School Potsdam wurde mittlerweile aufgenommen, die ehemaligen UMC-Studierenden können dort zum Teil bei ihren ehemaligen UMC-Dozenten weiter studieren. Eine Studentin sagte den PNN, dass es einen sehr zügigen Aufbau der neuen Hochschule gegeben habe, das Studium zeichne sich durch einen geregelten Ablauf aus, auf Kritikpunkte des Wissenschaftsrates an den ehemaligen UMC-Studienstrukturen habe die BSP reagiert.

Die übriggebliebenen UMC-Macher sehen die Übernahme ihres Lehrbetriebs durch die neue Hochschule äußerst kritisch. „Die Hochschule, die Sie in Rekordzeit aus der Taufe gehoben haben, spiegelt ziemlich exakt das Angebot der UMC wider, stellt also damit einen frontalen Angriff auf die UMC dar“, schreibt der Minderheitsgesellschafter Rupert Ahrens in einem Brief an die BSP-Geschäftsführerin Ilona Renken-Olthoff. Weiter schreibt er von „modernem Raubrittertum“, „erheblichen Rechtsverletzungen“ und einer „feindlichen Übernahme“ durch die neue Privathochschule. Er fordert Renken-Olthoff zu seriösen Verhandlungen auf.

Ilona Renken-Olthoff wies die Anschuldigungen der UMC zurück. Sie habe weder Studierende noch Dozenten abgeworben. Es habe keine „feindliche Übernahme“ gegeben, die Betroffenen seien auf die BSP selbst zugekommen. Ein entsprechendes Schreiben an die Studierenden vom 30.12.2009, das den PNN vorliegt, sei nicht von ihr verschickt worden. Auch werde sie keine Verhandlungen bezüglich einer Ablösung mit der UMC führen. Bei den neuen BSP-Studenten kommt die UMC mit ihren Vorwürfen ebenfalls nicht mehr an. „Sie versuchen, auf eine dreiste und höchst unseriöse Art und Weise die Studenten für ihre Zwecke zu missbrauchen“, so eine Studentin. Ziel sei es, die neuen BSP-Studenten durch gezielte Spekulationen zu verunsichern.

UMC-Gesellschafter Knödler-Bunte bestätigte den PNN gestern, dass die UMC Klage gegen das Wissenschaftsministerium wegen der Anerkennung der BSP beim Verwaltungsgericht eingereicht habe und gleichzeitig gegen ehemalige Dozenten gerichtlich vorgehe. Der BSP warf er „wettbewerbswidrige Methoden“ vor. Es sei der Versuch unternommen worden, „relevante Teile der Professorenschaft auch durch finanzielle Anreize abzuwerben“. So sei es für die UMC im Januar immer schwieriger geworden, einen ordentlichen Lehrbetrieb zu organisieren. Die Entwicklung sei mit erheblichen Zumutungen für die Studierenden verbunden gewesen und habe die wirtschaftliche Existenz der UMC gefährdet, die bis Ende 2009 schwarze Zahlen geschrieben habe. Die UMC strebe nach wie vor einen Neustart an, so Knödler-Bunte.

Vom Wissenschaftsministerium hieß es, das Hochschulgesetz garantiere den Studierenden, ihr Studium an der UMC auch ohne deren Anerkennung zu beenden. Allerdings setze dies voraus, dass die UMC arbeitsfähig ist, so eine Sprecherin. Zur Zukunft der UMC wollte sie sich nicht äußern. Durch den Verlust des Hochschulstatus habe das Ministerium keine Berührungspunkte mehr mit der UMC.

Kommentare

  • Da ist doch auf beiden Seiten was faul. Wie kann denn plötzlich so eine private Hochschule in eine paar Wochen aus dem Boden sprießen. Und warum hat der Wissenschaftsrat und -ministerium den Stab vollkommen über die UMC gebrochen, die verlangten Änderungen wären doch machbar gewesen. Es sieht so aus, als ob irgendjemand die UMC loswerden und die BSP installieren wollte!

    S. Fritsch (22.01.2010)
  • Wenn man sich das Verhalten des UMC Geschäftsführers anschaut ist es wirklich sehr schwierig aus diesem ein Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Studenten abzuleiten. Sollte die BSP die Lösung für die jungen Menschen sein, die sich durch ihr Studium eine Zukunft aufbauen wollen, finde ich das nur richtig und halte eine möglichst schnelle und unbürokratische Akkreditierung und Anerkennung durch das Ministerium für ein Handeln im Sinne der Studenten. Zudem wäre es doch gut eine wirklich funktionierende private Hochschule in Potsdam zu haben.

    K. Meier (22.01.2010)
  • „Diese Leute machen Geschäfte auf unsere Kosten“

    Uh, welche Einsicht des Studierenden. Da geht jemand auf eine private Uni, bezahlt horrende Studiengebühren und wundert sich, dass man mit ihnen ein Geschäft macht.
    Wenn Geld im Spiel ist, dann hat die Bildung keinen Wert mehr. Da kann sich doch jeder einen Titel/Abschluss kaufen, eben um den "Bestand der Hochschule" zu sichern. Lächerlich, private Schulen und Hochschulen sollte man meiner Meinung nicht staatlich anerkennen...

    normaler student (22.01.2010)
  • Das Geschäft macht die neue Regierung des Landes Brandenburg.

    Für jeden Studenten an einer privaten Hochschule erhält das Land Brandenburg durch Ausgleichsregelungen ca 7000,-€ pro Jahr aus Bundestöpfen. Bei drei Jahren Mindeststudienzeit und einigen hundert Studenten rechnet sich das, zumal staatliche Leistungen außer der Genehmigung und "Aufsicht" nicht erbracht werden müssen. Die so gewonnen „Gestaltungsspielräume“ können dann landes- bzw. wissenschaftspolitisch nach Art der jeweiligen Legislatur gefüllt werden. Damit das funktioniert, wird diesen Institutionen die Akkreditierung "ex ante" erteilt.
    Sollte dann eine dauerhafte Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat nicht zustande kommen, wird das Problem durch eine Neugründung gelöst, die sich weitgehend aus den Resten der vorherigen entsorgten Institution bedient. Nur so kann der Geldfluß aus den Ausgleichsfonds weitergehen und die Zahlung aus den studentischen Privatschatullen auch für die Zukunft garantiert werden.
    Die Entsorgung der nächsten "***School" ist dabei schon jetzt mit bedacht. Nahezu unvermeidlich bei einer Gründung ohne wissenschaftlichen Beirat, mit einem Lehrkörper, der nahezu ausnahmslos "ohne Ausschreibung berufen" wurde, deren Leitbild als eine Art "akademische Auffangesellschaft" geprägt wurde, bei einer Gründung, die nicht erst im Betrieb, sondern schon in ihrer Konstituierung von einem „ad hoc“-Management - zusammen mit dem Wissenschaftsministerium –geprägt ist.
    Seriosität sieht anders aus.
    Ergo: Sind die Studenten nicht schon arm, werden sie jetzt wirklich arm gemacht.

    R. Kenner (23.01.2010)