Historische Tiefstände. Diesen September fiel der Wasserpegel der Elbe in Dresden auf rund 60 Zentimeter, bereits 2006 musste die Schifffahrt eingestellt werden (Foto). Foto: ddp
Von Jan Kixmüller

Kampf ums Wasser

Forscher rechnen mit drastischen Folgen des Klimawandels für den Wasserhaushalt der mitteleuropäischen Flüsse (14.10.09)

Auf der Elbe wird es eng. Bis 2050 werden die Wassertiefstände aufgrund des Klimawandels so gravierend, dass man sich von der Schifffahrt in den Sommermonaten verabschieden muss. Zu diesem Schluss kommt Frank Wechsung vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Phasen von extremem Niedrigwasser werden vor allem im Sommer häufiger“, so Wechsung. Bis Mitte dieses Jahrhunderts werde an der Elbe nur noch jedes zehnte Jahr die von der Frachtschifffahrt geforderte ganzjährige Mindesttiefe von 1,60 Metern erreicht werden. In einem Memorandum, das am Montag in Potsdam veröffentlicht wurde, heißt es, dass die langfristigen Änderungen des Wasserhaushaltes die ökologischen und sozioökonomischen Entwicklungsaussichten der Region entscheidend prägen werden. Das Memorandum wurde im Rahmen der nationale Konferenz des Forschungsprogramms „Glowa“ („Globaler Wandel des Wasserkreislaufs“) zu Perspektiven für Donau und Elbe verfasst.

Die Klima-Szenarien der vergangenen Jahre sind nach Erkenntnis der Forscher bereits Realität geworden. Zurzeit gibt es bereits etwa jeden zweiten Sommer Probleme mit der Schiffbarkeit der Elbe – zuletzt in diesem September. Ein weiterer Temperaturanstieg von zwei bis drei Grad bis zur Mitte des Jahrhunderts – zwei Grad gilt derzeit als die Grenze des Beherrschbaren – werde den Wasserhaushalt im Elbegebiet weiter stark verändern. Das Maximum der Flusspegel würde sich dann vom Frühjahr in den Winter verlagern. Zugleich treten Phasen von Niedrigwasser früher ein und halten länger an, wobei die Pegel das bisherige Niveau immer häufiger unterschreiten. Einige Flüsse würden zeitweise sogar trocken fallen. Eine Folge davon wären auch abnehmende Grundwasservorräte. Im Jahresdurchschnitt könnte die Niederschlagsmenge zwar etwas steigen, doch die Verteilung bereite größere Probleme: der Sommer bringt Trockenheit, der Winter bisweilen Hochwasser.

Zwar werde die Landwirtschaft noch einige Zeit von den ansteigenden Temperaturen profitieren. „Wasser wird jedoch zunehmend zum begrenzten Faktor“, so Wechsung. Auch im Energiesektor seien Einbußen vor allem bei der von Kühlwasser abhängigen Stromerzeugung in Ostdeutschland wie auch bei der Wasserkraftnutzung zu erwarten. Entwarnung geben die Klimaforscher allerdings vorerst bei den wirtschaftlichen Folgen der Entwicklung. „Die Kosten der Klimafolgen in Ostdeutschland und Tschechien werden zunächst überschaubar bleiben, nicht zuletzt weil der Wasserverbrauch von Industrie und Haushalten deutlich gesenkt wurde“, heißt es vom PIK.

Dennoch: die Folgen des Klimawandels für den Wasserhaushalt werden so drastisch ausfallen, dass Konflikte um Wasser in Mitteleuropa absehbar sind. Schon heute ist das Thema ein Politikum. Während die Wissenschaft darüber nachdenkt, ob die Abgabe von Wasser – etwa aus der Donau – kommende Defizite ausgleichen könnte, verweist die Politik darauf, dass zunächst die Probleme vor Ort gelöst werden müssten. Zumal auch in der Donau selbst das Wasser knapper werde und auch die italienische Po-Region nach dem Donauwasser dürstet. „Überleitungen sind nur die letzte Lösung, wenn überhaupt“, gibt Martin Grambow vom bayerischen Umweltministerium zu bedenken.

Die Problematik verlange grundlegendere Lösungen. „Wir können kein Wasser nach Spanien exportieren, um von dort dann wieder damit bewässerte Tomaten zu importieren“, so Grambow. Fritz Holzwarth vom Bundesumweltministerium erinnert auch daran, dass die letzten beiden großen Überleitungsprojekte in Spanien gescheitert sind. Überleitungen seien keine nachhaltigen Lösungen, die betroffenen Regionen müssten erst einmal ihre Sparpotenziale voll ausschöpfen.

PIK-Chef Hans Joachim Schellnhuber hält hingegen aufgrund der im globalen Vergleich bei Klimafolgen privilegierten Position Mitteleuropas Überlegungen zum Wasserexport für berechtigt. Hier tragbare Modelle zu entwickeln, die auch im Rest der Welt hilfreich sein könnten, sei auch eine wirtschaftliche Chance. Allerdings sei die Wasserentsalzung noch wichtiger als der Export. Es sei effektiver, Wasser in den betroffenen Dürreregionen zu entsalzen, als es Tausende Kilometer weit zu transportieren. Auch könne die Entsalzung mit Erneuerbaren Energien gekoppelt werden und so eine „zukunftsfähige Option“ für den Klimaschutz geschaffen werden.

Was die Elbregion und gerade auch Berlin-Brandenburg betreffe, erinnert Schellnhuber daran, dass laut Weltentwicklungsbericht das Klima in Berlin in 50 Jahren dem von Nordafrika entsprechen werde. Hier müssten heute tragfähige Strategien entwickelt werden, gerade auch zusammen mit dem Land Brandenburg. Auch für die Elbe fordert die Forschung heute schon an morgen zu denken. Denn, dass die Elbe in heißen Sommermonaten nicht gänzlich trocken fällt, wird heute durch Wasser aus der Moldau gesichert. „Das kann uns noch vielleicht 20 Jahre helfen“, so Professor Wolfgang Mauser von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dann aber würden ganz neue Lösungen gebraucht.

Kommentare

  • Was soll's, im Land laufen die Planungen für Wasserstraßen weiter, sogar neue Häfen werden anvisiert.

    grüner (14.10.2009)
  • In der Stadt Brandenburg wird eine Brücke angehoben, damit auf dem Silokanal (Havel-Wasserstraße) die großen Schiffe mit EU-Norm durchpassen. Z.Z. wird der Wasserstand gehalten, dank Staustufen ect...

    Neumann (14.10.2009)