Networking. Boris Müller (l.) erklärte den Ministerinnen Annette Schavan (2.v.l) und Johanna Wanka das interaktive Informationspult „Maeve“. Foto: Manfred Thomas
Von Jan Kixmüller

Sinnstiftende Spiele

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) stattete der FH Potsdam einen Besuch ab (24.07.09)

Wie üblich bei Staatsbesuchen, kam die Ministerin etwas später. Zwischen ihrer ersten Station bei den Ernährungsforschern in Rehbrücke und der Fachhochschule am Bornstedter Feld lag die ganze Stadt, und viele Baustellen. Schnell stand dann Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) mit ihrer Brandenburger Kollegin Johanna Wanka (CDU) an dem großen dunklen Tisch und ließ sich von Prof. Boris Müller vom FH-Fachbereich Design das interaktive Ungetüm demonstrieren. Was auf der Architektur-Biennale in Venedig schon begeisterte, gefiel auch der Ministerin. Kaum warf sie eine der verschiedenen Karten auf den Tisch, erschienen auf dem ausladenden Bildschirm zahlreiche Bilder, Tentakel, Verknüpfungen. Ein Bildschirm an der Wand gab die Informationen wieder.

Wer mit seitenlangen Texten im Internet oder auch in Ausstellungen nicht zurecht kommt, erhält durch die „Maeve“ genannte interaktive Projektionsfläche einen spielerischen Zugang zu Informationen. Ministerin Schavan warf eine Karte nach der anderen auf die digitale Spielfläche, bis ein enges Geflecht aus flirrenden Fäden, ein Netzwerk zwischen den verschiedenen Inhalten – in diesem Fall Baudenkmäler – entstanden war.

Netzwerke gehören ja zu den Lieblingsthemen von Politikern. Und wenn sie dann noch anwendungsbezogen sind – die Softwareindustrie hat ihr Interesse an Maeve bereits bekundet –, gefällt es der Politik erst recht. Doch als Boris Müller das Wort „sinnstiftend“ in den Mund nahm, hakte Schavan doch nach: „Kann Design sinnstiftend sein?“ Natürlich, klärten sie der Professor des Studiengangs Interface-Design auf. Dabei stehe der Mensch im Mittelpunkt, dem man die Anwendungen so leicht und spielerisch wie möglich machen will. Ministerin Wanka assistierte: „Wie bei einem teuren Auto, da kann man die meisten Anwendungen auch nicht nutzen, weil man sie nicht versteht“. Das wollen die Interface-Designer nun besser machen.

Vom Anwendungsbezug war es dann nicht mehr weit zum Thema Forschung. Hier sind die Fachhochschulen im Vergleich zu den deutschen Universitäten weit zurück, was vor allem auch an der niedrigeren Forschungsförderung liegt. Also sind anwendungsorientierte Drittmittelprojekte – wie etwa Maeve – gefragt, erklärte FH-Rektor Johannes Vielhaber. Und Ministerin Wanka ergänzte, dass die fünf Brandenburger FHs bei Drittmittelprojekten bundesweit unter den ersten 20 liegen. Doch das Problem des geringen Forschungsanteils bleibt. Wegweisend sei gerade für die Fachhochschulen daher das neue Brandenburger Modell der Forschungsprofessur. Vielhaber nannte das Modell eine glückliche Fügung.

Die „glückliche Fügung“ saß in Person von Ideengeberin Wanka mit am Tisch und freute sich über die Lorbeeren. Was ihre Kollegin aus der Bundespolitik offensichtlich anspornte. Schließlich ist ja derzeit auf Landes- und Bundesebene Wahlkampf, und so kündigte Schavan für die kommende Legislaturperiode einen Forschungs-Fonds für die deutschen Fachhochschulen an. Vorschläge, Ideen und Anregungen solle Vielhaber doch gleich ans Bundesforschungsministerium weitergeben.

Womit sich einmal mehr die FHs in den neuen Bundesländern an die Spitze der Bewegung setzen. Sind sie doch was Einrichtung und Kapazität anbelangt in der erst 20 Jahre jungen Forschungslandschaft-Ost den FHs im Westen zumeist weit überlegen. Was Ministerin Schavan bei ihrem Besuch auch nur schwerlich übersehen konnte, erlebte sie doch neben dem hochmodernen Labor- und Werkstatt-Trakt der Potsdamer FH auch das neue Zentralgebäude von innen. Der Bau atmet Moderne und Eleganz, verspricht viel Platz und bietet in seinem Sitzungssaal sinnliche Ausblicke auf Belvedere und Volkspark. Schavan stimmte dann auch geradezu ein Hohelied auf die deutschen Fachhochschulen an, die eben nicht Unis zweiter Klasse seien, sondern etwas anderes, mit eigenen Stärken – Stichwort Anwendung. „Die FHs haben ein hohen Anteil am Innovationssystem“, sagte Schavan. FH-Rektor Vielhaber will offensichtlich auch an dieser Erfolgsgeschichte mitstricken: „Wir sind bereit zu wachsen, bis zur Verdopplung!“

Kommentare

  • Außer Spesen nichts gewesen: Was lässt sich auf ein Versprechen im Wahlkampf geben? Nicht viel. Und wer in der nächsten Legislatur das Forschungsministerium leitet, ist ja noch offen.

    C. Werner (24.07.2009)