16.08.2018, 28°C
  • 01.08.2018
  • von Jan Kixmüller

Immer mehr Hitzewellen Klimaforscher sehen ihre Prognosen bestätigt

von Jan Kixmüller

Am Dienstag wurde in Potsdam mit 36,3 Grad die bislang höchste Temperatur des Jahres gemessen, in Bernburg an der Saale wurden sogar 39,4 Grad erreicht. Die Temperaturen liegen in Deutschland seit Wochen immer wieder über 30 Grad, die Niederschlagsbilanz ist in vielen Teilen des Landes seit April extrem niedrig, die Landwirte werden vor allem im Nordosten Deutschlands von der Dürre in Existenznot gebracht. In Deutschland war der diesjährige Juli der fünftwärmste und zweitsonnigste seit Messbeginn.

Die Hitze und Dürre ist außergewöhnlich, wie nun auch Klimaforscher bestätigen. Vor allem auch, weil sie große Teile der Nordhalbkugel betreffen – so gibt es seit Wochen sogar am Polarkreis eine Hitzewelle, die Temperaturen liegen dort vier bis sechs Grad über dem Mittel. Von Japan bis in die Arktis ist es heiß, in Deutschland, Schweden, Griechenland und Kalifornien brennen Wälder. Ob die Hitze nun eine Folge des Klimawandels ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Grundsätzlich lassen sich einzelne Wetterereignisse nicht auf den Klimawandel zurückführen – und Hitzewellen gibt es immer wieder. Aber an der Häufung von Wetterextremen können Forscher zumindest Trends erkennen – die sich mittlerweile mit Prognosen und Modellen von Klimaforschern decken: Durch die Erderwärmung sind häufigere und schlimmere Hitzewellen und Extremniederschläge physikalisch zu erwarten, erklärt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Das gelte für Hitzewellen wie auch für Starkregen.

Auch Fred Hattermann vom PIK sieht einen Zusammenhang. Wegen der durch den Klimawandel erhöhten Grundtemperatur seien Hitzephasen noch extremer. „Wir befinden uns bereits mitten im Klimawandel“, sagte Hattermann in der ARD. In Deutschland habe die Temperatur seit der industriellen Revolution im Durchschnitt bereits um 1,4 Grad zugenommen, so Hattermann. Das beeinflusse die Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen oder extremen Regenfällen mit Überflutungen. Wärmere Temperaturen seien zudem auch für die Landwirtschaft eine große Herausforderung, die sich erheblich auf Ernten auswirken können.

PIK-Forscher Anders Levermann kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass die gegenwärtige Hitze auf der gesamten nördlichen Erdhalbkugel äußerst ungewöhnlich ist. Die vergangenen drei Jahre waren global die heißesten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Der Sommer 2018 sei wohl ein Vorgeschmack auf die Zukunft: „Bei ungebremstem Klimawandel werden extreme Episoden wie derzeit wohl noch häufiger vorkommen.“ PIK-Forscher Peter Hoffmann erwartet sogar, dass extreme Sommer wie der aktuelle 2050 bereits Normalität sein könnten.

Bleibt abzuwarten, wie der Sommer 2018 sich weiter entwickelt. Schon jetzt hat er zumindest in Deutschland das Potenzial, an den Jahrhundertsommer von 2003 heranzukommen, bei dem es in Mitteleuropa rund 70 000 Hitzetote gab. Für die nächsten zehn Tage zumindest sieht es in Deutschland – nach einem Gewitterintermezzo am Mittwoch und Donnerstag – weiterhin nach Trockenheit und Temperaturen um und über 30 Grad aus. Erst Ende nächster Woche könnte die heiße Luft zurückgedrängt werden. Zu trocken würde es aber auch in diesem Fall bleiben. Jan Kixmüller

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