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  • 07.03.2018
  • von René Garzke

Hasso-Plattner-Institut in Potsdam: Digitale Revolution in der Schule

von René Garzke

Digitaler Umbruch. Auch Schulunterricht findet zunehmend online statt. Foto: Arnold, dpa

Dieses Projekt aus Potsdam verspricht eine Revolution für den Schulalltag: Mit der Schul-Cloud will das Hasso-Plattner-Institut (HPI) den altbackenen Unterricht auf ein neues Fundament stellen. Mit dieser Internet-Architektur soll es möglich sein, dass Schüler wie Lehrer über das Netz auf unterschiedliche Lern-Apps und -materialien zugreifen können. Nach einer einjährigen Pilotphase an 27 Schulen im Bundesgebiet gab HPI-Direktor Christoph Meinel am vergangenen Donnerstag bei einer Konferenz bekannt: In zwei Monaten soll damit begonnen werden, die Schul-Cloud auf insgesamt 300 Schulen auszudehnen.

Konkret geht es bei der vom HPI entwickelten Schul-Cloud darum, eine Infrastruktur anzubieten. Eine Plattform, auf der Hersteller von Lern-Apps ihre Software für Schüler und Lehrer zur Verfügung stellen können. Wichtig dabei ist: Die Schulen in Deutschland müssten für das HPI-Angebot nicht erst hochgerüstet werden. Stattdessen kann jeder Schüler mit dem eigenen Smartphone oder Laptop auf die Inhalte im Netz zugreifen.

Gleichzeitig bedeutet die HPI-Cloud auch: Die Schulen haben keinen zusätzlichen administrativen Aufwand. Denn bisher laufe es oftmals so, sagte Meinel: „Es wird ein Lehrer gebeten, ob er nicht mal gucken könne.“ Die Pflege technischer Systeme auch gegen Cyberattacken sei aber ein Vollzeitjob, sagte Meinel. „Wenn ich daneben noch Lehrer oder noch Schüler bin, können die Rechner nicht richtig gepflegt werden.“ Zum Vergleich: Allein am HPI gebe es „eine ganze Mannschaft“ von Administratoren, sagte Meinel. Eine Cloud-Lösung für den Unterricht heißt für die Schulen also: digitaler Fortschritt mit geringstmöglichem Aufwand.

Zuletzt wurde die Notwendigkeit einer Veränderung des Schulunterrichts auch von höchster politischer Ebene anerkannt: Auch im Koalitionsvertrag der Großen Koalition wird eine „Offensive für Bildung, Forschung und Digitalisierung“ versprochen. Teil dessen soll ein „Digitalpakt Schule“ sein, fünf Milliarden Euro will die neue Bundesregierung dafür lockermachen. Sogar ganz konkret wird in dem Koalitionsvertrag eine „gemeinsame Cloud-Lösung für Schulen und Qualifizierung der Lehrkräfte“ angekündigt. Fakt ist aber auch: Nicht nur das HPI arbeitet an einer solchen Infrastruktur. In manchen Bundesländern gibt es gleich mehrere Initiativen, einige Kommunen bieten lokale Lösungen an und selbstverständlich gibt es auch private Firmen, die eine Bildungscloud zu ihrem Geschäftsmodell machen.

Trotz der Einbettung in die große politische Agenda gibt es in Deutschland aber auch Hürden für die effektive Umsetzung einer solchen Cloud. „Auch bei dem, was technisch eigentlich einfach umzusetzen ist, ist gar nicht so ganz klar, ob der Lehrer das überhaupt in seinem Unterricht benutzen darf“, sagte HPI-Direktor Meinel. Sobald personenbezogene Daten im Spiel sind, braucht es die Zustimmung aller Nutzer – bei minderjährigen Schülern müsste zuvor also erst das Einverständnis der Eltern eingeholt werden. Dabei ist die Wiedererkennung des Nutzers für ein effektives System elementar, etwa bei einem Vokabeltrainer. Der solle sich daran erinnern, welche Vokabel der Schüler konnte und welche noch nicht – und die nicht gekonnten am nächsten Tag erneut abfragen, sagte Meinel. „Schon haben wir personenbezogene Daten im Spiel“, so der HPI-Direktor: „In Deutschland ist alles reglementiert.“ René Garzke

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