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  • 21.02.2018
  • von R. Rabensaat

Deutschland verschläft die Entwicklung

von R. Rabensaat

Diskussion zur Zukunft der Elektromobilität mit Volkswirtschaftler Dean Graham am IASS-Institut

Lange Zeit habe die deutsche Regierung die Entwicklung von Elektroautos verschlafen, stellt John Dean Graham fest. Unlängst sprach der renommierte Experte am Potsdamer Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS). Weltweit verlaufe die Entwicklung von Elektroautos allerdings viel positiver als gemeinhin angenommen, ergänzte dazu der wissenschaftliche Direktor des IASS Ortwin Renn. Dies würde auch aus aktuellen Studien von Graham hervorgehen.

Die Automobilwirtschaft und ihre Entwicklung hat den Politik- und Wirtschaftswissenschaftler Graham schon in seiner Doktorarbeit beschäftigt. Dort schrieb er über Sicherheitssysteme und Airbags. Im Laufe seiner weiteren Karriere war Graham unter anderem für die Kostenreduktion der Bush-Regierung zuständig. Gegenwärtig lehrt er an der Indiana University School of Public and Environmental Affairs. In mehreren Studien hat sich Graham mit der Automobilwirtschaft und deren Zukunft und Entwicklung befasst.

„Am Anfang des vergangenen Jahrhunderts gab es in den USA mehr Elektro- als Benzinautos“, weiß Graham. Dass sich das Benzinauto dann zum Massentransportmittel entwickelt habe, sei im Wesentlichen auf die im vergangenen Jahrhundert massiv angestiegene Ölproduktion, den billigen Ölpreis und die vergleichsweise billigen Produktionskosten von immer stärker werdenden Verbrennungsmotoren zurückzuführen gewesen. Die USA versuche derzeit eine andere Entwicklung anzuschieben. Das Elektroauto solle eine Zukunft bekommen, die abseits des Nischensegments von Luxusautos wie dem Tesla liege. Während es im Jahre 2010 lediglich drei unterschiedliche Modelle von Elektroautos in den USA gegeben habe, seien es im Jahre 2014 bereits 17 gewesen. Einige sind Hybridmodelle, andere werden nur mit Elektrizität betrieben. Diese Entwicklung sei im Wesentlichen der amerikanischen Industriepolitik geschuldet, so Graham. Denn die habe seit dem Jahr 2009 massiv darauf gesetzt, den Marktanteil von Elektroautos zu stärken.

2009 und dann noch einmal im Jahre 2011 gab Präsident Obama das staatliche Ziel aus, im Jahre 2015 eine Million Elektroautos auf den Straßen der Vereinigten Staaten sehen zu wollen. Das Ziel wurde verfehlt. Auch wenn die Verkäufe von Elektroautos nach Obamas Initiative von 2013 auf 2014 um 33 Prozent zunahmen. Der Marktanteil insgesamt lag da allerdings noch immer bei weniger als einem Prozent. Mit dem Nissan Leaf, dem Cheavy Volt und dem Toyota Prius positionieren sich die großen globalen Automarken gegenwärtig im Markt für Elektroautos. 22 verschiedene Modelle von Elektro- und Hybridautos bietet Toyota derzeit weltweit an. Dennoch verkaufen sich Elektroautos weder in den USA noch in Deutschland sonderlich gut. Das läge an den immer noch nicht befriedigenden Reichweiten der Autos, den nicht ausreichend vorhandenen Ladestationen, dem hohen Preis und der auch nicht unproblematischen Weiterverwertung der Elektroautos, so Graham.

Deutschland erreicht prozentual gerade mal die Hälfte des verkauften US-Anteils. „Entscheidend wird aber sein, dass Elektroautos zu einem Massentransportmittel werden“, konstatiert Graham. Nur dann könnten die Vorteile, wie Umweltverträglichkeit, zukunftsweisende Technologien der Elektroautos und die billigere Energieversorgung, wichtig werden. Hierfür gebe es in Europa an sich bessere Chancen als in den USA. Dort weisen SUV und andere Groß-Automobile, die weitgehend Benzin- oder Diesel getrieben sind, einen noch größeren Marktanteil auf als in Europa.

Die Chancen des Elektromobils habe zumindest die französische Regierung erkannt, die mit 10 000 Euro Steuervorteil einen „Superbonus“ für den Kauf eines Wagens ausgelobt habe. Damit sei die französische Regierung dem anspruchsvollen Null-Emissions-Programm Kaliforniens gefolgt, mit dem nachhaltige Energien und auch Elektroautos gefördert würden. Deutschland habe sich zu lange auf seine führende Rolle in der weltweiten Automobilproduktion und seine weltweit gefragten Dieselmotoren verlassen.

Anders Norwegen: das Land weise mit 29 Prozent den größten Anteil des weltweiten Absatzmarktes für Automobile auf. Den Norwegern komme dabei die Struktur ihres Landes zugute. Denn große Strecken würden dort häufig mit dem Zug oder dem Flugzeug zurückgelegt. Innerhalb der nicht so zahlreichen größeren Städte sei das in Norwegen massiv geförderte Elektroauto häufig die bequemere und billigere Alternative zum Benziner. „Die großen deutschen Autofirmen beginnen umzudenken, aber es kommt reichlich spät und auch nicht besonders schnell“, meint Graham. Die Politik müsse in Deutschland das Umsteigen aufs Elektroauto massiver unterstützen, um dieses für den Markt attraktiv zu machen. Nur so könne es zu einem Boom der Elektroautos kommen. R. Rabensaat

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