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  • 27.12.2017
  • von Felix Hackenbruch (mit Kix)

Studierende prämieren die „beste“ 4,0-Arbeiten: Mit Stinkefinger und Schnaps

von Felix Hackenbruch (mit Kix)

Foto: Marten Schälicke

Studierende haben den „Vierkommanull Award für außerordentliches Scheitern“ verliehen. Eine Veranstaltung mit Spaß, Alkohol, und einer unangenehmen Wahrheit für Hochschulen und Universitäten.

Ein gutes Pferd, heißt es im Volksmund, springt nur so hoch, wie es muss. Sebastian Pape hat sich diese Weisheit zu Herzen genommen. Sechs Jahre hat er studiert für seinen Bachelor in Volkswirtschaft an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Seine Abschlussarbeit mit dem Titel „Ethisches Investment“ schrieb er in den zwei Nächten vor der Abgabe. Er brachte nicht mehr als die Einleitung („Es war eher eine Polemik“) und einen Theorieteil zu Papier. Bestanden hat er trotzdem. Mit 4,0.

Entscheidend ist der Abschluss, nicht die Note – ein Credo, mit dem Studierende durchzukommen scheinen. Das Hochschul-Magazin „Zur Quelle“, herausgegeben von Studierenden der Universität Potsdam, hat diese Geisteshaltung nun erstmals mit einem Preis gewürdigt: Der „Vierkommanull Award für außerordentliches Scheitern“. 55 Einsendungen aus ganz Deutschland hatte es gegeben. Pape schaffte es auf Platz drei.

„Wir wollen dem akademischen Betrieb dem Stinkefinger zeigen – und Schnaps trinken“, bringt Robert Hofmann den Grundgedanken der Preisverleihung auf den Punkt. Der „Zur Quelle“-Herausgeber und die übrigen Macher des Awards nehmen sich dabei nicht allzu ernst. Die Preisverleihung in einer schummrigen Bar in Berlin-Moabit durchzieht stets ein ironischer Ton. Einen Apfel- oder Glitzerschnaps können die Zuschauer gewinnen, die bei einem Harry-Potter-Quiz („Welche Farbe hat ein Babyeinhorn?“) richtigliegen („Gold“). „Oh Studium, oh Studium, du bringst noch meine Leber um“, dichtet ein Büttenredner und ext sein Bier.

Doch hinter der Fassade aus Spaß und Alkohol steckt eine für Hochschulen und Universitäten unangenehme Wahrheit. „Niemanden interessiert es, was Studierende in ihren Hausarbeiten schreiben“, sagt Hofmann. „Hauptsache, man schreibt in akademischer Hochsprache“, sagt auch Pape. Gerade auf private Universitäten wirft das kein gutes Licht. Wo Studierende viel Geld für eine gute Betreuung bezahlen, sei diese keineswegs besser, sagt Hofmann. Der einzige Unterschied: Die Studierenden würden trotz „grottiger Arbeiten einfach durchgedrückt“. Den Abschluss könne man sich kaufen. Auch die Gewinnerin des Preises, die den mit 500 Euro dotierten Award kurz vor der Verleihung abgelehnt habe, ist von einer privaten Hochschule. Beide darf Hofmann namentlich nicht nennen, ihm drohen rechtliche Konsequenzen. „Ihr Vater und ihre Hochschule wollten das so“, sagt Hofmann. „Ein Schuldeingeständnis der Uni.“

So wird der zweite Platz für den Lehramtsstudenten Tobias Schindler zum Höhepunkt des Abends. „Krieg und Kunst“ ist der Titel seiner Hausarbeit, für die er sich heute noch schäme. Die Jury, zu der auch Tom Kraftwerk – selbst Langzeitstudent und Buchautor – gehört, überzeugte das Werk. „Das war doch das Dahingeschissene mit Krieg und ohne Inhalt“, sagt Kraftwerk. Bestanden hat Schindler trotzdem. Mit 1,0.

Die 2013 gegründete Potsdamer Studentenzeitung „Zur Quelle“ indes ist nicht bloß „dahingeschissen“: 2014 gewann man immerhin den Pro-Campus-Presse- Award: für ein stimmiges Konzept und Originalität. Felix Hackenbruch (mit Kix)

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