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  • 01.11.2017
  • von Richard Rabensaat

Forschung in Potsdam: Neuer Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

von Richard Rabensaat

Hingucker. Lange Wimpern gelten als schön. Ein neues Mittel für mehr Wachstum haben Potsdamer Forscher entdeckt. Foto: J. Kalaene/dpa

Der Polymerforscher Joachim Storsberg hat einen Wirkstoff entdeckt, der Wimpern zum Wachstum anregt.

Potsdam - Das genaue Rezept bleibt vorerst ein Geheimnis. Auch wenn er schon viele Anfragen bekommen habe, berichtet Joachim Storsberg, der die Abteilung Biomaterialien und Healthcare am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP) in Potsdam-Golm leitet. TV-Sender, Pharma- und andere Unternehmen, alle sind brennend an seiner neuen Entwicklung interessiert. Storsberg hat einen Wirkstoff entdeckt, der Wimpern zum Wachstum anregt – und damit einen Nerv in der Kosmetikbranche getroffen.

Augen- und Hautcremes stehen momentan im Fokus seines Forschungsteams. „Wir forschen meist zu ganz aktuellen Themen“, sagt Storsberg. Eine seiner Studentinnen, Mine Kaya, hatte im Rahmen ihrer Bachelorarbeit Anti-Aging-Anwendungen, also Faltencremes, für die Augenpartie und Stoffe, die Wimpern wachsen lassen, untersucht und entwickelt. Sie erhielt dafür einen Förderpreis für herausragende studentische Leistungen. Die Anti-Aging-Creme wirke auf die unteren Hautpartien ein, die Oberhaut straffe sich, erklärt Storsberg. Die Schwierigkeit bestünde darin, die Inhaltsstoffe, die zur Straffung der Oberhaut führen würden, in der aus mehreren Schichten bestehenden Haut an die richtige Stelle zu transportieren. Das sei schließlich gelungen.

Dabei hatte das Forscherteam auch einen interessanten Nebeneffekt der Creme untersucht: deren Auswirkung auf das Wachstum der Wimpern. Zwar gab es auch bisher Mittel, die Wimpern wachsen lassen. Diese beinhalten allerdings zumeist Prostaglandin, ein Gewebshormon. Und das kann erhebliche Nebenwirkungen aufweisen: erhöhter Augeninnendruck, Brennen in den Augen, Verfärbungen von Wimpern, Augenlid und Iris. Das Forscherteam sah nun eine Möglichkeit, ein entsprechendes Wachstumsmittel zu entwickeln, das ebenfalls Wimpern wachsen lässt, aber ohne Prostaglandin auskommt und auf rein pflanzlichen Wirkstoffen basiert. „Das ist uns gelungen“, sagt Storsberg mit Freude.

Kosmetika und Heilmittel, die ausschließlich auf pflanzlichen Wirkstoffen basierten, lägen ziemlich im Trend. „Es gibt da ein oft Jahrhunderte altes Wissen, das in den vergangen 30 Jahren zu erheblichen Teilen vergessen worden ist – und nun neu entdeckt wird“, erklärt Joachim Storsberg. Wie der Forscher dieses Wissen nun wieder entdeckt, möchte er allerdings nicht verraten. „Wir gehen nicht in den Wald Pflanzen sammeln. Es gibt entsprechende Firmen, die uns die Stoffe liefern, mit denen wir experimentieren“, erklärt er. Wenn das entsprechende Mittel für die Wimpern soweit getestet sei, könne es für die Öffentlichkeit vermarktet werden. „Dann möchten wir mit einem Unternehmen zusammenarbeiten“, so der Wissenschaftler, der auch einen Lehrauftrag an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin hat. Seine aktuellen Forschungsvorhaben beschränken sich nicht nur auf die Wimpern. „Wir haben hier schon verschiedene Cremes entwickelt“, sagt Hilal Bahceci. Auch gegen die Stewardessen-Krankheit, einen speziellen Ausschlag, der sich häufig in der Mundregion bei Stewardessen einstellt, hat die Forschungsabteilung ein Mittel entwickelt. Es wird davon ausgegangen, dass der Ausschlag aufgrund der speziellen Luftdruckverhältnisse in hoch fliegenden Maschinen entsteht.

Bekannt und ausgezeichnet wurde der Potsdamer Forscher zudem für die Entwicklung einer künstlichen Augen-Hornhaut. Das speziell beschichtete Implantat hilft Patienten, die weitgehend erblindet sind. Da ein deutlicher Mangel an Spenderhornhäuten besteht, sind künstliche Implantate für Patienten, deren Hornhaut durch eine Krankheit oder durch einen Unfall zerstört oder massiv beeinträchtigt wurde, oft die letzte Chance, ihr Augenlicht zurückzuerlangen. Im Jahre 2009/2010 war die Hornhaut so weit entwickelt, dass sie Patienten eingepflanzt werden konnte. „Wir haben nun schon über 40 Hornhäute implantiert und keine Abstoßungsreaktionen registriert“, erklärt Storsberg.

Bisher bestand das Problem bei der Herstellung künstlicher Hornhäute und der Verpflanzung von Spenderhornhäuten in den Abstoßungsreaktionen, die sich nach einiger Zeit einstellten. Noch ist es wohl für eine abschließende Beurteilung der Implantate zu früh. Wenn sich aber die bisherigen positiven Resultate fortsetzen, besteht Hoffnung für einige Tausend Patienten.

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