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  • 11.10.2017
  • von M. Burkart

Von Gärtnern, Botanikern und Dichtern Schiedes Goldlockenfarn und Chamissos Liste

von M. Burkart

Ausladend und alt. Schiedes Goldlockenfarn im Botanischen Garten. Foto: M. Burkart

Im Botanischen Garten der Uni Potsdam wachsen exotische und heimische Pflanzen. In den PNN stellt Kustos Michael Burkart jeden Monat eine von ihnen vor.

Als Erika Urbich 1954 ihre Gärtnerausbildung im Potsdamer Botanischen Garten begann, war der gerade vier Jahre alt. Die junge Erika dachte nicht daran, dass sie nach fast 50 Jahren dieselbe Einrichtung als stellvertretende Technische Leiterin in den wohlverdienten Ruhestand verlassen würde. Sie erwies sich aber schnell als geschickt und umsichtig, sodass ihr als Junggärtnerin auch spezielle Aufgaben übertragen wurden. Dazu gehörten zum Beispiel Fahrten nach Westberlin in den Dahlemer Botanischen Garten. Dort gab es einen alten Gärtnermeister, der mitgebrachte tropische Farne bestimmen konnte. Mit dem Mauerbau 1961 endeten diese Fahrten dann.

Bereits in ihrem ersten Lehrjahr traf die Auszubildende im Potsdamer Farnhaus zwei stattliche Exemplare eines kurzstämmigen Baumfarns an, beide offensichtlich älter als sie selbst. Schiedes Goldlockenfarn (Cibotium schiedei) stammt aus Mexiko und bildet ausladende Wedel von freundlich hellgrüner Farbe. Sie entspringen einem kurzen, dicken Stamm, der dicht mit rotgoldenen Schuppenhaaren bedeckt ist. Schiedes Goldlockenfarn ist damit einer der schönsten Baumfarne, auch wenn er eigentlich gar keine richtige Baumgestalt ausbildet. Er war schon 1830 als neue Art erkannt und beschrieben worden, nämlich von den beiden Kustoden Diederich von Schlechtendal und Adelbert von Chamisso am Berliner Botanischen Garten, welcher sich damals noch im heutigen Kleistpark in Schöneberg befand. Chamisso war zu dieser Zeit bereits ein bekannter Mann. 1781 in der Champagne als Sohn eines französischen Grafen geboren, kam er mit seinen Eltern nach Flucht vor den französischen Revolutionsheeren 1796 nach Berlin. Nach Militärdienst und vielfältiger literarischer Betätigung hatte er großen Erfolg mit der Erzählung „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ von einem Mann, der dem Teufel seinen Schatten verkauft. Von 1815 bis 1818 nahm er an der einzigen russischen Weltumsegelung jener Zeit teil, der Rurik-Forschungsreise, die ihn unter anderem nach Kalifornien, Hawaii und Alaska führte. Daraufhin erhielt er eine Ehrendoktorwürde sowie eine Anstellung am Königlichen Herbarium zu Berlin.

Der Name dieses Goldlockenfarns ehrt seinen Entdecker Christian Schiede, der zwischen 1826 und 1830 in Mexiko Pflanzen und andere Naturalien sammelte, um sie nach Berlin zu schicken und an Museen sowie Privatsammler zu verkaufen. Das Geschäft war finanziell kaum auskömmlich, wissenschaftlich aber ertragreich: Schiedes Goldlockenfarn trägt die Nummer 801 in der Schlechtendal-Chamisso-Liste.

Schiede blieb schließlich als Arzt in Mexiko und starb dort 1836 mit nur 38 Jahren, Chamisso starb zwei Jahre später in Berlin. Erika Urbich erfreut sich noch recht stabiler Gesundheit und ist inzwischen als Schatzmeisterin des Freundeskreises des Potsdamer Botanischen Gartens sowie als „lebendes Archiv“ dieses Gartens geachtet und geschätzt – und sie ist immer noch jünger als die beiden Goldlockenfarne im Farnhaus. M. Burkart

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