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  • 04.10.2017

Die Grenzen der Sprache

Neudeutsch. Wie neue Dialekte entstehen, untersuchen Sprachforscher. Foto: A. Klaer

Sonderforschungsbereich zur Variabilität in Sprache

Neue Erkenntnisse über die Struktur und Funktionsweise des menschlichen Sprachsystems erhoffen sich Forscher eines neuen Sonderforschungsbereichs (SFB) an der Universität Potsdam. Der SFB „Die Grenzen der Variabilität in der Sprache: Kognitive, grammatische und soziale Aspekte“ wird am heutigen Mittwoch offiziell an der Universität Potsdam eröffnet. Für die Universität Potsdam bedeutet der SFB nach eigenen Angaben nicht nur eine höhere internationale Sichtbarkeit, sondern auch eine Schärfung ihres Profils. „Denn die neuen Projekte bereichern und erweitern den bestehenden universitären Forschungsschwerpunkt Kognitionswissenschaften“, so die Hochschule.

Sonderforschungsbereiche sind langfristige Projekte zur Grundlagenforschung, in ihnen kooperieren Wissenschaftler aus mehreren Disziplinen oder von mehreren Universitäten, um neue Erkenntnisse zu einem eingegrenzten Thema zu erlangen. Sie werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit Mitteln des Bundes und der Länder gefördert.

„Sprache ist eigentlich ein Wunder“, sagt die SFB-Sprecherin Isabell Wartenburger. „Ohne einander zu kennen, können wir miteinander kommunizieren“, so die Professorin für Patholinguistik. So gut dieses Werkzeug im Alltag funktioniert, stoße es aber doch immer wieder an seine Grenzen: „Ein ungewohnter Satzbau, eine andere Betonung oder eine unbekannte Vokabel können die Kommunikation schwer oder gar unmöglich machen.“ Solche sprachlichen Herausforderungen will der neue SFB 1287 an der Universität Potsdam erforschen.

In 13 Teilprojekten werden die Wissenschaftler des neuen des SFBs ihrer Arbeit nachgehen. Darin wollen die Forscher unter anderem klären, welche Strukturen aus fremden Sprachen oder Dialekten Menschen übernehmen, was die Pupillenweite über die Sprachverarbeitung bei Kleinkindern aussagt oder welche Rolle der Tonfall für Menschen mit der Sprachstörung Aphasie – etwa nach Schlaganfall oder Unfall – spielt. „Langfristig wollen wir die Ergebnisse der einzelnen Projekte zur gemeinsamen Theoriebildung nutzen“, erklärt Wartenburger.

Die am SFB beteiligten Wissenschaftler sind am Institut für Germanistik, den Departments für Linguistik und Psychologie, dem Potsdam Research Institute for Multilingualism sowie am Department für Sprachwissenschaft und Sprachtechnologie der Universität des Saarlandes tätig. Sie arbeiten in den kommenden vier Jahren zu den Themen Sprachverarbeitung, Interaktion und Kommunikation sowie Grammatik. Zum SFB gehören außerdem ein Verwaltungsprojekt, ein Projekt zum Datenmanagement und Statistiksupport sowie ein Graduiertenkolleg mit regelmäßigen Veranstaltungen für die 25 internationalen Nachwuchsforscherinnen und -forscher. Professor Sjef Barbiers (Universität Leiden) wird Mercator-Fellow im SFB und wird die Arbeit in dieser Funktion in den nächsten vier Jahren begleiten. Kix

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