17.11.2017, 8°C
  • 13.09.2017
  • von Michael Burkart

Wo Hummeln gerne schaukeln Die Stauden-Bartblume macht dem Gärtner Spaß

von Michael Burkart

Rares Kraut. Blüht spät und ist schwer zu bekommen: die Stauden-Bartblume. Foto: MB

Im Botanischen Garten der Uni Potsdam wachsen exotische und heimische Pflanzen. In den PNN stellt Kustos Michael Burkart jeden Monat eine von ihnen vor.

Schade eigentlich, dass diese Art nicht öfter in die Gärten gepflanzt wird. Denn die Stauden-Bartblume (Tripora divaricata) ist eine Gartenpflanze, die Spaß macht. Leider ist sie nur selten im Handel. Zunächst ist da ihre ungewöhnlich späte Blütezeit – im September geht es erst richtig los und dauert bis zum Beginn der kalten Tage. Alte Pflanzen bilden bei nicht zu knapper Wasserversorgung und hellem, freiem Stand große Büsche mit bis zu zwei Metern Höhe und Breite. Die Blütenfarbe ist intensiv blau mit einem Stich ins Violette.

Der größte Spaß kommt durch die Blütenbesucher. Hummeln lieben die blauen Blumen. Setzt sich ein so gewichtiges Insekt darauf, klappt die Blüte an ihrem dünnen Stiel als Ganzes mit Schwung herunter – eine verblüffende Schaukelbewegung, aber die Hummeln kommen gut damit zurecht. Schnell sammeln sie den verfügbaren Nektar und fliegen zur nächsten Blüte, wo das Spiel von vorn beginnt, während die alte Blüte unverzüglich zurückschwingt.

Durch die Bewegung wird Pollen auf dem Rücken der Hummel platziert. Dafür ragen die Staubbeutel an langen, gebogenen Staubfäden weit aus der Blüte heraus. Der Griffel, an dessen Spitze der Pollen letztendlich landen soll, hat die gleiche Gestalt. Die Einzelblüten erinnern dadurch an kleine blaue Schmetterlinge mit den Staubfäden und dem Griffel als „Fühler“.

Die Pflanze ist in den warmen Laubwaldregionen Chinas, Japans und Koreas beheimatet. Im Unterschied zu anderen, häufiger in Gärten zu findenden Bartblumen der Gattung Caryopteris bleibt diese Art krautig und zieht im Winter komplett ein; der Neutrieb im Frühjahr erscheint recht spät. Ungeachtet ihrer klimatisch eher milden Heimat ist die Stauden-Bartblume bei uns komplett frosthart – im Botanischen Garten Potsdam seit fast 30 Jahren –, lediglich für Jungpflanzen wird anfangs eine winterliche Laubabdeckung empfohlen.

Zwei Dinge kann man zu Ungunsten dieser Pflanze vorbringen. Erstens hat sie kürzlich Namen, Gattung und sogar Familie gewechselt. Früher hieß sie wissenschaftlich Caryopteris divaricata und gehörte zu den Eisenkrautgewächsen, heute gilt sie wie ihre ganze nähere Verwandtschaft als Lippenblütler. Offenbar ist sie recht eng mit den Günseln (Gattung Ajuga) verwandt, mit denen sie auch die intensiv blaue Blütenfarbe gemeinsam hat. Zweitens riecht sie. Mit viel Wohlwollen erinnert der Duft an gebratenes Schweinehack, während Skeptiker vielleicht eher an gewisse Ausscheidungen von Katzen denken. Michael Burkart

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