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  • 07.09.2017
  • von Jan Kixmüller

Hurrikan Irma und der Klimawandel: Rekord-Hurrikan in der Karibik

von Jan Kixmüller

Bereits vor der Ankunft von "Irma" knickten in Puerto Rico die ersten Bäume um. Rund 300.000 Menschen waren ohne Strom. Foto: Reuters/Alvin Baez

"Irma" tobe am Donnerstag bereits seit mehr als 33 Stunden. Potsdamer Klimaforscher bekräftigen Zusammenhang von Intensität der Stürme und Klimawandel. Weitere Tropenstürme ziehen auf.

Potsdam/Berlin/Paris - Der Hurrikan "Irma" ist nach Angaben französischer Meteorologen ein absoluter Rekord-Hurrikan: "Irma" tobe schon seit mehr als 33 Stunden als Wirbelsturm der höchsten Kategorie 5, erklärte der französische Wetterdienst Météo France am Donnerstag. "Eine deratige Intensität über eine solch lange Dauer hat es weltweit seit Beginn der Satellitenära noch nicht gegeben", hieß es. Den bisherigen Rekord hatte Super-Taifun "Haiyan" aufgestellt, der 2013 auf den Philippinen wütete. Er erreichte Windgeschwindigkeiten von rund 295 Stundenkilometern wie "Irma", dies aber nur über 24 Stunden.

Erderwärmung liefere Energie für stärkere tropische Stürme

Die Wucht der aktuellen tropischen Wirbelstürme ist nach Einschätzung von Potsdamer Klimaforschern auf den Klimawandel zurückzuführen. Das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas erhöhe die Temperatur des Planeten und liefere damit Energie für immer stärkere tropische Stürme, erklärte Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Leider ist die Physik hier sehr klar: Hurrikans holen ihre zerstörerische Energie aus der Wärme des Ozeans.“ Die Wassertemperaturen in der Region seien überhöht. Der Klimawandel verursache zwar diese Stürme nicht, er könne jedoch „ihre Folgen übel verschlimmern“.

Beginn einer dramatischen Entwicklung

Angesichts des Tropensturms „Irma“ hat der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, auf eine Umsetzung des UN-Klimaschutzabkommens gedrungen. „Ich kann Ihnen versichern, dass die Wissenschaft genügend Belege dafür hat, dass es mit dem Klimawandel zu tun hat, dass die Stürme stärker werden“, sagte Schellnhuber am Donnerstag in Berlin. Es sei erst der Beginn einer „dramatischen Entwicklung“. „Wenn wir das Pariser Abkommen nicht umsetzen, werden Ereignisse dieser Art die neue Normalität werden“, warnte der Klimaforscher.

Schellnhuber sagte, noch könne man nicht sagen, was durch „Irma“ noch geschehen werde. Der Hurrikan sei aber „potenziell katastrophal“. „Irma“ ist der stärkste je gemessene Wirbelsturm. In der Nacht zu Donnerstag hatte er in der Karibik erhebliche Verwüstungen angerichtet. Mindestens zehn Menschen starben. Im Laufe des Donnerstages sollte der Hurrikan Haiti und die Dominikanische Republik erreichen.

Bei der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 hatten sich die Staaten dazu verpflichtet, die Erderwärmung auf 1,5 Grad bis zwei Grad Celsius zu begrenzen und dafür die Treibhausgasemissionen deutlich zu reduzieren. Das Abkommen wurde als Durchbruch gefeiert, weil auch die USA und China erstmals verbindliche Zusagen machten. US-Präsident Donald Trump hat allerdings angekündigt, aus dem Abkommen wieder auszusteigen.

Sturmflut und Regenmengen von "Harvey"

Bereits bei Hurrikan "Harvey" hatten Potsdamer Klimaforscher einen Bezug zum Klimawandel hergestellt. „Der Sturm Harvey wurde nicht durch den Klimawandel verursacht, aber seine Auswirkungen“, erklärte Stefan Rahmstorf, Forschungsbereichsleiter Erdsystemanalyse am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Professor an der Universität Potsdam. „Die Sturmflut und vor allem die extremen Regenmengen wurden sehr wahrscheinlich durch die vom Menschen verursachte globale Erwärmung verschlimmert“, erklärte der Ozeanograf Rahmstorf am Montag. „Harvey“ gilt als zweitstärkster Wirbelsturm seit „Katrina“ 2005. Aber nicht seine Windgeschwindigkeiten haben den Hurrikan so gefährlich gemacht, sondern die sintflutartigen Regenfälle.

Derweil haben sich in der Region gleich zwei neue Wirbelstürme gebildet. Hurrikan „José“ zieht auf die Kleinen Antillen zu. Hurrikan „Katia“ im Golf von Mexiko erreichte am Mittwoch Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde, wie das US-Hurrikanzentrum in Miami mitteilte. Die mexikanische Regierung gab eine Warnung heraus. "Katia" könnte am Wochenende Mexiko treffen.

(mit AFP)

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