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  • 16.08.2017
  • von Corinna Micha

Das Zeugnis blieb sieben Jahre liegen

von Corinna Micha

Leidenschaft Radio. Kathrin Thüring hat ihren Traumjob gefunden. Foto: rbb/S. Wieland

Kathrin Thüring wollte nach ihrem Studium an der Universität Potsdam nur eins: so schnell wie möglich ans Radio-Mikrofon.

Mehr als 20 000 junge Menschen studieren an der Universität Potsdam. Was einige von ihnen nach dem Abschluss machen, stellen die PNN in einer Serie in Kooperation mit der Universität vor.

„Radio Fritz“, der Jugendsender des rbb, wird täglich von fast 300 000 Menschen gehört. Eine der landesweit bekannten Moderatorinnen ist Kathrin Thüring. Die 35-Jährige hat an der Universität Potsdam Linguistik, Soziologie und Medienwissenschaften studiert. Dabei wollte sie eigentlich immer nur eins: ans Mikrofon.

Die Sache mit dem Abschlusszeugnis ist typisch für Kathrin Thüring: 2010 beendet sie ihr Studium an der Universität Potsdam, doch mit Formalitäten hält sie sich nicht auf. Das Abschlusszeugnis lässt die Journalistin sieben Jahre lang im Prüfungsamt liegen. Der Grund: „Ich habe es einfach nicht gebraucht.“ Im März 2017 hat Thüring die Bestätigung ihres akademischen Titels endlich abgeholt. Vor allem ihr Umfeld habe sie dazu gedrängt, erklärt sie. Jetzt liege das Magisterzeugnis „irgendwo im Auto“. Die Moderatorin seufzt: „Ich muss es wohl mal abheften.“

Dass das Papier ein Schattendasein fristet, lässt sich mit Thürings Berufsbiografie erklären. „Ich habe nie eine klassische Bewerbung geschrieben“, resümiert die 35-Jährige. Bereits zu Schulzeiten liebte sie Radio Fritz, den Jugendsender des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), und formulierte ein selbstbewusstes Ziel: „Da werde ich später mal arbeiten.“ Zielstrebig absolviert Thüring das Pflichtpraktikum des Grundstudiums beim rbb – und macht sofort Eindruck bei den „Radiofritzen“, wie diese sich selbst nennen. Im Anschluss an das Praktikum darf sich Thüring ein halbes Jahr als rasende Außenreporterin für den rbb bewähren; ab 2007 sitzt sie erstmals am Studiomikrofon. Parallel zum Hauptstudium moderiert sie ihre ersten Sendungen bei Radio Fritz.

Heute ist die Sachsen-Anhalterin für drei Sendungen verantwortlich: Beim Spieleformat „Sonntagsfritzen“ misst sie sich in verschiedenen Spielen an Co-Moderator Jakob Lundt. Bei „High Noon“ und „Blue Moon“ rufen Zuschauer an, die zu vorgegeben Themen mit der Moderatorin sprechen. Auf der Agenda der Mittagssendung stehen Inhalte wie „Mein erstes Auto“ oder „Deine Lieblingsfigur bei Game of Thrones“, aber auch tiefgründigere Fragen wie „Wie reagiert ihr auf Alltagsrassismus?“. Die Idee zu den Sendungen entwickelt die Moderatorin gemeinsam mit dem Redaktionsteam. Manchmal liefert der Alltag die zündende Idee, manchmal liefern Nachrichten oder der Twitter-Stream ein Thema für die Sendung.

Die Themen sind vielfältig, aber sie müssen ein Kriterium erfüllen: „Ich mache nur Geschichten, die mich auch selbst interessieren“, stellt die Journalistin klar. Schließlich will sie gute Gesprächspartnerin sein für die anrufenden Hörer. „Ich mag den direkten Kontakt und die Überraschungsmomente, die daraus entstehen“, erklärt Kathrin Thüring, die bei ihren Hobbies „Menschen“ angibt. Selbst wenn bei einer der Livesendungen nicht alles nach Plan läuft, bleibt sie gelassen. Der Grund: „Ich nehme mir Fehler grundsätzlich nicht krumm. Beim nächsten Mal mache ich es eben anders.“

Wenn Kathrin Thüring von ihrem Job spricht, gerät sie ins Schwärmen: „Es fühlt sich gar nicht wie Arbeit an. Ich mache einfach etwas, das mir Spaß macht und wozu ich stehe.“ Die Moderatorin erzählt vom beflügelnden Team-Spirit in den Redaktionsräumen von Radio Fritz: „Wir haben alle dieselben Visionen und das schweißt einfach zusammen.“ Doch bei aller Euphorie: Ewig wird die 35-Jährige nicht für den Jugendsender moderieren können. „Irgendwann steht ein Abschied an und der wird natürlich hart“, ahnt Thüring. Derzeit genieße sie das „Fritz-Gefühl“ noch in vollen Zügen. Und danach? „Würde ich gerne als Redakteurin arbeiten“, erklärt die Geisteswissenschaftlerin.

Die Arbeit am redaktionellen Schreibtisch kennt Thüring bereits: Seit einem Jahr arbeitet sie für radioeins, einen weiteren Sender des rbb. In der Redaktion der Sendung „radioZWEI“ legt sie Themen fest, erarbeitet einen Fahrplan für das Programm und bereitet die Fakten inhaltlich für die Moderatoren auf. Eine gute Rolle, wie sie findet: „Es macht mir großen Spaß, zu recherchieren und neue Ideen zu entwickeln.“ Und auch mit dem Älterwerden kollidiert diese neue Aufgabe nicht. Schließlich bewirbt der rbb das Programm mit dem Slogan „Nur für Erwachsene“. Corinna Micha

Zur Person: Kathrin Thüring hat von 2001 bis 2010 an der Universität Potsdam Linguistik, Medienwissenschaften und Soziologie studiert.

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