20.07.2017, 28°C
  • 12.07.2017
  • von Richard Rabensaat

Klima muss kosten

von Richard Rabensaat

Edenhofer und Renn zum Klimaschutz-Spielraum

Für den Klimaschutz ist nicht alles verloren, auch wenn der US-Präsident Donald Trump sich nicht an das Pariser Klimaschutzabkommen gebunden fühlt. Beim G20-Gipfel in Hamburg hat Trump zwar noch einmal bekräftigt, dass für ihn Wohlstand und Wachstum Amerikas an erster Stelle stehe. Aber vieles von dem, was Trump sich als neue amerikanische Wende in der Klimapolitik vorstelle, werde sich realpolitisch nicht durchsetzen lassen, vermutet Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Denn Klimapolitik sei auch in den USA häufig Sache der Bundesstaaten und von deren Verwaltung. Und dort könne auch der Präsident nicht hineinreden.

In einer Diskussion am Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) mit dem wissenschaftlichen IASS-Direktor Ortwin Renn haben die beiden Klimaforscher ausgelotet, welche Folgen sich aus den Pariser Klimazielen ergeben. Ausgangspunkt war eine ausführliche Analyse möglicher Maßnahmen durch den kürzlich verstorbenen Umweltökonom Lutz Wicke. Dieser hatte untersucht, wie das Ziel einer Begrenzung der weltweiten Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad bis 2050 vielleicht doch noch erreicht werden kann. Seine Schlussfolgerungen waren wenig erfreulich, wie Edenhofer und Renn räsonierten: Fast alle der untersuchten 136 Vorschläge sind laut Wicke wenig Erfolg versprechend.

Über einen Punkt hat sich Edenhofer mit Wicke häufig und heftig auseinander gesetzt: die Klimagerechtigkeit. Klimaforscher gehen davon aus, dass künftig maximal noch 800 Gigatonnen von 15 000 möglichen Gigatonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen dürfen, um den Anstieg auf zwei Grad Erwärmung zu begrenzen. Diese 800 Tonnen stünden jedem Menschen zu gleichen Teilen zu, meinte Wicke, das sei Klimagerechtigkeit. Edenhofer widerspricht. Auch beim Weltklimarat (IPCC), für den Edenhofer Gutachten erstellt hat, sei diese Frage diskutiert worden. Vertreter afrikanischer Staaten hätten einer dort diskutierten Begrenzung staatlich geförderten ökonomischen Wachstums deutlich widersprochen. Afrikanische Politiker beharren darauf, auch fossile Energien weiter zu nutzen und auszubauen. Ohne einen internationalen Konsens lasse sich Klimagerechtigkeit aber nicht durchsetzen, so Edenhofer. Also müsse ein anderer Weg gefunden werden. Dieser könnte nur ein ökonomischer sein und müsse zu erheblichen Teilen über den Verkauf von Zertifikaten für klimawirksame Zertifikate laufen.

Der Handel mit Zertifikaten hat allerdings bisher keine nennenswerten Auswirkungen auf die Emissionen gehabt, nicht zuletzt deshalb, weil die Preise der international gehandelten Zertifikate sich nach Angebot und Nachfrage richteten, und das Angebot war bisher groß, viel zu groß. Also müsse die Kontrolle des Handels mit den Zertifikaten bei den nationalen Verwaltungen liegen, folgert Edenhofer. Die einzelnen Staaten sollten auch die Erlöse aus dem Verkauf der Zertifikate erhalten. Auf diese Weise unmittelbar mit Einnahmen versorgt, könnten Staaten auch in den kommenden Jahren notwendige Investitionen in ihre Infrastrukturen vornehmen. Dies verbessere wiederum die Klimabilanz und wäre ein direkter Anreiz, wirksame Maßnahmen zum Klimaschutz zu ergreifen, so Edenhofer. Richard Rabensaat

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