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  • 10.06.2017
  • von Jan Kixmüller und Alexander Fröhlich

Voltaire-Preis für Freiheit der Wissenschaft: Uni Potsdam ehrt türkische Politologin

von Jan Kixmüller und Alexander Fröhlich

Voltaire-Preisträgerin. Hilal Alkan berichtet von Eingriffen in die Freiheit der Forschung durch die türkische Regierung. Die Politologin war in ihrer Heimat wegen ihrer oppositionellen Haltung enormen Problemen ausgesetzt. Jetzt arbeitet sie in Berlin. Foto: Reinhold Engel

Die Universität Potsdam will mit dem neuen Voltaire-Preis die Freiheit des Wissenschaft und die Ideale der Aufklärung hochhalten. Denn sie werden derzeit von vielen Seiten bedroht werden. Geehrt wird in diesem Jahr Hilal Alkan.

Potsdam - Die Universität Potsdam vergibt erstmals einen Preis für die Verteidigung der Freiheit der Wissenschaft und der Meinungsfreiheit. Der „Voltaire-Preis für Toleranz, Völkerverständigung und Respekt vor Differenz“ wird am 22. Juni bei einer Feierstunde im Neuen Palais verliehen. Er geht an die türkische Politologin Hilal Alkan, die in ihrer Heimat wegen ihrer oppositionellen Haltung großen Problemen ausgesetzt war. Alkan hatte ihre Anstellung bei einer privaten Istanbuler Universität verloren, weil sie Anfang 2016 eine Petition von Akademikern gegen den Krieg in Kurdistan und die Gewalt gegen Zivilisten unterzeichnet hatte. Sie ist eine von Tausenden Wissenschaftlern in der Türkei, die entlassen wurden. Alkan lebt derzeit in Deutschland und arbeitet als EUME-Fellow beim Forum Transregionale Studien in Berlin. 

Die Friede-Springer-Stiftung hat den Voltaire-Preis mit 5000 Euro ausgestattet. Die Universität Potsdam schärft damit weiter ihr Profil, der Preis fügt sich in die Linie von Universitäts-Präsident Oliver Günther. Zu Jahresbeginn hatte er gewarnt, die Freiheit der Wissenschaft werde durch Populismus und sogenannten Postfaktizismus bedroht. Nun erklärte er, Distanz und Unverständnis gegenüber der Wissenschaft hätten in der Welt problematische politische Folgen – auch hierzulande. In einigen wissenschaftsfernen Wählermilieus gebe es großen Zuspruch zu „faschistoiden Figuren, die neuerdings politische Führungsfunktionen anstreben oder bereits wahrnehmen“. Dagegen müsste die Wissenschaft die Ideale der Aufklärung hochhalten. 

Der Preis wird bei einem Festakt für die Absolventen der Universität verliehen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in diesem Jahr die Festrede halten wird. Mit dem Preis will die Universität Potsdam künftig jedes Jahr einen jüngeren Wissenschaftler ehren,   der einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Dialog über Frieden, Völkerverständigung und Toleranz geleistet oder sich für die Freiheit von Forschung und Lehre sowie für das Recht der freien Meinungsäußerung eingesetzt hat. Der Jury gehörten in diesem Jahr neben dem Präsidenten der Universität Potsdam, Professor Oliver Günther und dem Vizepräsidenten für Internationales, Fundraising und Alumni, Professor Florian Schweigert, der renommierte Klimafolgenforscher, Professor Hans-Joachim Schellnhuber, der Alexander von Humboldt-Experte, Professor Ottmar Ette, und der Kirchenhistoriker an der Humboldt-Universität zu Berlin, Professor Christoph Markschies, an.

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