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  • 07.06.2017
  • von Jan Kixmüller

Rabbiner-Kolleg Potsdam: Homolka ist da angekommen, wo er hingehört

von Jan Kixmüller

Walter Homolka ist seit 20 Jahren Rabbiner und Direktor der School of Jewish Theology an der Uni Potsdam. Er will den Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen. Foto: A. Klaer

Der Rektor des Potsdamer Abraham Geiger Kollegs Walter Homolka ist seit 20 Jahren Rabbiner. Nun positioniert er sich auch für Interreligiosität und ein Einvernehmen mit dem Islam.

Potsdam - Walter Homolka ist eine Ausnahmefigur. In jeder Hinsicht. Der Rabbiner ist mittlerweile nicht nur einer der profiliertesten Vertreter des deutschen Judentums, sondern auch auch Direktor der School of Jewish Theology an der Universität Potsdam, deren Entstehen 2013 alles andere als selbstverständlich war. Das erste mal überhaupt wird hier an einer staatlichen deutschen Universität jüdische Theologie gelehrt. Dass dies – auch trotz Widerständen – möglich wurde, dazu hat vor allem auch Walter Homolkas Beharrlichkeit beigetragen. Der 53-Jährige ist auch Mitbegründer und Rektor des Abraham Geiger Kollegs, an dem in Potsdam liberale Rabbiner und Kantoren ausgebildet werden, Geschäftsführer des Zacharias Frankel Colleges für konservative Rabbinerausbildung ebenda und Leiter des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks.

Die klare Lehre vom verborgenen Gott

In diesen Tagen jährt sich Homolkas Ordination zum Rabbiner zum 20. Mal. Gleich zwei Bücher sind dazu erschienen, ein biografisches: „Übergänge - Beobachtungen eines Rabbiners“ sowie „Jewish and Israeli Law: An Introduction“, das er zusammen mit Shimon Shetreet, dem ehemaligen israelischen Kabinettsminister und früheren Vize-Bürgermeister von Jerusalem verfasst hat. Dass der aus der bayrischen Provinz stammende Homolka heute überhaupt Rabbiner ist, verdankt er einer Wendung in seiner Jugend, als er sich als Katholik in der Israelitischen Kultusgemeinde Straubing engagierte – und schließlich zum jüdischen Glauben übertrat. „Mich faszinierte die klare Lehre vom verborgenen Gott, dem letztlich ganz Anderen“, erklärt er seine Entscheidung heute. Vielleicht sei es aber auch ein Stück weit ein Protest gegen das Sinnmonopol seiner damaligen katholischen Umgebung gewesen. Und dann gab es da noch einen faszinierenden Religionslehrer an der Schule. Letztlich aber stelle Gott die Menschen eben dahin, wo er eine Aufgabe für sie hat.

Theologe und Wirtschaftswissenschaftler

Homolka hat Theologie und Wirtschaftswissenschaften studiert, ein Bein im geistlichen, eines im weltlichen Leben. Es folgte ein eher ungewöhnlicher Werdegang: Für eine Investment-Bank entwickelte er den ersten deutschen Umwelt-Ethik-Fonds, als Vorstandsassistent bei Bertelsmann lernte er die für Religionswissenschaftler eher ungewöhnliche Doppelbödigkeit des Handelns kennen und als Geschäftsführer von Greenpeace sah er, dass es sich lohnt, für etwas einzustehen, das man richtig findet. „Dabei muss man den Mut haben, auch neue Wege zu gehen und Trends zu setzten“, erinnert er sich.

All das hat Homolka offenbar die Grundlagen dazu gegeben, später als Rabbiner das eigentlich Unmögliche möglich zu machen: Erstmals nach dem Holocaust in Deutschland wieder liberale Rabbiner auszubilden – und das mittlerweile an einer öffentlichen Hochschule. Das kam nicht von ungefähr, Homolka hatte einen Masterplan, wie er ihn aus seiner Arbeit in der Wirtschaft kannte – und viele Unterstützer. Hier schließt sich für ihn der Kreis.

Mit Humor auch schwierige Gespräche entspannen

Wobei Homolka keinesfalls verbissen zu Werke geht. Ihn zeichnet ein Humor aus, der auch schwierige Gespräche entspannen kann, wie Margot Käßmann im Vorwort zu „Übergänge“ schreibt. „Eine Haltung, mit der ein Mensch auch einmal über sich selbst lachen kann“, so Käßmann. Hinzu komme ein offener Blick für die Anderen, auch die anderen Religionen. Eigenes Denken und Fragen und auch der Streit um die Wahrheit sei notwendig gegen jede Form von Fundamentalismus, so Käßmann über Homolka: „Sein Wirken kann für alle zum Segen werden.“

Gedeihliches Miteinander aller Religionen

Homolka kommt vom Reformjudentum. Er setzt sich für einen respektvollen Umgang aller Religionen miteinander ein. Interreligiöse Erfahrungen gehören für ihn daher zur Rabbiner-Ausbildung dazu. Er beschäftigt sich eingehend mit den beiden christlichen Kirchen, sucht ein „gedeihliches Miteinander“ auf Augenhöhe, auch mit dem Islam. „Die Herausforderung des Dialogs ist heute, das Einvernehmen auch mit dem Islam zu suchen und zu pflegen“, schreibt er. Homolka wendet sich gegen Engstirnigkeit, sucht nach Gemeinsamkeiten seiner Religion mit dem Islam, schließlich würden alle Muslime, Juden und Christen dem gemeinsamen Erbe unter ein und demselben Gotte unterliegen. Es sei wichtig, der Welt vor Augen zu führen, dass der islamische Glaube nicht gewalttätig sei. „Nicht Gewalt, sondern Argumentation ist der richtige Weg.“

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Walter Homolka: „Übergänge - Beobachtungen eines Rabbiners“, Patmos-Verlag (ISBN: 978-3-8436-0924-1); Buchvorstellung am 07.06.2017 (18 Uhr) in Lutherstadt Wittenberg, Leucorea Bibliothek, Collegienstraße 62.

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