23.03.2017, 6°C
  • 15.03.2017
  • von Michael Burkart

PNN-Serie "Pflanze des Monats": Der Dahurische Rhododendron: Hustentee und Aids-Mittel

von Michael Burkart

Hartgesotten. Der Dahurische Rhododendron kommt auch mit Kälte klar. Foto: Michael Burkart

Im Botanischen Garten der Uni Potsdam wachsen exotische und heimische Pflanzen. In den PNN stellt Kustos Michael Burkart jeden Monat eine von ihnen vor. Dieses Mal: der Dahurische Rhododendron.

Potsdam - Mit gut 1000 Arten ist die Gattung Rhododendron eine der größten Gehölzgattungen überhaupt und mit zusätzlich mehreren Zehntausend Zuchtsorten auch eine gärtnerisch besonders wichtige. Die Wildarten kommen vor allem auf der Nordhalbkugel vor, mit einem Schwerpunkt in Asien; dort gibt es sogar eine Gruppe tropischer Arten, die bis nach Australien reicht, während andere, besonders robuste Vertreter bis in die kältesten Teile Sibiriens verbreitet sind. Eben von dort, aus der Hellen Taiga, stammt der Daurische oder Dahurische Rhododendron (Rhododendron dauricum), benannt nach einer Bergregion östlich des Baikalsees. Seine violetten Blüten erscheinen im zeitigen Frühjahr noch vor dem neuen Laub, im Garten manchmal schon im Februar. Bei Frost leiden die offenen Blüten zwar deutlich, aber neue Knospen können den ersten Flor meist ersetzen, und die Pflanze selbst ist als Bewohnerin der Taiga gegen derlei Unbilden der hiesigen Witterung vollkommen unempfindlich.

Nicht die Kälte des Winters, sondern der zu kalte Sommer begrenzt die Verbreitung

Das russische Wort „Taiga“ bezeichnet allgemein Nadelwälder der kalten nördlichen Breiten, wird aber merkwürdigerweise auf die Nadelwälder in Kanada und Alaska kaum angewandt. Taiga wächst bei jährlich maximal 120 warmen Tagen, das sind Tage mit einem Mittel von wenigstens 10 Grad – dauert die Vegetationsperiode länger, gedeihen auch Laubbäume, die in der Konkurrenz überlegen sind. Es ist also keineswegs die große Kälte des langen Winters, die hier die Pflanzenverbreitung begrenzt, sondern die zu geringe Wärme und Dauer des Sommers.

Bei zusätzlicher Wasserknappheit im Frühjahr gedeihen in Teilen Sibiriens vorherrschend Nadelbäume, die ihre Nadeln im Winter abwerfen: Lärchen. Ihre hellgrünen Nadeln geben der „Hellen Taiga“ den Namen, im Unterschied zu den dunklen, immergrünen Nadeln von Fichten und Tannen der „Dunklen Taiga“. Die nördliche Waldgrenze wird dann bei etwa 30 warmen Tagen im Jahr erreicht, hier beginnt die Tundra.

Zwei Inhaltsstoffe sind sogar wirksam gegen Aids

Der Dahurische Rhododendron ähnelt in seiner Laubrhythmik den Lärchen, mit denen zusammen er natürlicherweise vorkommt. Wie sie verliert er im Winter sein Laub. Einzelne grüne Blätter bleiben aber bis zum neuen Austrieb an den Zweigenden. Der Laubfall ist hier wohl doch auch eine Anpassung an die extreme Kälte, die Blätter wie Nadeln im Winter zu sehr beanspruchen würde, neben der Frühjahrstrockenheit. Die große Mehrzahl der Rhododendronarten gedeiht in milderem Klima und ist immergrün. In China wird der Dahurische Rhododendron als „Manshanfong“ schon lange als Heilpflanze bei Bronchitis verwendet, da er auswurffördernd ist. Eine 2001 veröffentlichte Studie zeigte, dass zwei Inhaltsstoffe der Pflanze auch gegen Aids wirksam sind. Diese Stoffe lassen sich inzwischen synthetisch herstellen. 

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