18.11.2017, 7°C
  • 11.01.2017
  • von Jan Kixmüller

Klimaforschung in Potsdam: Eisverlust am Nordpol führt zu Kälteeinbrüchen in Mitteleuropa

von Jan Kixmüller

Jeden Sommer schwinden große Teile des arktischen Meereises (diese Aufnahme zeigt den Nordpol im August 2015). Auch jetzt im Herbst sind noch große Areale eisfrei, etwa die Karasee. Foto: dpa

Potsdamer Klimaforscher machen in der Arktis einen Wandel der Luftströmungen aus. Eine Ursache dafür soll die verstärkte Eisschmelze im Nordpolarmeer sein. Als Folge hat die Arktisluft nun Mitteleuropa getroffen.

Potsdam - Im russischen Archangelsk wurde am 6. Januar ein Tiefstwert von -41 Grad Celsius gemessen, „wärmer“ als -37 Grad wurde es an diesem Tag dort nicht mehr. Auch für russische Verhältnisse sind das gut zehn Grad unter den üblichen Tiefstwerten. Und während der Balkan und Griechenland ebenfalls aktuell von einer scharfen Kältewelle heimgesucht werden, steigen die Temperaturen am Nordpol auf Rekordwerte. Ein Zufall, der dem chaotischen System Wetter geschuldet ist? Nicht unbedingt. Zumindest sehen Klimaforscher hier durchaus ein wiederkehrendes Muster.

Eisrückgang schwächt den Polarwirbel

„Zu wenig Eis in der Arktis schwächt den Polarwirbel, der normalerweise die Kaltluft in der Arktis ,gefangen’ hält, und führt zu Kaltluftausbrüchen auf die Kontinente“, schreibt der Potsdamer Ozeanologe Stefan Rahmstorf in einem Facebook-Eintrag vom 8. Januar. In der Temperaturanomaliegrafik dieser Tage zeige sich das deutlich: während es extrem warm in der Arktis ist, bekommen die angrenzenden Kontinente sehr kalte Luft ab. „Westeuropa blieb davon bislang weitgehend verschont, Nordamerika und Sibirien erleben das schon länger“, so Rahmstorf.

 Arktische Kälteeinbrüche in Mitteleuropa 

Hintergrund der Entwicklung sei langfristig gesehen die globale Erwärmung. Rahmstorf hatte mit Kollegen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) eine ähnliche Entwicklung bereits im Herbst prognostiziert. Es sei abzusehen, dass die geringe Neubildung von Meereis im arktischen Ozean im Winter zu arktischen Kälteeinbrüchen in Mitteleuropa führen könnte. Denn das Arktis-Eis und das Winterwetter sind über den Polarwirbel, ein Luftwirbel in zehn bis 50 Kilometern Höhe, miteinander verbunden. „Immer mehr Studien zeigen, dass ein Mangel an Meereis auch den Wirbel in der Stratosphäre schwächt“, erklärte die PIK-Mathematikerin Marlene Kretschmer in der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Transformation für Wirtschaft, Energiesektor und Gesellschaft

Die Wissenschaftler des Potsdam-Instituts befassen sich über Untersuchungen von klimatischen Entwicklungen hinaus auch mit Fragen der Transformation, die auf die Wirtschaft, den Energiesektor und die Gesellschaft angesichts des Klimawandels zukommt. In Kürze wird sich am PIK das Symposium „Transformation now!“ damit befassen, das die Earth League unter der Leitung von PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber und Johan Rockström (Vorsitzender der Earth League und Direktor des Stockholm Resilience Centre) am 23. und 24. Januar auf dem Potsdamer Telegrafenberg veranstaltet wird. Die Earth League ist ein Netzwerk führender internationaler Wissenschaftler, die sich mit den drängendsten Fragen unserer Zeit beschäftigen. 

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