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  • 20.12.2016
  • von Steffi Pyanoe

HPI-Absolventin Müller wird Professorin in den USA: Mensch und Maschine

von Steffi Pyanoe

Von Potsdam nach Boston. Stefanie Müller, 29 Jahre alt, studierte am Hasso-Plattner-Institut (HPI) Potsdam und ergatterte jetzt eine der begehrten Professorenstellen am Massachusetts Institut of Technology in den USA. Sie forscht zur Benutzerfreundlichkeit neuer Technologien wie 3-D-Drucker. Foto: Johanna Bergmann

Programmieren ist für Stefanie Müller ein Kinderspiel. Jetzt geht die Absolventin vom Hasso-Plattner-Institut als Professorin an das renommierte MIT in den USA – mit erst 29 Jahren.

Potsdam - Was macht man, wenn einem ein Brillenbügel abbricht? Natürlich geht man zum Optiker, der das repariert. Irgendwann, und vielleicht sogar bald, könnte es aber sein, dass man das zu Hause mit dem 3-D-Drucker erledigt, sagt Stefanie Müller, Absolventin des Hasso-Plattner-Instituts Potsdam. Kaputte Brille eingelegt, ganze Brille rausgenommen. Klingt verrückt, sei aber überhaupt nicht unrealistisch. „In zehn Jahren wird es in jedem Haushalt so einen Drucker geben und man wird damit genau so locker umgehen wie mit einem anderen Haushaltsgerät.“

Dass eine 29-Jährige als Professorin an die renommierte Uni geht, ist durchaus etwas Besonderes

Dafür muss so ein Drucker natürlich benutzerfreundlich sein. Stefanie Müller forscht genau an dieser Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Gerade hat sie ihre Doktorarbeit zum Thema Human Computer Interaction verteidigt. Summa cum laude, besser geht’s nicht. Ab Januar wird sie nun in den USA als Assistent Professor arbeiten – am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge. Laut internationalem Ranking sei das die beste Uni im Fachbereich IT. Dass eine 29-Jährige als Professorin an die renommierte Uni geht, ist durchaus etwas Besonderes, heißt es dazu vom HPI.

Stefanie Müller, die schon am 3. Januar nach Boston fliegen wird, sitzt im HPI-Foyer auf der Couch und kommentiert es humorig-trocken: „Die sind da noch schlauer als wir. Dafür würden viele alles geben, um dahin gehen zu können.“ Während es am HPI etwa 500 Studenten gibt, leistet sich das MIT 1000 Professoren, darunter viele so jung wie Stefanie Müller. Das sei dort normal, sagt sie. Hier in Deutschland müsse man in der Regel viel länger warten und älter sein, bis einem Verantwortung übertragen wird. Also hat sie zugegriffen, als sie die Stelle nach einem langen Bewerbungsverfahren – 400 Bewerber waren es anfangs – angeboten bekam. Die Ferne stört sie nicht. Acht Stunden Flug, das ist für sie, die schon jetzt viel in der Welt unterwegs ist, wie Busfahren.

"Ich programmiere, seit ich zehn Jahre alt bin"

Stefanie Müller stammt aus Merseburg. Ihr Vater ist IT-Lehrer und sie selbst findet das als Kind alles sehr interessant – und ziemlich normal. „Ich programmiere, seit ich zehn Jahre alt bin“, sagt sie. Nach dem Abitur studiert sie Medieninformatik an der Hochschule Harz in Wernigerode und geht anschließend nach Potsdam ans HPI. Hier arbeitete sie bis zuletzt an dem großen Thema Mensch und Maschine. Dabei sitzt man zwar meistens, aber bei weitem nicht immer, vor dem Rechner. In den Laboren, die an die amerikanische Sitcom „The Big Bang Theory“ erinnern, stehen alle möglichen Geräte und Maschinen. Es riecht nach Kleber und Holz. Müller erklärt ein Lasercutter-Schnittsystem, ein komplizierter Kasten, der nach einfachsten Angaben beliebige Teile aus Materialplatten ausschneidet. Prototypen diverser Objekte für die weitere Arbeit. Im Labor gibt es Bohrer, Arbeitstische mit Elektro- und Elektronikgeräten, in einer Ecke hängt ein Roboterarm von der Decke. Hier wird an der Hardware und Software gearbeitet. Stefanie Müller will herausbekommen, wie man es am besten anstellt, dass der 3-D-Drucker genau das macht, was der Benutzer möchte. Ihre Doktorarbeit dazu könnte eine wichtige Inspiration für die Industrieforschung liefern.

Sie selbst fasziniert an der IT, dass sie in so ziemlich jeden Lebensbereich hinein reicht und man damit überall tätig sein kann. Mit dem 3-D-Drucker beispielsweise wird man bald nicht nur abgebrochene Brillenbügel nach-, sondern sie automatisch auch anbauen, mit oder ohne Scharnier. Da müsse man sich von der herkömmlichen, festgefahrenen Denke lösen. Auch Schuhe von der Stange werden irgendwann Oldschool sein, vermutet sie. Stattdessen wird eine Maschine den Fuß abscannen und einen individuellen perfekten Schuh liefern. Wer sich diesen Siegeszug nicht recht vorstellen kann, wird von ihr an eine 30 Jahre alte These erinnert. „Damals hieß es, wer sollte jemals einen PC zu Hause haben? Wozu? Das war unvorstellbar.“

Lob von HPI-Direktor Christop Meinel

Am MIT wird Müller weiter forschen, unterrichten und sogar ein eigenes Budget verwalten. Ihre Eltern seien sehr stolz und auch HPI-Direktor Christoph Meinel würdigte den Karrieresprung. Dass jemand von Potsdam ans MIT gehe, sei eine tolle Außenwirkung.

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