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Themenschwerpunkt:

25 Jahre Uni Potsdam

  • 03.12.2016
  • von Jan Kixmüller

Debatte um Historie der Uni Potsdam : Aufarbeitung ohne Wenn und Aber

von Jan Kixmüller

Die Universität Potsdam hat zwei begehrte Forschungsförderungen eingespielt. Foto: Karla Fritze

Der Streit um die Gründungsgeschichte der Universität Potsdam ist neu entflammt. Ehemalige Dozenten fühlen sich diskreditiert.

Der Präsident der Universität Potsdam, Oliver Günther, hat zum Auftakt eines Symposiums zur umstrittenen Gründungsgeschichte der Hochschule die starke Emotionalität der Debatte bedauert. „Eine bewusste Beleidigung von Uni-Mitarbeitern, die von den Vorgänger- Hochschulen aus der DDR-Zeit übernommen worden waren, war nie intendiert gewesen“, sagte Günther am Freitag. Die Gründungszeit der Universität müsse zum Wohle der Hochschule wissenschaftlich aufgearbeitet werden, „wohlwissend, dass ein Konsens in allen Fragen nie möglich sein wird“. Es sei wichtig zu fragen, warum in Brandenburg seinerzeit ein anderer Weg eingeschlagen wurde als in Bundesländern, in denen große Teile von DDR-Wissenschaftlern nach der Wende entlassen worden waren.

Uni-Präsident Günther hatte die Aufarbeitung der Uni-Historie zum 25. Jubiläum angestoßen

Die Universität Potsdam war 1991 aus drei ehemaligen DDR-Hochschulen hervorgegangen, wobei ein Großteil der wissenschaftlichen Mitarbeiter der ehemaligen Pädagogischen Hochschule (PH) übernommen worden war. Uni-Präsident Günther hatte die Aufarbeitung der Uni-Historie zum 25. Jubiläum angestoßen. Erste Ergebnisse hatte Uni-Historiker Manfred Görtemaker zum Neujahrsempfang benannt. Seine Feststellung, dass die Übernahme der PH-Lehramtsdozenten die Uni jahrelang in der Forschung behindert habe, führte zu entschiedenem Widerspruch ehemaliger Dozenten.

In einem offenen Brief im Frühjahr und einem öffentlichen Appell zu dem Symposium bemängeln 30 ehemalige Dozenten, dass ihre Lebensleistung infrage gestellt werde. Görtemakers Äußerungen zur mangelnden Forschungsleistung der Vorgängerhochschulen nannten sie diffamierend. Der Ost-West-Konflikt sei neu aufgerissen worden und politischer Schaden entstanden. Ludwig Brehmer forderte als Sprecher der Gruppe Görtemaker auf, seine Äußerungen zu belegen oder zurückzunehmen.

Streit um Übernahme der DDR-Wissenschaftler

Uni-Historiker Görtemaker wies die Anschuldigungen gegenüber den PNN am Freitag zurück: „Der Appell zielt ins Leere, weil er einen Ost-West-Gegensatz konstruiert, der mir völlig fern liegt.“ Er habe immer erklärt, dass der Umbau einer Pädagogischen Hochschule zu einer Universität überall auf der Welt ein Problem dargestellt hätte, da an Pädagogischen Hochschulen die Forschung üblicherweise einen geringeren Stellenwert als an Unis habe. „Somit war insbesondere die Übernahme von nahezu 500 wissenschaftlichen Mitarbeitern auf unbefristete Dauerstellen eine Belastung, zumal vor der Übernahme keine Evaluierung stattfand, die diesen Namen verdiente“, sagte Görtemaker. Er habe lediglich ein Strukturproblem benannt. „Wobei in einzelnen Instituten oder bei einzelnen Personen durchaus eine hohe wissenschaftliche Leistungsfähigkeit bestanden haben mag“, so der Historiker. Jan Kixmüller

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