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  • 28.11.2016
  • von Oliver Günther

Uni-Potsdam-Präsident Günther über Trump: Die Werte, für die wir stehen

von Oliver Günther

Oliver Günther, Präsident der Universität Potsdam: "Aufklärung. Transparenz. Freiheit von Lehre und Forschung. Das sind die Ideale, denen sich die Universität Potsdam verpflichtet fühlt und für die sie eintritt." Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Der designierte US-amerikanische Präsident Donald Trump bedeutet eine Gefahr für die Ideale, auf denen unsere Gesellschaft beruht. Damit steht er nicht allein. Doch die Universität Potsdam tritt weiterhin für diese Werte ein und hält sie hoch. Eine Position von Uni-Präsident Oliver Günther.

Der Morgen des 9. November 2016 wird für viele von uns zu den Momenten gehören, die man im Leben nie mehr vergisst. Amerika hat gewählt. Einen Mann, der Frauen und Andersgläubige auf das Schwerste beleidigt hat, der den Klimawandel leugnet, der als Galionsfigur des „postfaktischen“ (was ist das eigentlich für ein Wort?) Zeitalters gilt. Kurz, einen Mann, den man nach allem, was wir über ihn wissen, als faschistoid einstufen muss und der eine große Gefahr für die Ideale bedeutet, auf denen unsere offene Gesellschaft beruht. 

Trump steht mit seinen Einstellungen nicht allein. Auch aus Ungarn, der Türkei, aus Russland oder Polen, aber auch aus Großbritannien hört man ähnliche Stimmen, auch dort passieren derzeit Dinge, die uns missfallen, die wir nicht verstehen. Alles übrigens Länder, ebenso wie die USA, mit denen die Universität Potsdam engste Arbeitsbeziehungen pflegt. Nach einigem Nachdenken wird freilich klar, was in Amerika passiert ist. Die Globalisierung und Digitalisierung unserer Gesellschaften, sie sind an weiten Teilen der Bevölkerung vorbeigegangen. Auch weil es der Politik, der Wirtschaft, aber eben auch der Wissenschaft nicht gelungen ist, diese fundamentalen Veränderungen angemessen zu vermitteln. Nun melden sich die betroffenen Bevölkerungsgruppen zu Wort. Und sie sind in der Lage, Mehrheiten zu bilden.

Austausch von Forschenden und Studierenden hat sich schon oft als wichtige Brücke erwiesen

Wie müssen wir an den Hochschulen, an Stätten der Forschung und Lehre, darauf reagieren? Nun, zunächst gilt es, die Kooperationen mit unseren ausländischen Partnern weiterzuführen, wenn nicht auszubauen. Der Austausch von Forschenden und Studierenden hat sich in schwierigen politischen Zeiten schon oft als wichtige Brücke erwiesen. Des Weiteren gilt es, die Werte, für die wir stehen, immer wieder hochzuhalten. Aufklärung. Transparenz. Freiheit von Lehre und Forschung. Das sind die Ideale, denen sich die Universität Potsdam verpflichtet fühlt und für die sie eintritt. Und dies nicht nur, weil wir in Gebäuden arbeiten, in denen die Giganten der Aufklärung ein und aus gingen. Wir tun dies, weil wir als Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden diese Form der wertebasierten Kommunikation als eine unserer vornehmsten Bürgerpflichten ansehen. Und weil es gilt, zusammenzustehen gegenüber denen, die diese Ideale bekämpfen und Veränderungen anstreben, die uns an finsterste Zeiten erinnern.

Politische Entscheidungen dürfen eben nicht einfach so aus dem Bauch heraus erfolgen. Sie müssen vernunftgeleitet gefällt werden, auf Grundlage von Fakten und gesicherten Erkenntnissen. Ein politisch praktizierter „Post-Faktizismus“ kann nur in die Katastrophe führen.

Trump schlägt neuerdings versöhnlichere Töne an. Wollen wir hoffen, dass dies nicht nur Gerede ist, so wie es der „locker room talk“ vor einigen Jahren scheinbar war. Wollen wir hoffen, dass – wie Obama es formulierte – das Amt größer ist als der es ausfüllende Mensch. Wir werden sehen, welche Taten Trumps Worten folgen. Es gilt gerade auch für die Wissenschaft, wachsam zu bleiben.

Der Autor ist Präsident der Universität Potsdam


Dieser Text erschien zuerst in der exklusiven Beilage der Universität Potsdam in den PNN am 26. November. Mehr Neuigkeiten aus Forschung und Lehre finden Sie in der Beilage >>

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