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25 Jahre Uni Potsdam

  • 15.07.2016
  • von Tilmann Warnecke

25 Jahre Uni Potsdam: Kurz vor der Exzellenz

von Tilmann Warnecke

Rund 400 von insgesamt mehr als 2650 Absolventen der Universität Potsdam wurden am Donnerstag feierlich verabschiedet. Foto: A. Klaer

Heute begeht die Universität Potsdam ihr 25-jähriges Jubiläum. Die Hochschule blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück - und sie soll auch in Zukunft weiter wachsen.

Universitätsstadt ist Potsdam erst seit 25 Jahren. Am 15. Juli 1991 wurde die Universität Potsdam gegründet, am selben Tag wie die Viadrina-Uni in Frankfurt/Oder und die Technische Uni in Cottbus. Brandenburg, auf dessen Gebiet es zu DDR-Zeiten gar keine Unis gegeben hatte, verfügte damit auf einen Schlag gleich über drei – sehr zum Unwillen des damaligen Wissenschaftsrats-Chefs, der diese Anzahl für ein so kleines Land für zu hoch hielt.

Doch der damalige Wissenschaftsminister ließ sich nicht beirren: Eine strukturschwache Region wie Brandenburg könne nur mit einer starken Wissenschaft prosperieren. Die Idee war, rund um Berlin kleinere, spezialisierte Unis aufzubauen. Potsdam sollte sich auf die Lehrerbildung und die Naturwissenschaften konzentrieren, Cottbus auf die Technikfächer, Frankfurt auf ausgewählte Geistes- und Sozialwissenschaften und – wegen der Nähe zu Polen – auf Europa und den Brückenschlag zum Nachbarland. Das Konzept hat sich bis heute gehalten.

20.000 Studenten an der Uni Potsdam

Die Potsdamer Uni wuchs deutlich schneller als die anderen beiden: ein Abbild der Verhältnisse in der Mark. Rund 20 000 Studierende sind hier heute eingeschrieben (1991 waren es einige wenige Tausend), während es in Frankfurt derzeit gut 6500 und in Cottbus rund 8500 sind. Potsdam sieht sich damit inzwischen in der Gruppe der Unis, die direkt auf die Exzellenzunis folgen: „Dort sind wir gut positioniert“, sagt Präsident Oliver Günther. In der Exzellenzinitiative will die Uni einen Antrag für ein Cluster stellen. Günther hebt zahlreiche Initiativen in der Lehre hervor, die guten Beziehungen zu den außeruniversitären Instituten, die Gründeraktivitäten.

Wachsen will die Uni mit ihren naturwissenschaftlichen Fächern in Golm – neben dem Neuen Palais und Griebnitzsee einer von drei Campus, die aus historischen Gründen alle außerhalb der Innenstadt liegen. Die Uni übernahm sie von Vorgängereinrichtungen, neben der PH waren das die alte Stasi-Hochschule (Golm) und die Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft (Griebnitzsee), wobei die beiden Letzteren zur Gründung abgewickelt waren. Für Günther ist es ein Nachteil, dass die Uni in der Stadt immer noch wenig präsent sei. Die Wissenschaftsetage in der Stadt- und Landesbibliothek soll das ändern, die Öffentlichkeit durch Einblicke in die wissenschaftliche Arbeit ansprechen.

Lernen im Unesco-Weltkulturerbe

Auf die wechselvolle Geschichte des Campus der Uni Potsdam am Neuen Palais weist seit Kurzem eine Stele hin, „Zeitzeichen“ genannt. Besucher erfahren hier, dass Studierende und Wissenschaftler in einem Unesco-Weltkulturerbe lernen, lehren und forschen: Das Neue Palais gehört zum geschützten Ensemble der Schlösser und Parks in Potsdam und Berlin. Auch wird erklärt, dass die DDR Teile der als Gästeschloss der Preußenkönige errichteten Anlage zu einer Bildungseinrichtung umfunktionierte. 25 000 Lehrkräfte wurden in der „Pädagogischen Hochschule Karl Liebknecht“ ausgebildet.

Übernommen wurden 1991 nicht nur Gebäude. Vor allem von der PH, die nach der Wende zunächst nicht geschlossen wurde, kam viel Personal: rund 1000 Mitarbeiter, darunter 61 Professoren und 420 wissenschaftliche Mitarbeiter. Die Frage, was das für die junge Uni bedeutete, hat im Jubiläumsjahr zu einer Kontroverse geführt. Der Historiker Manfred Görtemaker löste sie aus, als er zum Neujahrsempfang in Bezug auf die Personalübernahmen von einer „Hypothek“ sprach, „die nicht leicht abzutragen war“.

Alte Ost-West-Konflikte brachen auf

Dabei ging es Görtemaker zum einen um verschleppte Stasi-Überprüfungen, die systematisch erst ab 1994 stattfanden. Wobei zur Gründung vielleicht noch vorhandene Seilschaften Mitte der 1990er bereits kaum mehr existierten, wie Görtemaker sagte. Schwerer wog für ihn, dass die fachliche Eignung der Übernommenen nicht hinreichend geprüft worden sei. Sie sei pauschal – auf der Basis eines Fragebogens – festgestellt worden. Er insinuierte, dass viele für die Forschung nicht qualifiziert genug waren. Weil viele wissenschaftliche Mitarbeiter einen unbefristeten Vertrag erhielten, habe das „zu einer langfristigen Blockade“ geführt. Der Protest war groß, alte Ost-West-Konflikte brachen auf. Von Entwürdigung, Diffamierung und Unkenntnis sprachen 28 Professoren und Dozenten, die damals übernommen wurden, in einem offenen Brief: „Wir sind nicht bereit, unwidersprochen unsere berufliche Lebensleistung in inkompetenter Weise in Misskredit bringen zu lassen.“ Gerade wegen der Qualität des Mittelbaus habe sich die Uni so gut entwickeln können. Andere Wissenschaftler, die ebenfalls von der PH kamen, bestätigten indes Görtemakers These.

Die Diskussion wird sich fortsetzen – gewünscht auch von Präsident Günther: „Wir müssen die Geschichte der Uni transparent machen.“ Er plädiert für einen „weniger emotionalen, mehr wissenschaftsgeleiteten Diskurs“. Dass aber Brandenburg bei der Gründung der Uni einen stärkeren Akzent auf die Sozialverträglichkeit legte, während in Berlin reihenweise Wissenschaftler entlassen wurden, müsse aufgearbeitet werden – wobei für ihn außer Frage stehe, „dass viele übernommene Kollegen sehr gute Arbeit in Forschung und Lehre geleistet haben“. (mit Jan Kixmüller)

 

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