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25 Jahre Uni Potsdam

  • 08.06.2016
  • von Jens-Uwe Sprengel

PNN-Serie: Alumni der Uni Potsdam: Theaterbühne statt Klassenzimmer

von Jens-Uwe Sprengel

Theatermacher. Jens-Uwe Sprengel ist Unidram-Gründer und T-Werk-Leiter. Foto: UP

Wenn die Universität Potsdam in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiert, schaut sie auch auf ihre Absolventinnen und Absolventen. Rund 80 Prozent von ihnen sind als Fachkraft in der Region geblieben. In dieser PNN-Serie in Kooperation mit der Uni berichten einige nun von ihrem Werdegang. Heute: Jens-Uwe Sprengel über angewandte Mathematik und experimentellem Schauspiel.

Eigentlich gehörte meine Leidenschaft der Mathematik. Schon in der Schule nahm ich an mathematischen Wettbewerben teil. So lag es nahe, dass ich mich auch im Studium auf diese Fachrichtung konzentrierte. 1983 begann ich ein Lehramtsstudium in Mathematik und Physik an der Pädagogischen Hochschule in Potsdam. Anschließend arbeitete ich ein Jahr lang in einer Schule und promovierte auf dem Gebiet der Angewandten Mathematik. Doch letztlich entschied ich mich gegen das Klassenzimmer. Im Studium hatte ich nämlich noch eine andere Leidenschaft für mich entdeckt: das Theater. Mich interessierte die Freie Kunst. Ich gründete eine eigene Theatergruppe und hing in den 90er-Jahren noch ein Studium der Theaterpädagogik an.

Und dann kam Unidram – das internationale Theaterfestival, das mit seinem unkonventionellen Mix aus Schauspiel, Tanz, Bildender Kunst und Performances bis heute Ensembles aus aller Welt nach Potsdam lockt. Gemeinsam mit den Uni-Absolventen Thomas Pösl und Franka Schwuchow übernahm ich damals die Organisation. 1997 gründete das Unidram-Team das Theaterzentrum T-Werk, das seit 2004 zum Kulturquartier Schiffbauergasse gehört und mit seinem experimentellen Schauspiel, Musik-, Masken- und Figurentheater eine feste Größe neben der sogenannten Hochkultur der Stadt ist.

Auch wenn ich mich als künstlerischer Leiter des T-Werks über die Jahre fest in der Theaterszene verankert habe, denke ich gern an die Studienzeit zurück. Während der studentischen Bewegungen zur Wendezeit 1989 war ich einer derjenigen, die die Veränderungen an der Hochschule mit eingeleitet haben. Ich organisierte studentische Räte und größere studentische Treffen. In dieser Zeit wurzeln auch wichtige künstlerische Ideen, insbesondere für die Auseinandersetzung mit den in der DDR kaum gespielten Autoren des absurden Theaters sowie mit Texten des Dadaismus und des Surrealismus. Bis heute schöpfe ich einen Teil meiner Motivation aus dem Studium, aus den akademischen Erfahrungen: Während meiner Promotion hat mich der Forscherdrang, die Frage der Begabung, der Inspiration und der Eingebung vorangetrieben. So ähnlich ist es ja auch, wenn man künstlerisch arbeitet.

Immer wieder gern suche ich die Kooperation mit der Universität. Gemeinsam mit dem Fachbereich Mathematikdidaktik habe ich ein Präsenztraining für Lehramtsstudierende durchgeführt. Im geschützten Theaterraum lernten die Studenten, sich in einer öffentlichen Situation wie etwa vor einer Schulklasse natürlich und instinktiv zu verhalten. Dass das Pilotprojekt nach drei Jahren nicht fortgeführt werden konnte, ist schade. Theater sollte mehr in die Uni getragen werden.

Gelegenheit, unser T-Werk kennenzulernen, gibt es am 11. Juni in der Aktionswoche „Uni findet Stadt“. Anlässlich des Jubiläums zum 25-jährigen Bestehen der Universität organisieren wir zusammen mit dem Alumni-Referat der Uni einen Kulturabend der besonderen Art. Unter dem Titel „UNIKATe“ gestalten Potsdamer Absolventen ein musikalisch-künstlerisches Programm: Mit dabei sind das Musikkabarett-Duo „Schwarze Grütze“, die Musikerin Beate Wein mit dem „Pulsar Trio“, die Jazzband SaxTon, der Kulturwissenschaftler Heiner Stahl, die Schriftstellerin Julia Schoch sowie Katja Dietrich-Kröck alias DJ Katjuscha. Allesamt sind sie Künstler mit universitären Wurzeln, die heute weit über die Grenzen Potsdams hinaus bekannt sind. Seiner Alma Mater ein solches Geburtstagsgeschenk machen zu können, ist schon was Besonderes. Vielleicht lässt sich das Format zukünftig ja fortführen.

Jens-Uwe Sprengel ist heute künstlerischer Leiter des Theaterzentrums T-Werk und Mitorganisator des internationalen Theaterfestivals Unidram.

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