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  • 21.04.2016
  • von Jan Kixmüller

Weltklimavertrag wird in New York unterzeichnet: Klimasünder zur Kasse bitten

von Jan Kixmüller

Der Potsdamer Forscher Ottmar Edenhofer. Foto: dpa

Der Potsdamer Klima-Ökonom Ottmar Edenhofer drängt auf eine raschere Umsetzung der UN-Klimaziele. Der Kohleausstieg komme zu langsam. Am Freitag soll der Paris-Vertrag in New York unterzeichnet werden.

Potsdam - Ottmar Edenhofer, Chef-Ökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) dringt auf eine möglichst rasche Umsetzung der UN-Klimaziele. Am Freitag, 22.4.2016  wollen in New York mehr als 160 Staaten das UN-Abkommen zum Klimaschutz unterzeichnen, das beim Pariser Klimagipfel Ende vergangenen Jahres beschlossen wurde. „Um Klimarisiken zu begrenzen, muss das Abkommen von Paris jetzt rasch umgesetzt werden – so klar die Ziele sind, so unklar ist der Weg", sagte Edenhofer zu dem bevorstehenden Abschluss. "Weltweit werden massenweise neue Kohlekraftwerke gebaut. Helfen kann hier das ökonomische Prinzip: Wer dem Klima schadet, und damit uns allen, der muss zahlen." Dann würden sich Investitionen in saubere Innovationen lohnen. "Auch Europas Emissionshandel ist ein Sanierungsfall – derzeit ist er nur ein Wettbüro für politische Entscheidungen, in dem man sich gegenseitig unterbietet." Ein Mindestpreis für CO2 sei hier die beste Lösung, das zeige die Forschung. "International sollten Schwellen- und Entwicklungsländer über Transferzahlungen bei der Einführung eines CO2-Preises unterstützt werden.“

Energiewende nicht in Sicht

Eine weltweite Energiewende sei  ebenso wenig in Sicht, wie eine deutsche Politik, die kompromisslos auf erneuerbare Energien setzen würde, so Edenhofer. Seit 2000 sind ihm zufolge in Deutschland etwa zehn Kohlekraftwerke entweder neu gebaut oder in erneuerter Form ans Netz gegangen. Die Industrie unternimmt erhebliche Anstrengungen, um weiter an der billigsten Form der Energieerzeugung zu verdienen. „Die Energiewende steckt in Deutschland in einer deutlichen Krise. Wir werden weiterhin als Kohle-Nation wahrgenommen“, sagte Edenhofer. Zwar würden die Folgen einer zögerlichen Klimapolitik schneller sichtbar als bisher angenommen, so der Ökonom. Aber es geschähe trotzdem viel zu wenig.

Begrenzung auf 1,5 Grad Erwärmung als Ziel

Ottmar Edenhofer, hat den jüngsten Bericht des Weltklimarats IPCC zum Klimaschutz geleitet, er wird in New York dabei sein. Nach der Unterzeichnung stellt sich dann die Frage, wie das Abkommen in die Praxis umgesetzt werden kann. Die Erwartungen der Potsdamer Klimaforscher sind hoch. Sie nannten die Vereinbarung nach dem Pariser Gipfel einen Sieg der Vernunft. Das nahezu Unmögliche sei wahr geworden. Vereinbart wurde, den globalen Temperaturanstieg seit der Industrialisierung deutlich unter 2 Grad zu halten, sowie Anstrengungen zur Begrenzung auf 1,5 Grad. Damit folgten die Staaten der Empfehlung der Wissenschaft. Die Reduktionsverpflichtungen des Kyoto-Protokolls aus dem Jahr 1997 wurden von weit übertroffen, denn dort waren nur die Industriestaaten verpflichtet worden.

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