26.07.2016, 27°C
Themenschwerpunkt:

25 Jahre Uni Potsdam

  • 23.03.2016

Therapeutischer Blick

Bewegungshelfer. Torsten Wanagas ist heute Sporttherapeut. Foto: Svea Pietschmann

Von der Humanbiologie an der Universität zum Rehabilitationssport im Club. Von Torsten Wanagas

Wenn die Universität Potsdam in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiert, schaut sie auch auf ihre Absolventinnen und Absolventen. Rund 80 Prozent von ihnen sind als Fachkraft in der Region geblieben. In dieser PNN-Serie in Kooperation mit der Uni berichten einige nun von ihrem Werdegang.

 

Es geschieht schon mal, dass ich Menschen sehe und mir denke, sie sollten besser bald mit der einen oder anderen Trainingseinheit beginnen, damit sie in den nächsten Jahren fit bleiben. Wahrscheinlich ist das mein therapeutischer Blick, vielleicht auch eine Art Berufskrankheit.

Ich habe in den 1990er-Jahren an der Universität Potsdam Sport, Biologie und Geografie auf Lehramt studiert. Sport ist seit jeher meine Leidenschaft und die Humanbiologie wurde während des Studiums mein Steckenpferd. Sehr schnell habe ich die Sportmedizin für mich entdeckt und durch meine große Affinität zu den wissenschaftlichen Projekten wurde ich schließlich bei Professor Frank Bittmann im Bereich Regulative Physiologie und Prävention studentische Hilfskraft, später dann Projektmitarbeiter. Parallel dazu war ich als Sporttherapeut selbstständig in Potsdam tätig, ehe ich 1998 unter dem Dach des Brandenburgischen Vereins für Gesundheitsförderung e.V. den „Club Aktiv“ als eine Abteilung für Gesundheits- und Rehabilitationssport gründete. Das war damals noch an der Universität auf dem Campus am Neuen Palais, es gab kaum mehr als 150 Mitglieder.

Mit dem Umzug ins Potsdamer Werner-Alfred-Bad vor zehn Jahren konnten wir jedoch mit neuen Kursen wie zum Beispiel Wassergymnastik immer mehr Kunden gewinnen – mittlerweile sind wir mit über 1000 Mitgliedern ein Großsportverein. Das ist wunderbar. Zu uns kommen Menschen, die ihre Kraft und Mobilität erhalten oder verbessern wollen. Gleichermaßen liegt einigen viel daran, bestehende Schmerzen zu lindern. Dafür bieten wir gesundheitsorientiertes Kräftigungstraining, Rückenschule, Pilates, Yoga oder auch Rehabilitationssport an. Man glaubt mitunter gar nicht, wie viel man auch nach wenigen Trainingseinheiten schon erreichen kann.

Unser Kundenkreis ist sehr verschieden, was nicht nur in den unterschiedlichen Kursen sichtbar wird. Im Rehabilitationssport gibt es je nach Beschwerdebildern auch ganz gemischte Altersgruppen, da ja beispielsweise Verletzungen des Knies Menschen jeden Alters treffen können. Interessant für die Leute ist, dass wir durch unsere guten Verbindungen zur Sportmedizin und zur Sportwissenschaft der Uni Potsdam immer auf dem aktuellsten Forschungsstand sind. Das versetzt uns in die Lage, modernste sportmedizinische und bewegungswissenschaftliche Erkenntnisse direkt in der Praxis anwenden zu können. So liegt zum Beispiel eine Studie zur Sturzprophylaxe im Bereich der Sportwissenschaft bei Professor Urs Granacher vor, in deren Folge wir im Verein jetzt einen zugelassenen Kurs dazu anbieten können. Für mich persönlich ist die Anbindung an die Universität Potsdam ebenfalls sehr eng, da ich nach wie vor in der Lehre aktiv bin.

Nahezu alle unsere Therapeuten haben einst an der Uni Potsdam studiert. Mitunter kamen sie über ein Forschungsprojekt oder über ein Praktikum zu uns und blieben. Denn uns und nicht zuletzt unseren Kunden ist eine Stabilität in der Mitarbeiterebene sehr wichtig. Wir haben mit den Jahren auch ein besonders gutes Netzwerk zu Kollegen anderer Disziplinen aufgebaut, zu Ärzten, Naturheilpraktikern und Physiotherapeuten. Anders als normale Sportvereine, die mit sinkenden Mitgliederzahlen teilweise ums Überleben kämpfen, hat sich der Gesundheitsmarkt sehr positiv entwickelt, was uns wiederum zugutekommt. Letztlich aber können wir Therapeuten theoretisch viel erzählen, wenn die Menschen nicht selbst erfahren, wie wertvoll Bewegung ist. Glücklicherweise achten immer mehr Menschen auf ihre körperliche Fitness.

Der Autor hat in den 1990er-Jahren an der Universität Potsdam Sport, Biologie und Geografie studiert.

Social Media

Umfrage

Lösung für die defizitäre Tropenhalle gesucht: Soll das Naturkundemuseum in die Biosphäre ziehen? Stimmen Sie ab!