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  • 21.03.2016
  • von Merle Janssen

Slavistik-Professorin an der Uni Potsdam: Potsdam international

von Merle Janssen

Seit fünf Jahren in Potsdam. Magdalena Marszalek ist Professorin für Slavische Literatur- und Kulturwissenschaft und eine von 365 ausländischen Mitarbeitern der Uni Potsdam. Foto: Jannette Kneise

Die Slavistik-Professorin Magdalena Marszalek sieht die Integration an der Uni Potsdam auf einem guten Weg. Sie glaubt, dass die derzeitige Konjunktur der Populisten nur vorübergehend ist.

Potsdam - Mehr Solidarität in der Flüchtlingsdebatte und eine Wendung ihres Heimatstaates von der Krise zurück zu mehr Demokratie: Magdalena Marszalek hat klare politische Wünsche. Seit fünf Jahren ist sie Professorin für Slavische Literatur- und Kulturwissenschaft an der Universität Potsdam, vor 28 Jahren kam Marszalek aus Polen nach Deutschland. „Ich freue mich sehr, dass ich beruflich in Potsdam Fuß fassen konnte: Ich bin gerne in Potsdam, ich bin gerne am schönen Campus am Park Sanssouci“, erzählt die in Berlin wohnende Marszalek. Eine bessere Konstellation als Berlin/Potsdam könne sie sich auch wegen der Nähe zu ihrer Heimat Polen nicht vorstellen.

Doch die jüngsten Pegida-Demonstrationen in Potsdam und die hohen Wahlergebnisse der AfD bei den letzten Landtagswahlen bereiten ihr zunehmend Sorgen. Angesichts der Zunahme an populistischen Bewegungen und des Einflusses rechtsnationalistischer Parteien in Europa müsse man sich fragen, „was in den heutigen – den älteren wie den jüngeren – Demokratien alles nicht stimmt, dass die Populisten so stark werden können“, so Marszalek.

Potsdamer Wissenschaftler für Weltoffenheit

Erst am vergangenen Dienstag sprachen sich wie berichtet Leiter von 27 Wissenschaftseinrichtungen in Potsdam in einem offenen Brief gegen „Menschenfeindlichkeit, Gewalt und Intoleranz aufgrund von Herkunft, Aussehen, Religion oder anderen Gründen“ aus. Die Unterzeichner des Briefes bekräftigen darin, dass „Wissenschaft der Gegenpol von Abschottung“ sei, denn sie lebe von Weltoffenheit. Potsdam sei die Stadt mit dem höchsten Anteil von Wissenschaftlern pro Einwohner, in vielen Instituten seien Forscher aus verschiedenen Ländern der Erde beschäftigt.

 


 

Hier gibt es den offenen Brief zum Nachlesen >>

 


 

 

Marszalek ist eine der 365 ausländischen Mitarbeiter von insgesamt 4513 Mitarbeitern an der Universität Potsdam. Ein Schwerpunkt ihrer wissenschaftlichen Arbeit ist die polnische Geschichte in Verflechtung mit anderen Kulturen. „Mich interessiert stark das Vorkriegspolen, das infolge des Krieges, des Holocaust und der ethnischen Säuberungen und Grenzverschiebungen nach dem Krieg aufgehört hat, zu existieren: ein multiethnisches, multikonfessionelles und mehrsprachiges Land. Polen, das wir heute kennen, ist ganz anders.“ Die Entwicklungen Polens seit der politischen Wende 1989 würden laut Marszalek allerdings die Hoffnung geben, dass auch die momentane Krise in der polnischen Demokratie überwunden werden könne.

An der Universität Potsdam fühlt sich Marszalek sehr wohl. Sich zu integrieren hat für die gebürtige Polin unabhängig von der Herkunft eine besondere Bedeutung. „Wenn ich sage, dass ich mich ,integriert’ habe, denke ich dabei vor allem an meine beruflichen und privaten Netze, also an eine Integration, die für alle, nicht nur für diejenigen, die aus dem Ausland kommen, existenziell wichtig ist.“

Wunsch nach Solidarität der europäischen Staaten

In der aktuellen Flüchtlingsdebatte wünscht sich Marszalek mehr Solidarität aller europäischer Staaten. Die Situation in Deutschland betrachtet sie dabei nicht nur aus der Sicht eines ehemaligen Flüchtlings. Durch ihre Arbeit und die Auseinandersetzung auch mit den dunklen Kapiteln der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts habe sie ebenfalls eine wissenschaftliche Perspektive, erklärt die Slavistik-Professorin. Die derzeitige „Fluchtmigration von Kriegsopfern“ sei nicht mit ihrer Flucht aus dem Ostblock vergleichbar. Marszalek hält die Aufnahme von Flüchtlingen für etwas Selbstverständliches. „Womöglich besteht da aber keine Kausalität, schließlich gibt es in Deutschland sehr viele Menschen, die eine solche Erfahrung nicht haben und es trotzdem für selbstverständlich halten, dass man den Flüchtlingen hilft.“

Mut machen ihr dabei auch die regelmäßigen Gegendemonstrationen bei den Pegida-Aufmärschen in Deutschland und die zahlreichen Potsdamer Initiativen gegen Pogida. „Solange es Menschen in Deutschland gibt, die bei jeder Pegida- Demo auf die Straße gehen, um dagegen zu demonstrieren, bin ich zuversichtlich, dass die gegenwärtige Konjunktur der fremdenfeindlichen, islamophoben Populisten in Deutschland vorübergehend ist.“ Ein solch deutliches Zeichen für mehr Weltoffenheit ist auch der offene Brief der Potsdamer Forscher. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die Fachhochschule Potsdam, das Geoforschungszentrum und das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Internationalisierungsstrategie der Uni Potsdam

Die weitere Internationalisierung spielt für Potsdams Hochschulen in mehrerer Hinsicht eine Rolle. Sie trage zu einer Steigerung der Qualität und Wettbewerbsfähigkeit von Forschung, Studium und Lehre bei und fördere die Willkommenskultur und den interkulturellen Austausch auf dem eigenen Campus, heißt es in der Internationalisierungsstrategie der Uni Potsdam. Sie wurde im März 2015 aufgelegt, um die Attraktivität der Uni für Studierende aus dem Ausland zu erhöhen und sich global als Forschungsstandort zu etablieren. Auch die Filmuniversität Babelsberg setzt auf eine „stärkere und zielgerichtete internationale Vernetzung“. Wie Martina Liebnitz, Alumni-Referentin an der Filmuniversität, mitteilt, seien Filmuni-Absolventen im In- und Ausland gefragt.

Magdalena Marszalek erlebt die Wissenschaft in Potsdam als international gut aufgestellt. Die Universität unterscheide sich von anderen stark internationalisierten Unis in Deutschland wenn überhaupt nur positiv. Dies macht die Professorin unter anderem an den Forschungskooperationen und Uni-Partnerschaften sowie der Anzahl international mobiler Studierender fest. Laut Marszalek habe die konsequente Internationalisierungspolitik der Uni in den letzten Jahren hier starke Effekte hervorgebracht. Woanders möchte Marszalek zurzeit nicht leben.

„Berlin ist meine Wahlheimat. Ich hatte das große Glück, an die Universität Potsdam als Professorin berufen zu werden und möchte hierbleiben“, sagt sie. In der Region sei die Integration inzwischen sogar so weit fortgeschritten, dass kaum noch jemand einen fremden Dialekt als aufregend empfinde.

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