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25 Jahre Uni Potsdam

  • 03.02.2016
  • von Jan Kixmüller

Universität Potsdam und die Exzellenzinitiative: Burgfrieden und DAX-Unternehmen

von Jan Kixmüller

Trendwende. Die Universität Potsdam erhält nun mehr Landesmittel, auch wenn dies erst ein Anfang ist. Foto: Karla Fritze/UP

Warum die Universität Potsdam ihre Studierendenzahlen bei rund 20.000 halten möchte, wo sie in Zukunft hin will und was Uni-Präsident Oliver Günther von der nächsten Exellenzinitiative erwartet.

Potsdam - Die Anziehungskraft der Universität Potsdam ist ungebrochen. Während die Hochschule sich aktuell mit gut 20 500 Studierenden und über acht Bewerbern pro Studienplatz als Universität mittlerer Größe in Deutschland etabliert hat, erhält sie auch bei der Forschung regen Zulauf. Die 25 Jahre junge Alma Mater ist mitten im Generationenwechsel. Die Professoren der ersten Stunde gehen in den Ruhestand, mit 28 Neuberufenen lag die Hochschule 2015 fast dreifach über Normal. Und es kommt nicht irgendwer: Wissenschaftler aus Stanford, von der University of California oder auch der renommierten London School of Economics sind unter den Neuen, die sich zwischen Golm, Neuem Palais und Griebnitzsee versammeln.

In 25 Jahren einige DAX-Unternehmen aus der Region  

Die Uni ist in zahlreichen einschlägigen Rankings in den Vorjahren immer wieder an die Spitze gelangt, allein die drei verschiedenen DFG-Förderungen 2015 sind ein Gütesiegel. „Das zeigt, dass es gelungen ist, vor den Toren Berlins eine Forschungsuniversität aufzubauen, die mit Göttingen, Freiburg oder Konstanz mithalten kann – mit steigender Tendenz“, sagte Uni-Präsident Oliver Günther nun zum Neujahrsempfang. Er gehe davon aus, dass es für die „junge aktive Forschungsuniversität“ in den kommenden 25 Jahren noch einmal so stark aufwärts gehen werde, wie seit ihrer Gründung. Günther hat dabei auch die Gründerszene in Berlin-Potsdam im Auge. Er erwartet, dass 2041 sogar einige Dax-Unternehmen aus den lokalen Hochschulen hervorgegangen sein werden. „Wir müssen schon ziemlich viel falsch machen, um dieses positive Potenzial zu verspielen“, so Günther.

Im Vorjahr gab es rund 50 Ausgründungen

Allein 2015 habe es rund 50 Ausgründungen aus der Potsdamer Uni gegeben. Eine aktuelle Studie belege, dass jeder Euro, der in die Hochschule investiert wird, sich für den Landeshaushalt langfristig auszahle. Günther ist überzeugt, dass Wirtschaft und Politik die Universität für die Zukunft des Landes brauchen. Nicht umsonst hat sich die Hochschule das Motto „Spitzenforschung und -lehre im Dienst des Landes“ gegeben.

Das sieht auch die scheidende Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (SPD) so. Die Universität sei bestens verzahnt mit der außeruniversitären Forschung – und mittlerweile ein wichtiger Teil der gemeinsamen Wissenschaftslandschaft in der Hauptstadtregion, lobte sie zum Jahresauftakt. „Mit ihrer Dynamik und Innovationsstärke zieht sie junge Menschen aus aller Welt an, schafft neue Arbeitsplätze und sichert die Zukunftsfähigkeit des Landes Brandenburg“, so Kunst.

Bei den Finanzen hat Potsdam noch Luft nach oben

Wäre da nicht das altbekannte Problem mit den Finanzen. Oliver Günther wollte zum neuen Jahr nicht wieder in das Horn des Lamentos stoßen. Das besorgte ein anderer. Der Historiker Manfred Görtemaker endete seine Ausführungen zum schwierigen Kapitel der Gründungsphase der Hochschule mit einem durchaus nachdenklichen Ausblick. Nach 25 Jahren sei es nun gelungen – trotz der Hürden der Anfangsjahre –, den Aufbau einer exzellenten Forschungsuniversität voranzutreiben. Doch das Ziel der internationalen Spitzenforschung stehe und falle mit den finanziellen Rahmenbedingungen im Land Brandenburg. Potsdam werde gerne mit amerikanischen Eliteuniversitäten verglichen. „Doch der Vergleich hinkt“, so der Historiker. Stehe Princeton doch beispielsweise ein zehnfach höherer Etat zur Verfügung. „Hier hat Potsdam noch etwas Luft nach oben“, sagte Görtemaker. Denn für die Zukunft müsse sich Potsdam an Spitzenunis wie Princeton messen. Letztlich werde auch die Option einer Stiftungsuniversität weiter geprüft, ein Modell, mit dem eine bessere finanzielle Ausstattung und größere Unabhängigkeit erreicht werden könnte.

Bisher war die Univesität bei der Exzellenzinitiative gescheitert

Erklärtes Ziel von Uni-Präsident Günther ist nach wie vor auch die Exzellenzinitiative. „Wir hoffen, bei der nächsten Runde zum Zug zu kommen“, erklärt der Wirtschaftsinformatiker, der die Uni seit 2012 führt. Er hält das vor zehn Jahren gestartete Förderprogramm für Spitzenforschung für einen vollen Erfolg. Die Initiative läuft Ende 2017 aus, ein neues Programm soll sich bis 2028 anschließen. Bisher war die Potsdamer Hochschule mit Anträgen zu Forschungsverbünden und Exzellenzclustern gescheitert. Allerdings ist die Universität Potsdam zurzeit noch an einem Exzellenzcluster unter Federführung der TU Berlin beteiligt. Ob die Potsdamer Uni – zum Beispiel innerhalb von Forschungsverbünden – bei der nächsten Runde dabei sein wird, hängt auch vom Finanzrahmen ab. Immerhin sieht Günther, der die Geschicke der Hochschule auch noch für eine zweite Amtszeit leiten will, nun bei den Landesmitteln für die Hochschule eine Trendwende erreicht. Der Jahresetat von Brandenburgs größter Hochschule sei von 100 auf 106 Millionen Euro gestiegen. Was aber kein rasantes Wachstum bedeute. „Bei dem Tempo haben wird den Bundesdurchschnitt erst in 20 Jahren erreicht“, erklärt Günther.

Bei den hochgesteckten Zielen heißt es dann auch Abstriche machen. So will die Hochschule nicht mehr als die derzeit gut 20 000 Studierenden aufnehmen – um Qualitätseinbußen bei der Lehre zu vermeiden. Würde die Uni pro Kopf so viele Mittel wie im Bundesdurchschnitt anstreben, müsste sie beim derzeitigen Etat auf 16 000 Studierende heruntergehen. „Was wir genauso wenig wollen wie die Landesregierung“, sagt Günther. Daher habe man sich auf den Burgfrieden geeinigt, es bei der aktuellen Studierendenzahl zu belassen. „Vor dem Hintergrund der knappen Finanzen sind mehr Studienanfänger einfach nicht drin.“

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