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Themenschwerpunkt:

25 Jahre Uni Potsdam

  • 27.01.2016
  • von Jan Kixmüller

DDR-Altlasten an der Universität Potsdam: "Wir hatten nicht nur ein Stasi-Problem"

von Jan Kixmüller

Entschärft. Ein Siegel der DDR-Staatssicherheit an einem Tresor in einem Gebäude der ehemaligen Stasi-Hochschule am heutigen Universitäts-Campus in Golm. Foto: Andreas Klaer

Die Stasi-Überprüfung an der Universität Potsdam war nach der Wende ausgeblieben. Der Historiker Manfred Görtemaker nahm die Sache dann in die Hand und brachte die Akten persönlich zur Gauck-Behörde. Allerdings hatte er auch leere Aktendeckel vorgefunden. Heute hat er die Geschichte noch einmal in den Blick genommen. Stasi-Seilschaften fand er keine, dafür aber ein Kompetenz-Vakuum

Herr Görtemaker, Sie haben die Entstehungszeit der Uni Potsdam untersucht. Gab es die immer wieder vermuteten Stasi-Seilschaften in den 1990er-Jahren?

Im Einzelfall mag es Bekanntschaften oder Loyalitäten gegeben haben. Aber Seilschaften, sei es in der Verwaltung oder woanders, konnte ich nicht feststellen. Richtig ist aber, dass die Überprüfung auf Stasi-Tätigkeit damals nicht gleich erfolgte. Daher habe ich 1994 als Prorektor persönlich darauf gedrängt, einen Neuanlauf zu starten. Wir haben Anträge auf Überprüfung für alle Mitarbeiter vorbereitet und im Wissenschaftsministerium vorgelegt. Dort habe ich dann wiederum darauf beharrt, dass alle Unterlagen noch am gleichen Tag in die Gauck-Behörde gelangten. Das heißt: Ich habe sie persönlich mit einem Referenten des Ministeriums dort abgegeben. Bis dahin war tatsächlich zur Überprüfung kaum etwas geschehen. Insofern war das Misstrauen, das damals herrschte, durchaus gerechtfertigt. Es war der Eindruck entstanden, dass alles unter den Teppich gekehrt werden sollte. Ohne den Neuanlauf hätten wir ein viel größeres Problem gehabt. Danach sind dann ja auch zahlreiche Mitarbeiter freiwillig ausgeschieden. Letztlich war das Stasi-Problem aber nicht unser drängendstes Problem.

Sondern?

Wir hatten ein Personal-Problem in einem viel umfassenderen Sinne. Das Personal der neuen Universität stammte zum größten Teil aus der Pädagogischen Hochschule „Karl Liebknecht“ am Neuen Palais und der Akademie für Staat und Recht in Griebnitzsee. Von der ehemaligen Stasi- Hochschule Golm wurden zwar einige Mitarbeiter aus Verwaltung und Technik, aber keine Wissenschaftler übernommen. Insofern ist es Unfug, zu behaupten, die Uni Potsdam sei von ehemaligen Stasi- Leuten geführt worden. Aber auch die Mitarbeiter der PH „Karl Liebknecht“ und der Akademie waren in ihrer großen Mehrzahl keine Opfer des SED-Regimes gewesen, sondern sie hatten dieses Regime unterstützt, gefördert und darin Karriere gemacht. Diejenigen Hochschulangehörigen, die unter der Stasi und der SED-Diktatur gelitten hatten, haben daher nach 1990 zu Recht bemängelt, dass man die Opfer nicht genügend würdige, während die Täter schon wieder obenauf seien. Das ist verständlich, denn die Opfer sahen natürlich erst einmal ihr individuelles Schicksal. Für uns, die wir den Neuaufbau verantworteten, war es aber auch wichtig, möglichst viele Mitarbeiter in die neuen Strukturen zu integrieren. Dabei ragten natürlich die Biografien der Menschen und damit die DDR-Vergangenheit weit in die Zeit nach der Wende hinüber. Wie hätte es auch anders sein sollen?

Und das bedeutete?

Die Menschen brachten ihre politischen Einstellungen und ihre Mentalität in die neue Zeit mit. Sie konnten ja nicht über Nacht ihren Kopf auswechseln. Das machte es ihnen natürlich schwer, sich mit den veränderten Gegebenheiten abzufinden. In gewisser Weise galt dies aber auch für die Wessis, die nach Potsdam kamen und hier mit Strukturen konfrontiert wurden, die ihnen völlig unbekannt waren und an die sie sich ebenfalls erst gewöhnen mussten. Es war ein beiderseitiger Lernprozess.

Also war die Uni in den 1990er-Jahren nicht, wie damals behauptet, von Altkadern durchsetzt?

Zumindest nicht von Stasi-Personal. Nachdem die Anträge zur Überprüfung 1994 gestellt worden waren, wurde jeder Rücklauf von einer Personalkommission individuell beurteilt. Abgesehen davon, dass es auch einige leere Aktendeckel gab, die bestimmte Vermutungen nahelegten, gehe ich davon aus, dass wir seit Mitte der 1990er-Jahre kein wirkliches Stasi-Problem an der Hochschule mehr hatten. Der eine oder andere mag durch die Maschen geschlüpft sein, das waren aber Einzelfälle. Allerdings dürften sich manche alte Loyalitäten erhalten haben, vor allem in der Verwaltung, wo praktisch das gesamte PH-Personal übernommen wurde. Hier kannte man sich, hier half man sich, hier bevorzugte man Personen, mit denen man seit Jahren vertraut war und die in dem neuen System wegen ihrer Herkunft benachteiligt schienen. Aber Stasi-Seilschaften waren dies nicht, eher persönliche Bekanntschaften und Loyalitäten. Das sollte man nicht verwechseln.

Wo waren denn Akten verschwunden?

Nehmen Sie beispielsweise die Sportwissenschaften. Potsdam war in der DDR ein wichtiger Schwerpunkt des Leistungssports. Die Verantwortlichen arbeiteten eng mit dem MfS zusammen. Die Leistungssportler wurden streng überwacht, vor allem im Ausland, zudem ging es um Doping. Die dafür Verantwortlichen waren nach der Wende weiterhin im Sportbereich der Universität tätig. Wenn es hier nun bei den Überprüfungen leere Aktendeckel gab, konnte dies niemanden überraschen. Der für die Potsdamer Hochschule zuständige Stasi-Offizier dürfte rechtzeitig dafür gesorgt haben, dass nichts mehr nachweisbar war.

Und die Betroffenen blieben an der Uni?

Zunächst ja. Inzwischen besteht dieses Problem aber nicht mehr, weil die Betroffenen aus Altersgründen ausgeschieden sind.

Weiß man heute mehr darüber, warum es bis 1994 keine Stasi-Überprüfung gab?

Nein, das war schon damals nicht herauszubekommen. Die Hochschulverwaltung behauptete, sie hätte die Anträge auf Überprüfung beim Ministerium eingereicht, wo sie wohl „verschwunden“ sein müssten. Das Ministerium wiederum behauptete, die Unterlagen wären nie eingegangen. Mir war damals sofort bewusst, dass kaum zu klären sein würde, wer hier mauerte und was wirklich dahintersteckte. Aber dabei konnten wir ja nicht stehen bleiben. Also habe ich vorgeschlagen, das gesamte Verfahren auf Null zu stellen und die Überprüfung von vorne zu beginnen. Das ging natürlich erst, nachdem ein Bewusstsein dafür geschaffen worden war, dass es überhaupt ein Problem gab. Hierbei war die Berichterstattung in der Presse hilfreich. Die Tatsache, dass die gesetzlich vorgeschriebene Überprüfung einfach nicht erfolgt war, war ja ein riesiger Skandal. In dieser Situation nichts zu unternehmen, wäre fatal gewesen. Deshalb entschieden wir, alle Mitarbeiter, egal ob Ost oder West, überprüfen zu lassen und zugleich eine öffentliche Diskussion über das Stasi-Problem zu führen. Und das haben wir auch gemacht.

Einigen hat das nicht gereicht.

Vielleicht hätte man noch mehr machen sollen, vor allem hinsichtlich der Diskussion in der Öffentlichkeit. Aber das, was in der konkreten Situation möglich war, haben wir versucht. Interessant ist jedoch nach wie vor die Phase vor der Überprüfung – also die Frage, warum es mehr als drei Jahre dauerte, bis man sich dazu durchringen konnte, die Überprüfung ernsthaft einzuleiten.

Am Ende wurden Sie dann aber auch von vermeintlichen Opfern kritisiert.

Wenn Kritik von beiden Seiten kommt, hat man meist etwas richtig gemacht. Tatsächlich war es nicht einfach, einen Mittelweg zu finden. Einerseits musste man mit der großen Mehrzahl an Mitarbeitern aus den alten DDR-Einrichtungen zusammenarbeiten, die nun in der neuen Universität ihre Tätigkeit unter neuen Bedingungen fortsetzten. Andererseits wusste man aber auch, dass das SED-Regime vielen Menschen geschadet hatte. Die Herausforderung, den Opfern gerecht zu werden und zugleich die verbliebenen alten Mitarbeiter in die neuen Strukturen zu integrieren, war ein schwieriger Balanceakt.

Brandenburg galt als kleine DDR.

Damals wurde offenbar auf höchster Ebene entschieden, die Überprüfungsverfahren nicht so durchzuführen, wie man sie sich von Opferseite gewünscht hätte. Für Ministerpräsident Manfred Stolpe und vor allem für Sozialministerin Regine Hildebrandt war die Integration der ehemaligen DDR-Bürger in das neue System wichtiger als die personelle Erneuerung oder gar die Effizienz der Universität, für die man in Brandenburg ohnehin nur ein begrenztes Verständnis aufbrachte. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass damals eine enorm hohe Zahl an Menschen von Entlassung bedroht war – und dass Millionen tatsächlich ihren Arbeitsplatz verloren. Die brandenburgische Landesregierung beschritt deshalb den Weg, möglichst viele Menschen sozial abzusichern, ihnen die berufliche Perspektive zu erhalten. Hier bestehen durchaus Parallelen zur Entwicklung nach dem Ende des „Dritten Reiches“, als etwa das Gesetz zur Wiedereingliederung ehemaliger Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in der Bundesrepublik den gleichen Zweck verfolgte: einen möglichst großen Teil der Betroffenen wieder in Lohn und Brot zu bringen – und sie damit in den neuen Staat zu integrieren.

Konnten Sie 1994 die Forderung nach Stasi-Überprüfung überhaupt ungehindert stellen?

Es gab anonyme Telefonanrufe, ich wurde beschimpft und musste mir eine geheime Telefonnummer geben lassen. Aber ich bin nie persönlich bedroht worden und hatte auch keine Angst davor. Mein Engagement damals hat natürlich einigen geschadet. Eine Reihe belasteter Personen wurde entlassen oder in Frührente geschickt. Viele gingen auch von selbst, nachdem wir die Akten bei der Gauck-Behörde abgegeben hatten. Die hatten dann plötzlich andere Jobs. Dennoch meine ich, dass unser Weg richtig war. Meine damaligen Rektoratskollegen Rolf Mitzner, Gerhard Kempter und Wolfgang Loschelder haben mich in meinem Bemühen, die Stasi-Problematik aufzuklären, stets loyal unterstützt. Diese Aufklärung war dringend notwendig – auch um die Universität aus der Schusslinie zu bringen.

Von der Stasi-Hochschule waren 1994 nur noch 49 Verwaltungsmitarbeiter übrig geblieben. Bei den ehemaligen Mitarbeitern der Pädagogischen Hochschule wurden immerhin gut 80 Prozent übernommen. Darunter waren doch sicher viele, die in der DDR politisch aktiv gewesen waren. Wie passte das zu der neuen Hochschule?

Genau das war das Problem. Deshalb habe ich 1995 eine Dokumentation zur personellen Erneuerung der Universität Potsdam verfasst, die ich nun noch einmal für ein Buch zum 25-jährigen Jubiläum der Universität umfangreich überarbeitet habe. Mir ging es seinerzeit darum, für die Nachwelt festzuhalten, welche Situation damals bestand, und auch zentrale Dokumente abzudrucken, die nicht verloren gehen sollten: Damit jeder weiß, worüber wir eigentlich reden. Tatsächlich wurde damals der weitaus größte Teil des Personals der PH, die sich seit Oktober 1990 „Brandenburgische Landeshochschule“ nannte, in die Universität Potsdam übernommen: 61 von 106 Professoren, 420 von 548 wissenschaftlichen Mitarbeitern und 399 von 457 Angehörigen des nichtwissenschaftlichen Personals. Bei den Professoren betrug der Anteil also 57,5 Prozent, bei den wissenschaftlichen Mitarbeitern 76,6 Prozent und beim nichtwissenschaftlichen Personal sogar 87,3 Prozent. Problematisch war vor allem die unbefristete Übernahme so vieler wissenschaftlicher Mitarbeiter. Sie wurden größtenteils auf der Grundlage des Paragrafen 106a des Brandenburgischen Hochschulgesetzes übergeleitet, sitzen bis heute auf ihren alten DDR-Verträgen, die nur hinsichtlich der Besoldungsgruppe angepasst wurden, und sind damit immer noch in Amt und Würden. Das war für die Hochschule ein Riesenproblem, genauer: ein Struktur-Problem.

Inwiefern?

Zum einen wurde damit die personelle und wissenschaftliche Erneuerung erschwert. Besonders im sogenannten Mittelbau, der üblicherweise als besonders innovativ gilt, trat praktisch ein Stillstand ein, der für eine forschungsorientierte Universität tödlich sein kann. Zum anderen stellten sich hier auch Fragen der Kompetenz. In Potsdam wurde eine Pädagogische Hochschule in eine Universität umgewandelt. Mitarbeiter, die für die Lehrerbildung eingestellt worden waren, sollten nun plötzlich wissenschaftlich forschen. Das mag im Einzelfall gelungen sein. Aber insgesamt war die Personalentwicklung im Mittelbau eine Belastung, die man nicht unterschätzen sollte. Die Lehre lief ungeschmälert weiter. Das war eine wichtige Voraussetzung für die Existenz der Hochschule. Doch von einer Universität muss man mehr erwarten als von einer Lehrerbildungsanstalt, vor allem eine deutlich höhere wissenschaftliche Qualifikation. Das ist in Potsdam damals vielfach verkannt worden. Dafür fehlte einfach das Verständnis.

Es kamen 1111 Mitarbeiter von der Pädagogischen Hochschule.

Ursprünglich bestand die PH sogar aus 1512 Personen. Bis zur Gründung der Universität im Juli 1991 wurde die Zahl auf 1111 reduziert. Die PH war also personell total überbesetzt, und das war nach der Wende nicht mehr finanzierbar. Insofern war ein Personalabbau unvermeidlich. Tatsächlich wurde sehr viel abgebaut. Das ist der zweite Teil der Wahrheit. Dennoch ist eine Menge geblieben: Die Universität Potsdam war in ihrer Anfangszeit eine personell weitgehend ost- und PH-dominierte Hochschule.

Gibt es heute noch ehemalige Marxismus- Leninismus-Lehrer an der Uni?

Nein, die entsprechenden Bereiche wurden komplett abgewickelt, das heißt aufgelöst, und das Personal wurde entlassen.

Inwiefern war den vorhandenen Personalakten damals überhaupt zu trauen?

Das ist eine schwierige Frage. Im Zuge der Wende verhielten die Mitarbeiter in den Vorgängereinrichtungen der Universität die Gelegenheit, die Akten zu säubern und die Lebensläufe zu schönen – und sie wurden dabei sogar von der Personalverwaltung beziehungsweise den Institutsdirektoren beraten. Nachdem klar war, dass es mit der DDR zu Ende ging, hatte man ja ein Jahr Zeit, sich auf die Zukunft vorzubereiten. Wer in seiner bisherigen Position überleben wollte, musste etwas unternehmen – und konnte es auch. Dies galt natürlich gleichfalls für die inoffiziellen Mitarbeiter der Stasi an der Hochschule. Die Akten waren also nur begrenzt aussagefähig. Aber es gab sie, und vielfach waren sie durchaus noch hilfreich, wenn man zwischen den Zeilen zu lesen verstand.

Und heute?

Mit zunehmendem Zeitablauf haben sich neue Loyalitäten entwickelt und verfestigt. Die Situation heute ist also völlig anders als damals. Ich kenne die Entwicklung seit dem Sommersemester 1991, als ich noch an der FU Berlin war und von Rektor Rolf Mitzner gebeten wurde, ein Gastseminar abzuhalten. Seither hat sich viel getan. Die alten Verbindungen sind kaum noch spürbar. Aber das Kompetenzproblem besteht zum Teil noch immer. Ein Großteil der wissenschaftlichen Mitarbeiter aus der ehemaligen PH ist noch da.

Was aber nicht verwerflich ist.

Natürlich nicht, wir können nicht einfach aus der Geschichte aussteigen. Die Biografien gehen weiter. Man kann nicht so tun, als ob über Nacht alles anders wurde. Man muss miteinander auskommen. Und das geht sehr gut. Die Vergangenheit spielt in der Regel schon lange keine Rolle mehr. Außerdem gibt es mittlerweile eine zunehmende Durchmischung mit neuen Mitarbeitern.

2011 saßen Sie in der Kommission, die über die Stasi-Belastung der damaligen Uni- Sprecherin befand. Die Hochschule sprach ihr dann das Vertrauen aus, was für einige Verwunderung sorgte.

Auch bei mir. Ich wurde aber gar nicht gefragt. Die Kommission tagte nur einmal – und zwar ohne mich, weil ich damals eine Gastprofessur in Bologna wahrnahm. Ich habe von dem ganzen Vorgang erst im Nachhinein erfahren, habe aber auch nicht weiter nachgefragt. Im Rückblick war das vielleicht ein Fehler. Der damaligen Universitätsleitung fehlte offenbar das Fingerspitzengefühl für die Thematik.

Was heute anders ist?

Mit Präsident Oliver Günther haben sich die Verhältnisse grundlegend geändert. Er hat mich ausdrücklich ermuntert, den Beitrag für die Festschrift zum 25-jährigen Uni-Jubiläum mit aller notwendigen Klarheit zu verfassen. Deshalb werde ich die Sache auch beim Neujahrsempfang öffentlich ansprechen. Wir befinden uns jetzt an dem Punkt, an dem wir Vergangenheitsaufarbeitung betreiben müssen. Transparenz ist dabei entscheidend. Und wenn wir noch mehr herausfinden, werden wir auch das öffentlich machen. Die Hochschule muss das aushalten und kann dabei am Ende nur gewinnen, weil es ihre Glaubwürdigkeit stärkt.

Der Vorhang zu diesem Akt ist also noch nicht gefallen?

Geschichte hört nie auf. 25 Jahre sind ein viel zu kurzer Zeitraum, um bereits jetzt die Geschichte der Universität zu schreiben. Dafür brauchen wir noch mehr Abstand. Und wenn schließlich auch die Akten der Landesregierung vorliegen, wird sich vielleicht nochmals ein ganz anderes Bild ergeben. Die Aufarbeitung steht also erst am Anfang. Allerdings haben wir viel zu lange geschwiegen. Das soll nun ein Ende haben.

Das Gespräch führte Jan Kixmüller.

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Manfred Görtemaker (64) ist seit 1992 Professor für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam. Mitte der 1990er- Jahre trieb er die ausgebliebenen Stasi-Überprüfungen an der Hochschule voran. Heute beteiligt er sich an der historischen Aufarbeitung des Kapitels. Am Donnerstag spricht er zum Neujahrsempfang der Uni dazu. Die Uni war 1991 aus der Pädagogischen Hochschule, der DDR-Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft und der Juristischen Hochschule der Staatssicherheit hervorgegangen. Von 1186 Mitarbeitern 1994 waren knapp über 1000 aus den alten Einrichtungen. Darunter auch rund 50 nichtwissenschaftliche Mitarbeiter der Golmer Stasi-Hochschule. Es gab immer wieder Vorwürfe, die Hochschule sei von ehemaligen DDR-Kadern durchsetzt. 

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