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  • 14.09.2015
  • von Jan Kixmüller

Klimaforschung aus Potsdam: Forscher warnen vor Eis-Kollaps

von Jan Kixmüller

Klimaforscher aus Potsdam warnen, dass das Antarktis-Eis komplett schmelzen könnte. Foto: dpa

Vor der Weltklimakonferenz warnen Experten aus Potsdam vor katastrophalen Folgen, wenn die Nutzung fossiler Ressourcen nicht gestoppt wird. Der Klimawandel spiele sogar im Syrien-Konflikt eine Rolle.

Potsdamer Klimaforscher warnen im Vorfeld der entscheidenden Weltklimakonferenz im Dezember in Paris eindringlich vor einer weiteren Nutzung fossiler Energiequellen. In einer aktuellen Studie haben Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) herausgearbeitet, dass der Meeresspiegel um mehr als 50 Meter steigen würde, wenn alle weltweit verfügbaren fossilen Ressourcen von Kohle, Öl und Gas aufgebraucht würden. Damit wäre das Ende des Ewigen Eises besiegelt: „Die Antarktische Eisdecke würde nahezu komplett abschmelzen und einen seit Menschengedenken noch nie dagewesenen Anstieg des globalen Meeresspiegels verursachen“, sagte die Leitautorin der Studie, Ricarda Winkelmann vom PIK, das auf dem Telegrafenberg ansässig ist. Die Studie wurde jetzt im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlicht.

Meeresspiegel könnte um 58 Meter steigen

Die Forscher warnen vor katastrophalen Folgen für die Küstenstädte der Welt. Die Westantarktis sei vielleicht jetzt schon in einen Zustand unaufhaltbaren Eisverlustes gekippt. „Wenn wir Städte wie Tokio, Hongkong, Schanghai, Kalkutta, Hamburg oder New York als unser zukünftiges Erbe bewahren wollen, müssen wir ein Kippen der Ost-Antarktis verhindern“, sagte der Koautor der Studie, Anders Levermann vom PIK. „Und das gelingt nur, wenn wir den Treibhausgasausstoß stoppen.“ Aktuelle Berechnungen zeigten, dass der langfristige Beitrag der Antarktis zum Meeresspiegelanstieg auf einige – vielleicht noch handhabbare – Meter beschränkt werden könnte, wenn die globale Erwärmung die Zwei-Grad-Schwelle nicht überschreite.

Nach den Berechnungen würde die Antarktis als Folge über Jahrtausende hinweg Eis verlieren – mit einem durchschnittlichen Anstieg des Meeresspiegels von bis zu drei Metern pro Jahrhundert in den ersten tausend Jahren. In der Summe hält das Eis der Antarktis der Studie zufolge Wassermassen, die den Meeresspiegel insgesamt um 58 Meter steigen lassen können.

Potsdamer Klimaforschung: Mehrere Studien über Klimawandel

Das würde zwar nicht über Nacht geschehen. „Der springende Punkt ist aber, dass unser heutiges Handeln das Gesicht der Erde, so wie wir sie kennen, noch auf Zehntausende von  Jahren verändern kann“, sagte Leitautorin Winkelmann. „Wenn wir den stärksten Meeresspiegelanstieg in der Geschichte der menschlichen Zivilisation verhindern wollen, müssen wir Kohle, Gas und Öl in der Erde lassen.“

Bereits in den vergangenen Jahren hatten PIK-Forscher in mehreren Studien die Möglichkeit eines drastischen Meerespiegelanstiegs durch den Klimawandel festgestellt. Das Ergebnis der aktuellen Studie sei unter den Extrem-Annahmen durchaus plausibel, sagte Johannes Sutter, der sich am Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven mit Eismodellierung beschäftigt. Ähnliche Ergebnisse seien auch bei anderen Modellen zu finden. Allerdings sei es sehr schwierig, so langfristige Vorhersagen wie in der vorliegenden Studie zu treffen. Auch Klimaforscher Mojib Latif vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel hält solche Langzeitvorhersagen für „höchst unsicher“. Das Szenario der Potsdamer Forscher sei aber „eine durchaus realistische Möglichkeit“.

Klimawandel ein Faktor für Syrien-Konflikt

Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf sieht im Klimawandel sogar einen entscheidenden Faktor für den Konflikt in Syrien. Studien zeigten, dass Abweichungen von normalen Niederschlägen und erhöhte Temperaturen systematisch die Gefahr von Konflikten erhöhten, sagte Rahmstorf der „Frankfurter Rundschau“. Syrien sei in den Jahren 2007 bis 2010 von der schlimmsten Dürre in der mehr als 100-jährigen Geschichte der dortigen Wetteraufzeichnungen heimgesucht worden, so der Forscher. Ernten seien ausgeblieben und Vieh verendet. „Rund anderthalb Millionen Menschen flohen aus Not aus den ländlichen Gebieten Syriens und suchten Zuflucht in der Peripherie großer Städte wie Homs und Aleppo. Auch in den nächsten Jahren werde die Zahl der Flüchtlinge aufgrund globaler Erwärmung weiter zunehmen, so Rahmstorf. (mit dpa)

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