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  • 05.08.2015
  • von Alexander Fröhlich

Zeltstädte für 1600 Flüchtlinge: Weitere Zeltlager für Flüchtlinge in Brandenburg

von Alexander Fröhlich

Flüchtlinge in Brandenburg werden bereits in Zelten in Eisenhüttenstadt untergebracht. Nun folgt eine dritte Zeltstadt in Doberlug-Kirchhain. Foto: dpa

In Brandenburg werden Asylbewerber nicht in Zeltstädten untergebracht, erklärte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) noch zu Beginn des Jahres. Die Realität sieht mittlerweile anders aus: Eine dritte Zeltstadt wird nun eröffnet, weitere folgen.

Doberlug-Kirchhain/Eisenhüttenstadt - Brandenburgs Innenministerium will  wegen der anhaltend hohen Zahl an neu ankommenden Flüchtlingen weitere Zeltlager erreichten. So soll etwa in Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) ab Donnerstag eine weitere Zeltstadt entstehen. Auch in Ferch (Potsdam-Mittelmark) und Wünsdorf (Teltow-Fläming) sind Zeltlager geplant.  Insgesamt sollen nach den Plänen des Innenministeriums  1600 Flüchtlinge bis Oktober in Zelten untergebracht werden. In den ersten beiden, kürzlich errichteten Zeltlagern in Eisenhüttenstadt sind bereits 800 Menschen untergebracht. Die Zelte sollten im Herbst durch winterfeste Quartiere, wie Container oder beheizbare Hallen, ersetzt werden.

Eisenhüttenstadt-Außenstelle eröffnet in Doberlug-Kirchhain

In Doberlug-Kirchhain soll auf dem Gelände einer früheren Bundeswehr-Kaserne eine Außenstelle der seit langem völlig überfüllten Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Brandenburg in Eisenhüttenstadt eröffnen. Die Umbauarbeiten an der Kaserne, in der 800 Menschen Platz finden sollen, ziehen sich allerdings hin. Frühestens im Dezember werden die Arbeiten voraussichtlich beendet sein.  Als Übergangslösung sollen nun Zelte dienen.

Am Donnerstag beginnen 30 Pioniersoldaten aus Husum (Schleswig-Holstein) und Beelitz (Potsdam-Mittelmark) mit dem Aufbau in Doberlug-Kirchhain. Die Arbeiten dauern bis nächsten Dienstag. Wie das Innenministerium bestätigte, soll dort in 63 Zelten der Bundeswehr Platz für 500 Flüchtlinge sein. Dafür liefert die Bundeswehr auch die nötigen Klappliegen an. Brandenburg ist das erste Bundesland, in dem mit dem Aufbau von Zelten der Bundeswehr begonnen wird, wie ein Sprecher der Bundeswehr auf Anfrage sagte. 

Ende Juli war das erste Zeltlager in Eisenhüttenstadt für Flüchtlinge errichtet worden. Hinzu kam ein weiteres ebenfalls in Eisenhüttenstadt. Dort sollen jetzt 800 Flüchtlinge in Zelten untergebracht werden. Zunächst waren die Zelte nur für allein reisende Männer vorgesehen. Dann entschieden die Behörden, erstmals auch Familien mit Kindern übergangsweise in Zelten unterzubringen.

Ähnliche Probleme wie in Doberlug-Kirchhain gibt es auch in Wünsdorf. Dort soll eine Landesliegenschaft  zur Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung hergerichtet werden. 1200 Flüchtlingen sollten dort Platz finden. Weil sich die Arbeiten verzögern, sind nun auch dort Zelte nötig.

 


 

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Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte erst am vergangenen Sonntag angekündigt, dass Soldaten ab dieser Woche in Hamburg, Brandenburg und Sachsen-Anhalt 141 Zelte mit Holzfußböden und Beleuchtung für 1120 Menschen aufbauen. Zudem würden drei weitere Kasernen mit Platz für 1320 Flüchtlinge geräumt. Ein Sprecher des brandenburgischen Innenministeriums erklärte, mit den Zelten werde erst einmal nur „Zeit gekauft“. Bis Mitte Oktober müssten winterfeste Unterkünfte zur Verfügung stehen. Diese müssten dann auch beheizbar seien.

Bis Ende Juli sind 9100 Asylsuchende neu nach Brandenburg gekommen. Nach bisherigen Schätzungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge werden 2015 insgesamt rund 14.000 Flüchtlinge neu in Brandenburg erwartet.  Nach PNN-Recherchen rechnen die Behörden aber inzwischen mit mindestens 18.000 neuen Flüchtlingen bis Jahresende. Eine Sprecherin des Innenministeriums sagte am Mittwoch, es werde davon ausgegangen, dass die Zahlen weiter nach oben korrigiert werden. „Betrachtet man die Dynamik der zurückliegenden zwei bis drei Monate, dürfte die Zahl jedoch noch viel höher liegen“, hieß es.

Zu Jahresbeginn hat Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) noch erklärt, dass er sich nicht vorstellen könnte, dass Asylbewerber in Brandenburg in Zeltstädten untergebracht werden.

 

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