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  • 08.12.2014
  • von Annette Kögel

Spray gegen Spaghetti Die Nudelmesse-Schilder in Templin wurden beschmiert. Der Religionssatiriker hat nun Angst

von Annette Kögel

Templin - Ach, du lieber Gott, sagen jetzt viele. Oder im Sprachgebrauch der Pastafaris: Ach, du liebes Fliegendes Spaghettimonster! Da geht der Templiner Streit um die Nudelmessen-Schilder also in eine neue Runde. Laut dem Templiner Bürgermeister Detlef Tabbert hat wohl ein „Schmierfink oder junger Sprayer“ die Schilder bunt lackiert. Gegen ihn wird wegen Sachbeschädigung ermittelt.

Rüdiger Weida alias Bruder Spaghettus, Vorsitzender der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland, hatte kürzlich durchgesetzt, dass mit Schildern am Ortseingang nicht mehr nur auf christliche Gottesdienste hingewiesen wird, sondern auch auf die sogenannte Nudelmesse. Er schreibt nun in einem offenen Brief an die christlichen Kirchen Templins, die Pastafari lebten in Angst. „Wird die religiös motivierte Gewalt gegen uns zunehmen? Werden bald Steine in unsere Fenster fliegen oder wir gar persönlich angegriffen?“

Zu solchen Formulierungen sagt Bürgermeister Tabbert, Weida habe wohl „den Spaß am großen Auftritt entdeckt“. Bruder Spaghettus schreibt weiter: „Uns ist durchaus bewusst, die übergroße Mehrzahl der Templiner Christen lebt hier absolut gewaltfrei und fühlt sich den Werten des Humanismus tief verpflichtet. Diese Christen werden Gewalt gegen uns nicht christlich finden. Es wird nur eine kleine Gruppe oder gar ein Einzelner sein, vielleicht nur ein verwirrter Jugendlicher, der hier gehandelt hat.“ Dennoch bittet er die Pastoren, sich auch in den Predigten „dafür einzusetzen, dass wir Pastafari wieder ohne Angst in Templin leben können und nicht verfolgt werden. Wir möchten Ihnen an dieser Stelle versichern, es war nie unsere Absicht, Sie oder Ihre Bräuche zu verspotten“.

Bürgermeister Detlef Tabbert verweist auf Dienstag: Dann wollen sich er, das Landesverkehrsamt und Weida über eigene Nudelmessen-Masten im Abstand von 100 Metern von den Kirchenschildern einigen. Derweil schimpfen die Katholiken im Ort über Weidas „bösartigen Karnevalsverein“. Der zuständige Superintendent Uwe Simon sagte, er halte Satire für sehr wichtig. Mit der Anlehnung des Pastafari-Symbols an den eucharistischen Fisch würden aber auch Gefühle verletzt. In Brandenburgs Kirchen und Schulen passiere jedenfalls das „glatte Gegenteil“ von dem, was die US-Pastafari einst am kirchlichen Fundamentalismus kritisierten. Die Geschichte vom Schilderstreit will Bürgermeister Tabbert noch vor Weihnachten friedlich lösen. Die Nudelmesse war am Freitag leer. Annette Kögel

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