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  • 17.10.2014
  • von Claus-Dieter Steyer

Der lange Schatten der Sowjetarmee

von Claus-Dieter Steyer

Die Umwandlung einstiger Militärareale wird noch Jahrzehnte dauern

Niedergörsdorf - Das militärische Erbe bleibt in Brandenburg noch eine Aufgabe für die nächsten Generationen. Davon gehen jedenfalls die betroffenen Bürgermeister aus, die am Donnerstag in Niedergörsdorf bei Jüterbog zum Abschluss des Konversionssommers mit Regierungsvertretern eine Bilanz der vergangenen 20 Jahre zogen. Zwar sind von der ehemals von der Roten Armee genutzten 100 000 Hektar großen Fläche schon 93 Prozent für insgesamt 300 Millionen Euro verkauft worden. Aber nun warten die schwierigen Brocken auf eine Nutzung.

Dazu gehören die riesigen Areale der Kyritz-Ruppiner Heide (bekannt als Bombodrom) oder rund um Sperenberg und die ehemalige Heeresversuchsanstalt Kummersdorf-Gut, südlich Berlins. In beiden Fällen sind die Böden mit Bombenblindgängern und chemischen Hinterlassenschaften verseucht. Noch auf Jahrzehnte werden hier Schilder „Betreten verboten! Lebensgefahr“ stehen bleiben müssen.

„Nach unserer Übersicht kostet der Rückbau nicht mehr benötigter Bauten der Sowjetarmee landesweit 22 Millionen Euro“, teilte Herold Quick, Bürgermeister von Falkenberg (Elster) und Sprecher der Konversionsgruppe, mit. „Weitere 26 Millionen Euro werden für die Beseitigung von Altlasten benötigt.“ Bisher steht aber noch nicht fest, woher dieses Geld kommen soll. Die EU fällt jedenfalls künftig als bisheriger Hauptfinanzier der Aufgaben weg. „Die Konversion militärischer Flächen besitzt nicht mehr Priorität“, bestätigte die Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski (Linke). „Für uns in Brandenburg aber bleibt sie eine wichtige Aufgabe.“

In zahlreichen Städten hat sich die militärische Vergangenheit aber auch für alle Zeiten erledigt, beispielsweise in Fürstenwalde, Eberswalde oder Werder (Havel). Hier sind Kasernenareale zu Wohn- oder Gewerbegebieten geworden. Andererseits laufen vielerorts noch Pumpen und Reinigungsanlagen, um die Verschmutzung des Bodens durch die Militärs zu beseitigen, beispielsweise in Bernau, Treuenbrietzen und bei Jüterbog. Insgesamt sind bisher rund 2,5 Millionen Liter Kerosin aus dem Brandenburger Untergrund gefördert worden. Vor allem auf Flugplätzen und Chemielagern waren die sowjetischen Einheiten sorglos mit Kerosin umgegangen. 73 Millionen Euro verschlang die Beseitigung aller Altlasten bislang.

Zum militärischen Erbe gehören aber auch große Flächen der NVA und der Bundeswehr, die von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben verkauft werden. „Auch hier ist das Ende nicht absehbar“, bestätigte der Verkaufschef Stephan Regeler. „Die Strukturreform der Bundeswehr beschert uns ständig Zuwachs. Allein in Strausberg kommt in Kürze eine vierte Kaserne in unser Vermögen.“ In mehrere frühere Militärgebäude sollen wie in Oranienburg-Lehnitz und in Lindow in Kürze Flüchtlinge und Asylbewerber einziehen. Andere Kasernen werden wie in Blankenfelde zu einer Seniorenwohnanlage oder wie in Brandenburg (Havel) zum Gewerbegebiet umgebaut.

Der Tagungsort in Niedergörsdorf selbst gilt heute als Musterbeispiel für eine erfolgreiche Umgestaltung alter Militärflächen. „Das Haus“ war von der Wehrmacht als Offizierskasino gebaut und ab 1945 von der Sowjetarmee genutzt worden. Seit zehn Jahren dient es als Kulturstätte für Theater, Lesungen und Kabarett sowie als Standesamt und Gästeunterkunft. Claus-Dieter Steyer

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