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  • 12.08.2014
  • von Ulrich Zawatka-Gerlach

Der Unregierende Bürgermeister

von Ulrich Zawatka-Gerlach

Zeit zum Gehen? Berlins Regierender Bürgermerister Klaus Wowereit (SPD) wollte eigentlich erst Ende 2015 entscheiden, ob er bei der Berliner Wahl im Herbst 2016 wieder als SPD-Spitzenkandidat antritt. Nun setzen ihm die Genossen die Pistole auf die Brust. Foto: dpa

Berlins SPD-Kreise erhöhen den Druck auf Klaus Wowereit. Die Meinungsumfragen sehen die Sozialdemokraten in der Stadt im Sinkflug, und der Regierende Bürgermeister ist so unbeliebt wie nie

Berlin - Eigentlich wollte Klaus Wowereit erst Ende 2015 entscheiden, ob er bei der Berliner Wahl im Herbst 2016 wieder als SPD-Spitzenkandidat antritt. Aber der Plan ist wohl nicht mehr zu halten. Die Meinungsumfragen sehen die Sozialdemokraten, die in Berlin seit 25 Jahren regieren im Sinkflug, und der Regierende Bürgermeister ist so unbeliebt wie kein anderer Regierungschef in den 16 Bundesländern. Das erhöht den Druck, nicht nur auf Wowereit, sondern auf die gesamte SPD-Führung um den Landeschef Jan Stöß, rechtzeitig Klarheit zu schaffen, mit welchem Führungspersonal die größte Berliner Regierungspartei in den nächsten Wahlkampf ziehen will.

Der turnusmäßige Landesparteitag der Sozialdemokraten im November käme dafür zu spät. Außerdem würde in diesem Fall der schwelende Personalstreit in der SPD auf offener Bühne ausgetragen. Gleiches gilt für die Jahresklausur der SPD-Abgeordnetenhausfraktion im Januar 2015, zumal die Fraktion nicht dafür da ist, parteipolitische Probleme zu lösen. Der SPD-Landeschef Stöß wird seinem ärgsten Konkurrenten, dem Fraktionschef Raed Saleh, das Heft des Handelns wohl auch nicht überlassen wollen.

Deshalb dürfte es kein Zufall sein, dass der SPD-Landesvorstand für den 26. September eine Klausurtagung einberufen hat. Dort sollen Strategien für den Wahlkampf 2016 beraten werden. Dazu gehört die Vorbereitung eines Wahlprogramms unter Einbeziehung der Parteibasis. Darüber hinaus erwarten Teile der Partei, dass Wowereit während der Klausur erklärt, als Spitzenkandidat nicht noch einmal zur Verfügung zu stehen. In einigen SPD-Kreisverbänden wird darüber mehr oder weniger offen geredet.

Den Anfang machte der engere Kreisvorstand in Marzahn-Hellersdorf, der den Regierungschef jetzt einstimmig aufforderte, sich noch 2014 zu positionieren. Der SPD-Kreischef in Treptow-Köpenick, Oliver Igel, nahm den Ball am Montag auf und verwies  ausdrücklich auf die Klausur. „Dort gehört auch die Frage hin, mit welchem Führungspersonal wir in den Wahlkampf ziehen und wie der nächste Spitzenkandidat nominiert wird.“

Andere Bezirksfunktionäre äußerten sich zurückhaltender, widersprachen aber nicht in der Sache, sondern kritisierten, dass die Debatte nun öffentlich geführt wird. So empfahl der Lichtenberger Kreisvorsitzende Ole Kreins dem Parteifreund Komoß: „Wenn er meint, die Nachfolgediskussion führen zu müssen, sollte er dies in den Parteigremien tun.“ Versöhnliche Töne schlug der Pankower SPD-Kreischef Alexander Götz an: „Wir werden gemeinsam mit Klaus Wowereit eine Lösung finden.“ Ein anderer Genosse, der nicht genannt werden wollte, hielt es für „wünschenswert, dass sich Wowereit zeitnah erklärt“. Damit sei wohl auch zu rechnen. Nur der Reinickendorfer SPD-Kreischef Jörg Stroedter äußerte sich offen kritisch. „Ich halte nichts von der Debatte, das ist der falsche Zeitpunkt.“

Seit der Wiederwahl des Parteichefs Stöß, der sich zum Thema nicht äußern will, gibt es verstärkte Bemühungen, mit dem seit 2001 amtierenden Regierungschef Wowereit in vertraulichen Gesprächen eine gemeinsame Lösung zu finden. Gleichzeitig nimmt in der Berliner SPD die Nervosität und Ungeduld spürbar zu. Eine einvernehmliche Nachfolgeregelung wird auch dadurch erschwert, dass es mehrere Genossen gibt, die sich für die Spitzenkandidatur interessieren: SPD-Landeschef Stöß, Fraktionschef Raed Saleh, Stadtentwicklungssenator Michael Müller, Arbeitssenatorin Dilek Kolat und möglicherweise auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Eva Högl. Selbst der parteilose Finanzsenator Ulrich Nußbaum gilt wieder als möglicher Kandidat. Eine Mitgliederbefragung im SPD-Landesverband ist die wahrscheinlichste Variante für die Kür des Spitzenkandidaten. Wer das innerparteiliche Rennen gewinnen könnte, gilt derzeit als völlig offen. Ulrich Zawatka-Gerlach

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