24.09.2017, 17°C
  • 09.01.2014

Lehrerin fälschte Zeugnisse Hochstaplerin nach 17 Jahren aufgeflogen

Kiel/Potsdam - Erst Staatsbürgerkunde, dann Politik: Eine Frau soll jahrelang mit gefälschten Examensurkunden als Lehrerin gearbeitet und Abiturprüfungen abgenommen haben – auch in Berlin und Brandenburg. In Schleswig-Holstein, wo sie von 2008 bis 2013 unterrichtete, wird seit Anfang 2013 wegen schweren Betrugs und Urkundenfälschung gegen die 48-Jährige ermittelt. Das Verfahren stünde kurz vor dem Abschluss, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kiel. Das Strafmaß beträgt sechs Monate bis zehn Jahre Haft.

„Es geht bei dem Fall auch um einen Vermögensverlust größeren Ausmaßes“, sagte der Sprecher, da die Frau unrechtmäßig Gehalt bekommen habe. Auch Berlin hatte ein Verfahren gegen die Frau eingeleitet, dieses allerdings an die Kieler Kollegen abgegeben. Vorfälle aus Jahren vor 2008 seien mittlerweile ohnehin strafrechtlich verjährt. Brandenburg geht deshalb gegen die Frau nicht vor.

Mehr als ein Jahrzehnt war die Hochstaplerin mit ihrer Masche in mehreren Bundesländern durchgekommen. Tatsächlich war die Frau in der DDR sogar zur Diplom-Lehrerin ausgebildet worden – in den Fächern Deutsch und Staatsbürgerkunde. Mit Letzterem konnte sie nach der Wende nicht mehr viel anfangen. Dann bewarb sie sich mit gefälschten Examenszeugnissen, die ein in Nordrhein-Westfalen mit Bestnoten absolviertes Zusatzstudium in Pädagogik und Politik nachweisen sollten, in Brandenburg. Von 1995 bis 2000 war sie in Brandenburg tätig, wurde sogar verbeamtet. Als in einer anderen Sache ein dienstrechtliches Verfahren gegen sie eröffnet wurde, kündigte sie von selbst und ging nach Berlin. Dort bekam sie eine Stelle an einer Schule in Charlottenburg und wurde 2002 verbeamtet. Dass sie schon in Brandenburg Lehrerin war, teilte sie den Bildungsbehörden nicht mit. Aus gutem Grund: Dann hätte Berlin die Personalakten aus Brandenburg angefordert. Aus Berlin ging sie 2008 fort, in Mölln (Schleswig-Holstein) begann alles von vorn. Auch dort ließen sich die Behörden von den gefälschten Examenszeugnissen täuschen. Die Unterlagen waren nach Informationen dieser Zeitung selbst für Experten in den Bildungsbehörden nicht als Fälschung zu erkennen. Der Direktor des Möllner Gymnasiums kam der Frau auf die Schliche – wegen der Diskrepanz zwischen den Bestnoten auf dem vermeintlichen Uni-Zeugnis und dem Eindruck, den sie bei Kollegen, Eltern und Schülern hinterließ. Nachdem alles aufgeflogen war, wurde die Frau im Dezember 2012 zunächst suspendiert.

Die 48-Jährige war sich ihrer Sache offenbar sehr sicher. Selbst nachdem sie Ende 2012 in Schleswig-Holstein aufgeflogen ist, suspendiert wurde und den Beamtenstatus verlor, arbeitete sie weiter als Lehrerin. Sie bewarb sich in Mecklenburg-Vorpommern und fand eine Stelle in Lübstorf und Bad Kleinen. Als die Staatsanwaltschaft aus Schleswig-Holstein die Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern informierte, flog sie auch dort aus dem Schuldienst. axf/dpa

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!