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Themenschwerpunkt:

Rechtsextremismus

  • 19.12.2013
  • von Ney Sommerfeld

Wieder rechter Aufmarsch in Brandenburg: Neonazi-Aufzüge gegen Asylheime reißen nicht ab

von Ney Sommerfeld

Mehr Geld für die Unterbringung von Flüchtlingen. Rot-Rot will damit auch Rechtsextremen entgegentreten, die die steigende Zahl an Asylsuchenden für ihre Zwecke instrumentalisieren – wie in Bestensee, wo im Oktober 200 Neonazis durch den Ort marschierten. Foto: Kietzmann

Zum dritten Mal in Folge wollen Neonazis am Samstag wieder in Bestensee gegen die geplanten Asylunterkunft im Ortsteil Pätz aufmarschieren. Fackeln hat die Polizei verboten. Anmelder sind zwei bekannte Rechtsextremisten.

Potsdam - Neonazis machen in Brandenburg weiter mobil gegen Flüchtlingsheime. Am kommenden Samstag wollen Rechtsextremisten in Bestensee (Dahme- Spreewald) erneut gegen eine Asylunterkunft demonstrieren. Unter dem Motto „Das Licht der Hoffnung ist nicht erloschen, Asylwahnsinn stoppen“ wollen die Neonazis von 16 bis 21 Uhr mit 80 Teilnehmern durch den Ort marschieren. Den angemeldeten Fackelzug hat die Polizei untersagt, ebenso das Tragen von weißen Masken. Nur Kerzen sind erlaubt, allerdings müssen die Anmelder Sorge tragen, dass Wasser zum Löschen bereitgestellt wird.

Anmelder sind nach PNN-Informationen Mike T. und Benjamin W. aus Königs Wusterhausen. Mike T. gilt als gewaltbereit, pflegt gute Kontakte zum Berliner Neonazi-Netzwerk „Nationaler Widerstand Berlin“ (NW Berlin) und hatte im August in Berlin-Hellersdorf bei einem NPD-Aufmarsch gegen ein Asylheim eine Journalistin tätlich angegriffen. Beide Anmelder werden von den Sicherheitsbehörden den "Freien Kräften Königs Wusterhausen" zugerechnet.

Eine Gegendemonstration zu dem inzwischen dritten Aufmarsch der Neonazis an diesem Samstag in Bestensee, in dessen Ortsteil Pätz das Flüchtlingsheim eröffnet werden soll, ist nicht geplant. Wegen Wartungsarbeiten soll allerdings die Straßen- und Weihnachtsbeleuchtung abgeschaltet werden. Zivilgesellschaftliche Gruppen und Parteien in Bestensee haben sich darauf geeinigt, statt Protesten gegen die wiederholten Neonazi-Aufmärsche eine Initiative zu gründen, die die Flüchtlinge beim Einleben vor Ort unterstützt.

Für den braunen Aufmarsch wird auf der Facebook-Seite der Tarn-Bürgerinitiative „Nein zum Heim in Pätz“ mobilisiert. Neben Bestensee gibt es weitere derartige Initiativen von Rechtsextremisten im Land und regelmäßig Neonazi-Aufzüge etwa in Zepernick (Barnim), Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark),  Friesack und Rathenow (Havelland) und Gransee (Oberhavel)

Indes hat in Berlin die rechtsextremistische Gewalt 2013 zugenommen. Neonazis haben schon 72 Gewaltdelikte verübt, 2012 waren es 53. Meist war Fremdenfeindlichkeit das Motiv. Neonazis hätten bei ihren Angriffen auf Ausländer oder anscheinend Linke aus der zufälligen Situation heraus und ohne tatsächlichen Anlass zugeschlagen, hieß es. Die Zahl registrierter Fälle von Körperverletzung durch Neonazis stieg um 20 auf 57. (mit axf)

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