25.07.2016, 26°C
Themenschwerpunkt:

Rechtsextremismus

  • 12.11.2013
  • von Alexander Fröhlich

Neue Masche der Neonazis in Brandenburg: Braunes Netzwerk weiter aktiv

von Alexander Fröhlich

Im Internet posiert ein Neonazi im Krümelmonster-Kostüm mit dem Anti-Rassismus-Schild einer Schule in Lauchhammer. Screenshot: PNN

Staatsschutz ermittelt in der Lausitz gegen verbotenen "Widerstand Südbrandenburg". Neonazis machen mit "Krümelmonster"-Kostüm völkische Propaganda.

Potsdam - Das im Juni 2012 vom brandenburgischen Innenministerium verbotene Neonazi-Netzwerk „Widerstand Südbrandenburg“ ist nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden weiter aktiv und verbreitet verstärkt unter Kindern und Jugendlichen die braune Ideologie. Der Staatsschutz der Polizeidirektion Süd ermittelt wegen mehrerer Propagandadelikte in der Lausitz gegen Teile des braunen Netzwerks, wie ein Polizeisprecher in Cottbus am gestrigen Montag bestätigte. Es bestehe der Verdacht auf „Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen“, wozu auch der „Widerstand Südbrandenburg“ zählt.

Im aktuellen Fall haben unbekannte Täter am Montag in den frühen Morgenstunden auf einem Schulhof in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) ein 1,80 Meter mal ein Meter großes Grab ausgehoben, ein Grabkreuz aufgestellt und Kerzen entzündet. An dem Grab und in der Schule wurden mehrere Handzettel mit Parolen der „Volkstodkampagne“ des verbotenen Netzwerks gefunden. Kriminaltechniker sicherten Spuren, auch ein Fährtenhund kam zum Einsatz.

Es ist nicht der erste Fall dieser Art. Im Internet verbreitet eine Gruppe namens „Zukunftsstimme“ auf ihrer professionell gemachten Internetseite seit dem Bundestagswahlkampf Videos von Propaganda-Aktionen. Stets tritt dabei eine im Ganzkörperkostüm als Krümelmonster aus der TV-Serie „Sesamstraße“ verkleidete Person auf. Im September beschmierte die Figur Wahlplakate von CDU und SPD und hinterließ den Spruch: „Lieber Kekse statt Demokraten“. Denselben Spruch hinterließ der als Krümelmonster verkleidete Neonazi an einem Wahlkreisbüro der CDU in Oberspreewald-Lausitz. Ein Wahllokal versuchte er mit Absperrband zu blockieren, bis Wahlhelfer einschritten. Jedes Mal tauchte ein Video davon im Internet auf. Zu sehen ist auch, wie die Neonazis an Schulen harmlos wirkende Aufkleber mit der Aufschrift „Deutsch? Cool!“ verteilen. Eine ähnliche Aktion wie an der Schule in Lauchhammer am Montag hatte es bereits Ende Oktober in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) gegeben. Auch dort hoben Neonazis ein symbolisches Grab aus mit der Aufschrift „Demokraten bringen uns den Volkstod“. Wenige Tage zuvor hatten Neonazis in Lauchhammer das Schild „Schule ohne Rassismus“ vom Schulgebäude entwendet. Später posierte das Krümelmonster damit im Internet, verhöhnt es als deutschenfeindlich und schmiss es in einen See. Dazu der Spruch: „Volk und Heimat verteidigen.“ Derlei Zettel oder mit dem Spruch „Krümelmonster gegen Deutschfeindlichkeit“ verbreiten die Neonazis auch im Internet zum Ausdrucken.

Im Gegensatz zu „Widerstand Südbrandenburg“, der auch als „Spreelichter“ mit nächtlichen Fackelumzügen von Maskierten bekannt wurde, versucht „Zukunftsstimmen“ bei Jugendlichen weniger martialisch mit Angst vor Identitätsverlust als Deutsche zu punkten. Auf allzu plumpe rechtsextremistische Hetze wird verzichtet – aber auf strammen völkischen Nationalismus und Ablehnung der Demokratie gesetzt. Die Neonazis kämpfen gegen „deutschfeindliche Gesinnung und volkszerstörende Politik“ und die „verordnete Verachtung der eigenen völkischen Identität“. Nach Ansicht von Experten und Szenekennern nutzen sie dazu Mittel der Popkultur. Der Aufwand ist geringer als bei Aufmärschen, Reichweite und Aufmerksamkeit sind größer. Eine Methode, die auch Künstler, Internetaktivisten, linken Protestgruppen oder PR-Strategen nutzen. In Hannover hatten Unbekannte im Januar einen vergoldeten Bahlsen-Keks, Wahrzeichen der Firma, gestohlen und das Unternehmen zur karitativen Keksspende gezwungen.Alexander Fröhlich

Social Media

Umfrage

Lösung für die defizitäre Tropenhalle gesucht: Soll das Naturkundemuseum in die Biosphäre ziehen? Stimmen Sie ab!