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Themenschwerpunkt:

Rechtsextremismus

  • 17.08.2013
  • von Matthias Matern (mit axf)

Rechtsextremismus: Anschlag auf Asylbewerberheim

von Matthias Matern (mit axf)

Rechte Attacken. Auf dem Gelände des früheren Jugend-KZ Uckermark wurde randaliert, ein Sonnensegel und das Fundament einer Bank mutwillig zerstört (l.). In Sachsenhausen sorgen rechte Umtriebe im Fußballverein für Aufsehen (m.). In Luckenwalde wurde das Asylbewerberheim attackiert. Fotos: Initiative für einen Gedenkort/Repro/Screenshot

Brandsatz wurde über Toreinfahrt geworfen und landete 20 Meter vor dem Gebäude. Randale auf Gelände des früheren KZ Uckermark.

Luckenwalde/Himmelpfort - An zwei Stellen in Brandenburg hat es Anschläge mit möglicherweise rechtsextremem Hintergrund gegeben. In Luckenwalde (Teltow-Fläming) wurde in der Nacht zum Freitag ein Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim verübt. Laut Polizei wurde um kurz nach 0 Uhr ein Brandsatz über die Torzufahrt geworfen. Dort sei er 20 Meter vom nächsten Gebäude auf einer Betonfläche zerborsten und habe sich entzündet. Menschen seien nicht in Gefahr gewesen, hieß es. Eine sofort eingeleitete Fahndung mit Streifenwagen, Fährtenhund und Kräften einer Anti-Rechtsextremismus-Einheit blieb erfolglos. Von dem oder den Tätern fehlt bislang jede Spur. Der Staatsschutz ermittelt. Bereits am Mittwoch hatten Unbekannte auf dem Gelände des ehemaligen KZs Uckermark nahe Fürstenberg/Havel (Oberhavel) randaliert. Ein Sonnensegel und ein Fundament für eine Bank wurden zerstört.

Weder auf dem Gelände des KZs noch in Luckenwalde wurden weitere Spuren zu einem rechtsradikalen oder fremdenfeindlichen Hintergrund gefunden. „Nur das Ziel des Anschlags als solches lässt einen fremdenfeindlichen Hintergrund vermuten“, sagte Christoph Lange, Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam, am Freitagnachmittag. Zur Art des Brandsatzes wollte sich Lange nicht weiter äußern. Im Übergangsheim glaubt man „an einen dummen Jungenstreich“. „Ich glaube nicht, dass es ein rechtsradikaler Anschlag war“, sagte Vize-Leiterin Melitta Speck. Derzeit wohnen in dem 1991 eingerichteten Heim Speck zufolge 168 Asylbewerber, vornehmlich aus Afrika, Afghanistan und der russischen Föderation. „Bei uns hat es bislang nie Übergriffe gegeben“, so Speck. Beunruhigt seien sie und die Bewohner nicht. „Mir wurde erzählt, dass ein Bewohner jemanden gesehen haben will, der draußen etwas getrunken und dann etwas angezündet und über den Zaun geschmissen hat.“ Die Polizei hat derzeit keine Erkenntnisse über Aktivitäten rechtsextremer Gruppen in Luckenwalde. Allerdings wurde erst 2011 die auch in der Stadt aktive Neonazi-Kameradschaft „Freie Kräfte Teltow-Fläming“ von Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) verboten.

Die Asylbewerberheime in Brandenburg bekommen derzeit durch den Zustrom von Flüchtlingen aus Tschetschenien und Syrien immer mehr Bewohner zugewiesen. Erst am Neujahrsmorgen 2013 hatte ein 27-Jähriger vermutlich aus Fremdenhass ein Asylbewerberheim in Beelitz-Heilstätten (Potsdam-Mittelmark) angezündet. Im Oktober 2012 wurde ein Heim in Waßmannsdorf (Dahme-Spreewald) angegriffen. In Luckenwalde hatte sich jüngst unter Lehrern und Eltern Unmut geregt, weil die Zahl schulpflichtiger Flüchtlingskinder ohne Deutschkenntnisse steigt, die ohne zusätzliches Personal in regulären Klassen unterrichtet werden. Das Bildungsministerium hat zusätzliches Personal angewiesen.

Laut der „Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark“wurden das Sonnensegel und das Fundament zur Mittagszeit zerstört. Am selben Tag sei dort ein zehntägiges antifaschistisches und feministisches Bau- und Begegnungscamp zu Ende gegangen. Die Polizei ermittelt bislang wegen Sachbeschädigung. Der Linke-Landtagsabgeordnete Torsten Krause sagte: „Jedem in der Region und darüber hinaus ist die Geschichte des Geländes bekannt. Deshalb liegt der Verdacht nahe, dass Rechtsextreme politisch motiviert gegen die ehrenamtlich engagierte Arbeit des antifaschistischen Projektes vorgegangen sind.“ So etwas sei kein „Dummer-Jungen -Streich“, sondern eine gezielte Provokation, die er scharf verurteile, sagte Finanzminister Helmuth Markov (Linke) und rief zu Spenden auf. Das Lager für Mädchen und junge Frauen war 1942 von Häftlingen des nahen Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück errichtet worden. Matthias Matern (mit axf)

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