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Flughafen

  • 27.05.2013

Flughafen BER: Die Flughafen-Schaustelle

Hartmut Mehdorn will schon mal Zugfahrten zum Terminal-Bahnhof ermöglichen – um Besuchern die Baustelle zu zeigen

Berlin - Flughafenchef Hartmut Mehdorn hat wieder eine Idee: Nach einem Offenhalten von Tegel geht es diesmal um den Flughafenbahnhof unter dem Terminal. Nach Mehdorns Vorstellungen soll die Station vor der Aufnahme des Flugverkehrs in Betrieb gehen und zunächst Neugierige zu einer Tour auf die Baustelle locken. Gespräche mit der Bahn hat es nach Angaben eines Sprechers bereits gegeben. Flughafensprecher Ralf Kunkel sagte, eine Eröffnung des Bahnhofs stehe im Zusammenhang mit den Überlegungen für eine Schritt-für-Schritt-Inbetriebnahme des Flughafens. Eine Entscheidung werde aber erst im Herbst fallen.

Der unterirdische Bahnhof am Flughafen mit zwei Gleisen für die S-Bahn und vier Gleisen für den Fern- und Regionalverkehr war bereits zur Ende Oktober 2011 vorgesehenen Aufnahme des Flugverkehrs startklar. Allein der Bahnanschluss war mit Kosten von 636 Millionen Euro veranschlagt. In Eile und mit großem finanziellen Aufwand hatte die Bahn in letzter Minute auch die östliche Verbindung vom Bahnhof zur sogenannten Görlitzer Bahn (Berlin–Cottbus–Görlitz) hergestellt, wo sich das Genehmigungsverfahren erheblich verzögert hatte.

Um die fertigen Anlagen betriebsbereit zu halten, fahren täglich Züge zum und durch den Flughafenbahnhof – ohne Fahrgäste, was Mehdorn auf seine Idee brachte. Die Bahn beziffert ihren Aufwand auf monatlich rund zwei Millionen Euro. Helle Freude hat der Vorschlag Mehdorns nicht ausgelöst. Bei der Bahn bezweifelt man, dass es für einen „Baustellenverkehr“ genügend Fahrgäste geben würde, die die Züge – deren Zahl kräftig erhöht werden müsste – füllten.

Deshalb war auch der Vorschlag verhallt, den – auf Kosten der Gemeinde Schönefeld – für die S-Bahn erstellten Haltepunkt Waßmannsdorf, der zwischen der bisherigen Endstation im Bahnhof Schönefeld und dem Flughafenbahnhof liegt, vorzeitig in Betrieb zu nehmen. Dort gibt es zwar reichlich Platz, um Autos von Pendlern abstellen zu können, die mit der S-Bahn in die Innenstadt fahren, doch die erwartete Zahl erschien dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) so gering, dass er auf das Bestellen solcher Fahrten verzichtete.

Für jeden Kilometer bei bestellten Fahrten erhält die S-Bahn einen Fixpreis in Höhe von derzeit 8,71 Euro. Hinzu kommen die Kosten für den Halt am Bahnhof, die der Bereich Station und Service der Bahn von den Ländern kassiert. Für Waßmannsdorf waren bei jedem Stopp 3,07 Euro vorgesehen. Die Strecke vom Bahnhof Schönefeld zum Flughafen ist etwa acht Kilometer lang; Waßmannsdorf liegt ungefähr in der Mitte.

Bis die Haupthalle im Flughafen-Terminal eröffnet werden kann, könnten Fahrgäste den Flughafenbahnhof nur über den Ausgang zur sogenannten Plaza verlassen; der direkte Weg ins Terminal wäre weiter versperrt, solange dort die Brandschutzanlage nicht funktioniert.

Sonderfahrten mit – eingeladenen – Fahrgästen ließ das Eisenbahn-Bundesamt deshalb vor Kurzem nur unter strengsten Auflagen zu. Den Sicherheitsvorgaben mussten die Fahrgäste schriftlich zustimmen. Zudem musste die Fahrt von Sicherheitsbeauftragten begleitet werden. Wie dies bei einer vorzeitigen Inbetriebnahme des Bahnhofs geregelt werden könnte, ist unklar.

Beim VBB, der die Fahrten bestellen und mit dem Geld der Länder Berlin und Brandenburg bezahlen müsste, hat sich Mehdorn nach Angaben von VBB-Sprecher Eike Arnold noch nicht gemeldet. Deshalb mag er sich dazu nicht äußern.

Experten verweisen aber auch beim VBB darauf, dass die erwartet geringe Nachfrage ohne Flugbetrieb den finanziellen Aufwand nicht rechtfertigen würde. Auch dann nicht, wenn Mehdorn den Baustellenbesuchern ein Schauprogramm am Noch-nicht-Flughafen bieten würde. Zudem hätte die S-Bahn derzeit gar nicht die erforderliche Zahl von Fahrzeugen. Sie schafft es bisher allenfalls, am 3. Juni den Verkehr auf der Linie S 85 (Waidmannslust–Grünau) aufzunehmen, wo der Betrieb seit Ausbruch der ganz großen Krise im Sommer 2009 eingestellt ist. Erst mit der S 85 ist das Liniennetz wieder vollständig.

Wenn der neue BER-Flughafen komplett eröffnet ist, sollen die S-Bahn-Züge alle zehn Minuten fahren; mit Regionalbahnen ist er dann alle 15 Minuten zu erreichen, jeweils halbstündlich mit dem Airport-Express vom Hauptbahnhof über Südkreuz und mit den Linien RE 7 (Dessau–Wünsdorf Waldstadt) und RB 14 (Nauen–Senftenberg) über die Stadtbahn. Hinzu kommen noch einige Fernzüge. Klaus Kurpjuweit

 

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