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  • 07.11.2012
  • von Lars von Törne

Mauer to go

von Lars von Törne

Die Gedenkstätte Bernauer Straße bietet eine Geschichtstour fürs Smartphone. Das soll gerade junge Besucher ansprechen. Dazulernen können aber auch Ältere

Berlin - Die virtuelle Reise aus dem November 2012 in die Mauerjahre 1961 bis 1989 dauert an der Bernauer Straße nur wenige Sekunden. Vorausgesetzt man hat ein Smartphone dabei. Mit dem Scanner des Internethandys wird ein Code eingelesen, der seit Dienstag an der Mauergedenkstätte an zahlreichen Stellen zu finden ist. Sofort öffnet sich auf dem Handybildschirm die Seite „www.berliner-mauer-mobi“, eine mobile Website, die dem Besucher zu jeder Station des Areals zwischen Nordbahnhof und Mauerpark anschauliche Informationen, Bilder und Tonaufnahmen bietet. Mithilfe eines Ortungssystems werden die Informationen dem jeweiligen Aufenthaltsort des Besuchers angepasst. So kann sich hier ab sofort jeder Besucher seine eigene Multimedia-Tour zusammenstellen, sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag.

„Das ist eine Innovation für den Gedenkstättenbereich“, schwärmt Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Berliner Mauer. Seine Einrichtung sei bundesweit die erste Gedenkstätte, die ihren Besuchern dieses neue Format bietet, sagt Klausmeier, der selbst übrigens noch kein Smartphone hat, sondern weiterhin mit einem einfachen Handy kommuniziert. Aber er weiß, dass gerade bei den mehrheitlich jüngeren Besuchern der Gedenkstätte – zwei Drittel sind offiziellen Zählungen zufolge unter 25 Jahre – das Smartphone zunehmend wichtig ist. Also hat die Stiftung die Kölner Firma Pausanio beauftragt, die auf computergestützte Museumstouren spezialisiert ist. Herausgekommen ist eine leicht zu handhabende Seite, die drei unterschiedliche Führungen zu den wichtigsten Orten der weitläufigen Gedenkstätte anbietet, außerdem die Möglichkeit, sich auf individuelle Spurensuche zu begeben.

So kann man sich zum Beispiel an der Installation „Fenster des Gedenkens“, die an 136 Maueropfer erinnert, die Lebensgeschichten der ersten Berliner Mauertoten Ida Siekmann oder des im Dienst erschossenen Grenzsoldaten Jörgen Schmidtchen anhören oder diese auf dem Bildschirm lesen, dazu gibt es Fotos zu sehen.

„Das macht die bisherige Ausstellung nicht überflüssig, sondern ergänzt sie“, sagt Gedenkstättenchef Klausmeier. Zunehmend seien Besucher alleine und ohne organisierte Führung auf dem Areal unterwegs. Gut 700 000 Menschen seien dies alleine im vergangenen Jahr gewesen, rund 60 Prozent davon waren ausländische Besucher, die größtenteils Informationen auf Englisch benötigten, wie sie die neue Internetseite zusätzlich zum deutschen Angebot präsentiert. Die Verbindung von klassischen Ausstellungselementen mit neuen Medien wie der Smartphone-Tour bringe außerdem die Generationen zusammen, sagt Klausmeier: Während er an den Infostelen zur Mauergeschichte gelegentlich beobachtet habe, wie ältere Besucher ihren Enkeln erklärten, was es einst mit dieser Mauer auf sich hatte, gebe nun die Smartphhone-Tour den Enkeln eine Möglichkeit, ihren Großeltern mal etwas zu erklären. Lars von Törne

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