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  • 31.03.2012
  • von B. Fraune, M. Kalpidis, J. Kiffmeier

Großflughafen: Willkommen in Schönefeld

von B. Fraune, M. Kalpidis, J. Kiffmeier

Historisch unmöglich. Willy Brandt begrüßt US-Präsident Barack Obama. Foto: promo

Flughafengesellschaft startet eine Million teure Werbe-Kampagne für den BER. „Willy Brandt begrüßt die Welt“ soll in 250 deutschen Kinos laufen

Schönefeld - Mit dem Namen Willy Brandts buhlen die Betreiber des künftigen Großflughafens Berlin-Brandenburg International BER in Schönefeld (Dahme-Spreewald) zwei Monate vor der Eröffnung des Airports bundesweit um Aufmerksamkeit. Unter der Überschrift „Willy Brandt begrüßt die Welt“ startete die Flughafengesellschaft am Freitag eine Kampagne mit Anzeigen, Plakaten, Fernseh- und Kinowerbefilmen. Sie zeigt den 1992 gestorbenen Friedensnobelpreisträger und früheren Bundeskanzler auf Ausrissen historischer Aufnahmen vor dem Neubau.

Der Flughafen ist nach Brandt benannt, in der bisherigen Kampagne spielt der Name aber kaum eine Rolle. Flughafenchef Rainer Schwarz bezifferte die Werbekosten bis zur Eröffnung am 3. Juni auf etwa eine Million Euro. Er kündigte außerdem an, dass zur offiziellen Eröffnungsfeier am 24. Mai neben 10 000 geladenen Gästen auch 30 000 Berliner und Brandenburger kommen dürfen. Schon am 12. und 13. Mai wird in Schönefeld zu Publikumstagen „Rund ums Terminal“ geladen.

Der Werbefilm zeigt Szenen aus Brandts politischem Leben wie den Kniefall von Warschau sowie den Bau und den Fall der Mauer. Am Ende steht der neue Flughafen, dessen Planung Brandt nicht mehr erlebte. Dennoch ertönt ein Originalzitat, in dem Brandt von einem „Wagnis, das sich lohnt“ spricht. Laut Flughafenchef Schwarz soll der Spot auf mehr als 250 Kinoleinwänden in Deutschland zu sehen sein. Am Flughafen wird es zudem einen Willy-Brandt-Platz geben. Der Name des 1913 in Lübeck geborenen SPD-Politikers steht über dem Eingang zum Abfertigungsgebäude, in dem es auch eine kleine Ausstellung über den Politiker geben wird. Das sei einzigartig, sagte Wolfram Hoppenstedt, der Chef der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung. Im internationalen Flughafen-Logo mit der Kennung BER taucht Brandt nicht auf.

Brandt sei als früherer Regierender Bürgermeister von Berlin sein politisches Vorbild, sagte sein Nachfolger Klaus Wowereit (SPD). „Wir Berliner haben ihm viel zu verdanken.“ Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte, wie viele andere in der DDR habe er Brandt „vergöttert“.

Berlin und Brandenburg sind gemeinsam mit dem Bund Gesellschafter des Flughafens. Sowohl Wowereit als auch Platzeck versprechen sich vom neuen Drehkreuz einen wirtschaftlichen Schub für die Region. Schon rund zwei Monate vor der Inbetriebnahme habe der Bau des Flughafens „Investitionen von rund 2,5 Milliarden Euro ausgelöst“ und damit die Wirkung des Konjunkturpakets der Bundesregierung übertroffen, sagte Platzeck. 60 Prozent der Aufträge seien nach Brandenburg gegangen, den Aufstieg zum drittgrößten Standort für Luft- und Raumfahrttechnik verdanke das Land auch dem neuen Flughafen. Wowereit verwies auf 20.000 Arbeitsplätze, die direkt mit dem Flughafen zusammenhingen. Im internationalen Wettbewerb für Unternehmensansiedlungen sei ein funktionierender Großflughafen ein wichtiger Standortfaktor.

Im Streit um den Lärmschutz stärkte Wowereit der Geschäftsführung den Rücken. Der Flughafen will erreichen, dass in Wohnräumen ein maximaler Lärmpegel von 55 Dezibel sechsmal am Tag überschritten werden darf. Die Betreiber halten den Planfeststellungsbeschluss in diesem Punkt für unklar und wollen eine Klärung. „Wenn hier Unklarheiten sind, die einer Ergänzung bedürfen, dann ist es die Aufgabe der Flughafengesellschaft, die entsprechenden Anträge zu stellen“, so Wowereit. „Dabei wird die Flughafengesellschaft von den Gesellschaftern insgesamt unterstützt.“ Die CDU in Brandenburg wirft dem Flughafen dagegen vor, die Lärmschutzziele weichspülen zu wollen. B. Fraune, M. Kalpidis, J. Kiffmeier

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