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  • 03.03.2012
  • von Jonas Breng

Geprobte Bruchlandung: Katastrophenübung am BER

von Jonas Breng

Feuerwehrmänner transportieren einen vermeintlich Verletzten ab. Dieser ist jedoch nur ein Komparse, das Ganze eine Übung für den Katastrophenfall am neuen Flughafen in Schönefeld.

In drei Monaten wird der neue Großflughafen Berlin-Brandenburg eröffnet. Der Katastrophenfall wurde schon jetzt geprobt. Ein Nachmittag auf dem Rollfeld mit brennenden Bussen, simulierenden Komparsen und Theaterblut.

Wie ein stiller Glaspalast liegt der neue Flughafen Berlin Brandenburg auf dem weiten Areal des Airportgeländes in Schönefeld. Es ist ein sonniger Märztag. Doch auf der Landebahn herrscht Chaos. Schwarzer Rauch steigt auf, Menschen rollen sich schreiend über den Boden, blutverschmierte Gesichter überall. Knapp drei Monate vor der Eröffnung, wird am Sonnabend auf dem neuen Großflughafen der Ernstfall geprobt. „Das Zusammenwirken der Einsatzkräfte bei einem Unglück soll möglichst realitätsnah und im Echtzeitbetrieb simuliert werden", sagt Leif Erichsen, Sprecher der Berliner Flughafengesellschaft. Ein halbes Jahr lang haben er und sein Team an den Vorbereitungen für die Unglückssimulation gearbeitet. Rund 600 Rettungskräfte und 100 Komparsen sind beteiligt. Laut Simulationsprotokoll ist ein Airbus 320 auf dem Flug von Moskau nach Berlin bei schlechten Wetterverhältnissen im Landeanflug in Schwierigkeiten gekommen. Beim Aufsetzen platzt ein Reifen, das Triebwerk schlägt hart auf der Landebahn auf und fängt Feuer. Höchste Alarmstufe für den neuen Flughafen. Jetzt muss alles nach Plan ablaufen.
„Das wichtigste ist die Geschwindigkeit“, sagt Christian Leininger, Bereichsleiter der Flugsicherheit. Er hat die Rettungspläne für den neuen Großflughafen mit ausgearbeitet. Die Einsatzabläufe seien aber trotz der Größe des Flughafens nicht anders als in Tegel oder in Schönefeld. Innerhalb von drei Minuten müsse jeder Ort des Flughafens von den Löschfahrzeugen zu erreichen sein, berichtet der Sicherheitsexperte und deutet auf die drei modernen Einsatzfahrzeuge vom Typ „Panther“, die nun Wasserfontänen in die dicken Rauchschwaden spritzen.

Auf dem kalten Asphalt liegen noch immer Opfer und rufen um Hilfe. Einsatzkräfte der Feuerwehr hetzen durch die Reihen der Verletzten und bergen mit Atemschutzmasken ausgerüstet die letzten Bewusstlosen aus dem qualmenden Wrack. Eine von ihnen ist Stefanie Peetz. Sie hat eine offene Bauchwunde, durch eine große Glasscherbe verursacht, und muss nun schnell versorgt werden. „Das war schon eine spannende Erfahrung“, erzählt die junge Frau und befühlt ihre künstliche Verletzung. Allerdings würde sie sich für den Realfall wünschen, dass es noch schneller ginge. Bis bei ihr Erste Hilfe geleistet wird und man sie in den Krankenwagen bringt, ist sie jedoch mächtig durchgefroren.


Vor der Simulation kamen alle "Opfer" in die Maske

Vor der Simulation kamen alle „Opfer“ in die Maske, berichtet die Komparsin: Theaterblut, reichlich Schminke und künstlich modellierte Knochenbrüche. Es sollte alles so echt wie möglich sein. An der Unglücksstelle treffen derweil immer mehr Krankenwagen ein. Blaulicht flimmert über der Szenerie, insgesamt 16 Notärzte kümmern sich um die Verletzten.„Besonders wichtig ist die Koordination mit den Feuerwehr- und Notarztstellen aus der Region“, sagt Polizeioberkommissar Olaf Wiese von der Bundespolizei. Diese müssten, wie heute auch,  in vielerlei Hinsicht Unterstützung leisten. Knapp 60 Beamte der Bundespolizei sind in drei Wachen auf dem neuen Flughafen stationiert. „Wir werden künftig rund um die Uhr präsent sein und die Feuerwehr im Notfall unterstützen“, versichert der Beamte. Die heutige Simulation sei von den Abläufen wirklichkeitsnah – nur bei dem Flugzeugwrack brauche es ein wenig Fantasie, sagt der Oberkommissar. Denn als Flugzeugattrappe müssen zwei Linienbusse herhalten.

Mittlerweile sind auch die Rettungshubschrauber auf dem Flugfeld gelandet. Die drei Helikopter sollen die Schwerstverletzten schnellstmöglich zu mehreren Krankenhäusern in der Region bringen. Etwa zehn Minuten dauert ein solcher Flug in der Regel. Langsam wird die Lage überschaubarer. Zelte sind errichtet worden, um die leichter Verletzen zu versorgen, die Retter können kurz verschnaufen. Insgesamt zieht Christian Leininger ein positives Fazit.„Insgesamt hat alles gut geklappt. Aber nun werden alle Rettungsabläufe erst einmal detailliert ausgewertet." Bis zur Eröffnung am 3. Juni sollen die Notfallpläne dann entsprechend nachgebessert werden.

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