Klaus Schroeder, 61, Politikwissenschaftler, Zeithistoriker, leitet an der FU Berlin den Forschungsverbund SED- Staat und ist Professor am Otto-Suhr-Institut. Er ist Mitglied der Enquete-Kommission.
Wie ist das Land auf den Brandenburger Weg geraten und was folgt daraus?
Knapp zwei Jahrzehnte nach dem Ende der DDR setzte der Brandenburger Landtag auf Antrag der drei Oppositionsfraktionen - CDU, Bündnisgrüne, FDP – eine Enquete-Kommission ein, die untersuchen soll, wie im Land Brandenburg auf verschiedenen Ebenen die Aufarbeitung der SED-Diktatur erfolgte. Das aus Abgeordneten und Wissenschaftlern bestehende Gremium soll auf Veranlassung der Regierungsfraktionen ebenfalls Verlauf und Ergebnisse des Transformationsprozesses untersuchen.
Bereits beim Vorliegen der ersten Gutachten, in denen Defizite bei der Aufarbeitung der sozialistischen Diktatur deutlich benannt werden, setzte ein heftiger, bis zum heutigen Tag andauernder, ja sogar noch eskalierender Streit ein. Vertreter der Regierungsfraktionen sprachen von Hetze gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten Stolpe und die von ihm geführten Landesregierungen und stuften die kritischen Gutachten als unwissenschaftlich ein. In ihnen wird jedoch nur das benannt, was mit der Materie Vertraute ohnehin wissen: Brandenburg tat sich mit einer schonungslosen Aufklärung über die sozialistische Diktatur – sowohl bei den Überprüfungen auf Stasi-Tätigkeit als auch bei der Vermittlung eines DDR-Bildes, das keinen Zweifel am diktatorischen Charakter des realen Sozialismus lässt - noch schwerer als die anderen neuen Länder. Die Entlassungsquote überführter ehemaliger Inoffizieller Mitarbeiter des MfS (IM) fiel in Brandenburg niedriger als in anderen neuen Ländern aus und Brandenburger Schüler wussten bei einer vergleichenden Befragung deutlich weniger über die dunklen Seiten des SED-Staates als Schüler anderer Bundesländer.
Alle heute im Brandenburger Landtag vertretenen Parteien waren mehr oder weniger beteiligt am Beschweigen der diktatorischen Vergangenheit. Jetzt aber bemühen sich zumindest die drei Oppositionsparteien um mehr Offenheit und Aufarbeitung, während sich die Regierungsparteien hiermit weiterhin schwer tun, wie nicht zuletzt die Herabwürdigung von Gutachtern der Enquete-Kommission zeigt.
Was aber sind die Ursachen für den pfleglichen Umgang mit der DDR und die heutigen Kontroversen über deren Bewertung? Die Antwort findet sich m.E. auf zwei Ebenen – dem Umgang mit den MfS-Kontakten von Manfred Stolpe und den Einstellungen der Bevölkerungsmehrheit zur DDR, speziell auch zur Stasi.
Der langjährige Ministerpräsident Manfred Stolpe hatte als Konsistorialpräsident der evangelischen Kirche über zwei Jahrzehnte rege Kontakte mit dem MfS. Nach seiner Auffassung waren diese im Interesse der Kirche notwendig, während seine Kritiker, unter ihnen viele ehemalige Bürgerrechtler, eine Tätigkeit im Auftrag der Stasi sahen. Diese diametralen Auffassungen existieren bis zum heutigen Tag. Fest steht: Nach den Maßstäben des MfS war Stolpe ein IM („Sekretär“) und wurde auch als solcher in den Akten geführt. Da jedoch keine schriftliche Verpflichtungserklärung in den archivalischen Hinterlassenschaften der Stasi auffindbar ist, wehrt(e) sich Manfred Stolpe gegen den Vorwurf, er sei wissentlich IM gewesen. Das Bundesverfassungsgericht untersagte – im Gegensatz zum Bundesgerichtshof – unter Hinweis auf das Persönlichkeitsrecht die Äußerung, Stolpe sei als IM „Sekretär“ für den Staatssicherheitsdienst tätig gewesen. Die Akte des „IM Sekretär“ wurde von der Stasi vernichtet, insofern mangelt es bisher an einem Wahrheitsbeweis.
In den Akten jedoch vorhanden ist der Befehl des Stasi-Chefs Erich Mielke, den IM „Sekretär“ und andere IM „für große Verdienste, hohe persönliche Einsatzbereitschaft und exakte Durchführung übertragener komplizierter Aufgaben zur Sicherung unseres sozialistischen Vaterlandes vor feindlichen Anschlägen und zur Erhaltung des Friedens“ die DDR-Verdienstmedaille zu verleihen. Stolpe gab den Erhalt der Medaille zu, bestritt aber, sie aus den Händen eines sich erinnernden MfS-Mitarbeiters bekommen zu haben.
Der erste Brandenburger Landtag setzte eigens eine Untersuchungskommission ein, um die Rolle Stolpes in der DDR zu klären. Durch die Unterstützung der PDS-Fraktion unter ihrem Vorsitzenden Lothar Bisky und dem Strippenzieher Heinz Vietze – vormals Erster SED-Bezirkssekretär in Potsdam – gelang es der SPD, per Mehrheit Stolpe zu entlasten und als Ministerpräsidenten zu halten. Nach den vom Landtag selbst aufgestellten Kriterien für eine Stasi-Mitarbeit hätte er jedoch ebenso wie bis zu achtzehn weitere Abgeordnete (von 100) sein Landtagsmandat aufgeben müssen, stellte jetzt ein Gutachten fest.
In dem Zusammenwirken von SPD und PDS bei der Entlastung Stolpes dürfte der Schlüssel für den Brandenburger Weg zur weitgehend unterbliebenen Aufarbeitung der SED-Diktatur liegen. Überprüfungen auf Stasi-Belastung und Entscheidungen über Entlassungen mussten angesichts des Falles Stolpe zwangsläufig milde ausfallen und (unterbliebene) fortgesetzte Überprüfungen würden den Fall immer wieder aktualisieren. Der Pakt zur Verdrängung der diktatorischen Vergangenheit hielt fast zwei Jahrzehnte.
Der SPD, die sich ja als erklärte Gegnerin der Diktatur gründete, war die Popularität ihres Ministerpräsidenten wichtiger als eine schonungslose und nachhaltige Aufarbeitung der sozialistischen Diktatur. Die PDS wiederum wusste um ihre Verwundbarkeit nicht nur durch Stasi-Tätigkeiten vieler Abgeordneter, sondern vor allem durch ihre eigene Vergangenheit, da sie die Hauptverantwortung für die Aufrechterhaltung der Diktatur trug. Offenbar glaubte man, dass im Laufe der Jahre darüber Gras wachsen würde. Dass fast zwanzig Jahre später dieser pflegliche Umgang mit der DDR noch einmal öffentliches Thema werden würde, hatte man wohl nicht erwartet. Dabei hätten SPD und PDS aus dem (unterschiedlichen) Umgang mit dem Nationalsozialismus in beiden deutschen Staaten und im wiedervereinigten Deutschland lernen können, dass die Vergangenheit immer nur ruht und jederzeit alte Wunden wieder aufbrechen können.
Der zweite Grund für den Brandenburger Weg dürfte in einer „entspannten“ Einstellung einer Bevölkerungsmehrheit zur DDR liegen. Schon wenige Jahre nach dem Untergang des Arbeiter-und-Bauern-Staates plädierte eine absolute Mehrheit der ostdeutschen Bevölkerung für einen Schlussstrich unter die Stasi-Debatte. Im Jahre 1992 stimmten gut 54 Prozent, sechs Jahre später sogar knapp 71 Prozent der Aussage zu: „Man sollte endlich aufhören, danach zu fragen, ob jemand während des alten DDR-Regimes für die Stasi gearbeitet hat.“ Gleichzeitig setzte sich eine wohlwollende Betrachtung der DDR durch. Ihr wurden nun mehr gute als schlechte Seiten zugesprochen.
Da zudem jenseits einer direkten Stasi-Belastung deutlich mehr Personen als bisher öffentlich thematisiert in das diktatorische System eingebunden waren, war und ist eine kritische Betrachtung der repressiven Dimensionen der DDR nicht nur in Brandenburg nicht sehr populär. Die Verstrickung in die Diktatur wurde und wird von den allermeisten verschwiegen. Erst wenn sie öffentlich wird, gibt man sie zu und behauptet dann frech, man würde mit der eigenen Biografie ja offen umgehen. Zugegeben wird immer nur das, was aktenkundig ist, weiteres verschwiegen.
Stolpe und die SPD verstanden es darüber hinaus geschickt, jede Kritik an seiner Person als einen generellen Angriff auf ostdeutsche Biografien hinzustellen. Dieses Vorgehen erfreut sich bis zum heutigen Tag auch bei der PDS großer Beliebtheit. Kritik an der DDR und ihren Verantwortlichen wird umgemünzt in einen angeblichen Angriff auf das Leben aller ehemaliger DDR-Bürger.
Die mehrfach umbenannte SED, die sich inzwischen mit einer kleinen westdeutschen Partei zusammengeschlossen hat, schafft es in ihrem Programmentwurf nicht einmal, die DDR als Diktatur oder gar – wie einst Willy Brandt – als Unrechtsregime zu bezeichnen. Sie belässt es bei einigen kritischen Anmerkungen zum autoritären Charakter der Herrschaft und garniert diese Kritik mit Lob für soziale Errungenschaften und angebliche lebendige Sozialismusdiskussionen.
Wenn es um die Beschäftigung Stasi-belasteter Personen im öffentlichen Dienst geht, wird jetzt gesagt, jeder hätte eine zweite Chance verdient. Das ist zwar richtig, ändert aber nichts daran, dass eine zweite Chance mit einem offenen Umgang mit der eigenen Biografie verknüpft sein muss. Erst vor diesem Hintergrund dürfen Entscheidungen getroffen werden, wer in welcher Position tragbar ist.
Sollte zum Beispiel ein ehemaliger DDR-Richter, der mit fadenscheinigen Gründen Ausreisewillige zu Gefängnisstrafen verurteilte, weiterhin Richter sein, oder eine ehemalige SED-Wissenschaftlerin, die Ende der achtziger Jahre in ihrer Dissertation das politische Strafrecht der DDR lobte und für international vorbildlich erklärte, Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung sein? Hätten beide Personen ihre Positionen auch erhalten, wenn ihre Vergangenheit bekannt gewesen wäre oder war das bei den einstellenden Behörden sogar der Fall? Warum wurden in Polizei und Justiz – deutlich häufiger als in anderen Ländern – so viele belastete Personen übernommen? Richter und Staatsanwälte waren in der DDR auch jenseits einer Stasi-Belastung aktiv in die Verfolgung und Unterdrückung politisch Andersdenkender eingebunden.
Eine Minderheit in Brandenburg, nicht nur ehemalige Verfolgte und Bürgerrechtler, fragt sich zu Recht, wo die vielen SED- und Stasikader geblieben sind, die die Diktatur aktiv mittrugen. Vereinzelt begegnen ehemalige Opfer ihnen auf Arbeitsämtern oder in öffentlichen Behörden. Sie sind schockiert und zweifeln an der Demokratie im wiedervereinigten Deutschland, die diesem Personenkreis, aber nicht ihnen eine zweite Chance gibt. Lassen sich in jüngster Zeit aufgedeckte Fälle von Kumpaneien ehemaliger SED- und Stasi-Kader verallgemeinern oder sind sie Einzelfälle? Eine systematische Untersuchung über den Verbleib ehemaliger Partei- und Staatskader und ihre Netzwerke liegt leider nicht vor, sodass für Spekulationen breiter Raum bleibt.
Die Diskussionen in der Enquete-Kommission und die Kontroversen über ihre Arbeit sind ein doppeltes Lehrstück. Sie offenbaren, warum die Aufarbeitung der sozialistischen Diktatur so halbherzig blieb und dass Vergangenheit nicht so schnell vergeht, wie es sich manche wünschen.
Die Arbeit der Enquete-Kommission kann verdienstvoll für die politische Kultur des Landes Brandenburg sein, wenn die Mitglieder endlich konstruktiv zusammenarbeiten. Eine angemessene, Demokratie stärkende Aufarbeitung der DDR, die über die Diskussion von Stasiverstrickungen hinaus geht, hat eine zweite Chance verdient!
Die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens in Schönefeld wird sich deutlich verzögern. Sollte das Ihrer Meinung nach personelle Konsquenzen haben?
10 Kommentare
Während Ihr blinder Hass gegen alles, was nicht ihrer Meinung ist, seltsame Formen annimmt!
Übrigens ist Uebelkraehe schon ein Prädikatsausdruck von Herbert Wehner, den ich für den letzten zugkräftigen Sozialdemokraten halte.
Und, ich verteidige hier keine Täter sonder kritisiere die Mitläufer der wenigen echten Bürgerbewegten, die in hohen Nachwendefunktionen wie in Frankfurt/Oder gegen die Ehemaligen zu Felde zogen, obwohl sie z. Bsp. als Technische Zeichnerin und FDJ-Reiseleiterin dazu keinerlei Recht hatten! Oder ich kritisiere einen "Kämpfer der ersten Stunde", der immer behauptete, die Polizei hätte ihn verfolgt in der DDR, wo sich dann herausstellte, dass das nur die Verkehrspolizei wegen Suff und Raserei war! Vielleicht gewöhnen sie sich mal an den Gedanken, dass wir alle Menschen sind mit verschiedenen Facetten! Und daher bitte gleiches Recht für alle!
Dr. Weyrauch war SED-Mitglied, und das ist sie wohl bis heute geblieben.
Eine schicke Kaderkarriere an der Akademie für Staat und Recht stand ihr bevor.
Dass sie keine Frau Poppe wollte, weiß ich aus ihrem eigenen Munde.
Da hat sie auch behauptet, sie mache doch alles. War aber nicht so. Sie reden Quatsch, Ihnen reicht das vielleicht, was da in Monatsheften steht. Eine Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung muss kein SED-Kader sein. Nur in Brandenburg scheint das ein Prädikat für eine leitende Position zu sein.
Also schön ruhig bleiben, Sie selbst fallen hier nur dadurch auf, dass Sie Täter und Mitläufer verteidigen.
Herr Platzeck braucht nicht mehr prüfen, der alte Heuchler, er kann getrost handeln. Für Opfer wurde in diesem Land noch nichts getan, aber Üble Krähen, die leben sich hier allerorten aus.
...für die Möglichkeit einer Richtigstellung:
Frau Dr. W. ist parteilos, kann also keinen Parteiauftrag befolgen!
Wenn Sie sich die monatlichen Programme der Politischen Bildung des Landes Brandenburg seit ihrem Amtsantritt anschauen würden, müßten sie zugeben, dass Sie Unsinn verbreiten!
Und noch eins: Jeder, der mit öffentlichem Geld umgeht und nur marginal ökonomisch denkt, wird nur dann welches ausgeben, wenn im Ergebnis wieder was reinkommt. Da sind Marx und jeder Kapitalist einer Meinung! Den Kostenfaktor Poppe nicht gutzufinden ist freie Meinungsäußerung! Man muß nicht gleicher Meinung sein, darf es aber!
Und deshalb verbitte ich mir Ihr Rauswerfansinnen!
Was die Leiterin der Landeszentrale, Frau Dr. Weyrauch, angeht: Sie nimmt ihren Parteiaufttag bis heute ernst. Die Landeszentrale hat sich in den 20 Jahren ihres Bestehens nur marginal mit der DDR-Aufarbeitung befasst. Frau Dr. Weyrauch sieht das natürlich ganz anders - und fand sebstverständlich die Berufung von Frau Poppe unnötig. Solange solche Leute wie Dr. Weyrauch über die Verdrändung der DDR-Geschichte wachen, hat die Aufarbeitung in Brandenburg noch sehr viel zu tun.
Andererseits scheint die Idee alle SystemträgerInnen der DDR aus allem rauszuwerfen völlig abwegig zu sein.
Von einigen abgesehen, die Verhöre führten, Recht beugten und tw. auch folterten und deswegen streng bestraft gehören, taten die Beamten und öffentlichen Angestellten, was man von diesen erwarten kann und sollte: sie verhileten sich konformistisch. Das tun sie noch immer und keinem wäre geholfen damit, die Atmosphäre zu vergiften mit der Entlassung von konformistischen Bediensteten und der Ersetzung derselben durch andere Duckmäuser. Machen wir uns nichts vor: die mutigsten und kritischsten Menschen sind selten in der öffentlichen Verwaltung zu finden.
Das ist aber auch in Ordnung - ein guter Staat bietet für viele Lebensentwürfe eine Möglichkeit.
Es wird nur peinlich, wenn der Kommentator aus der Deckung kommt und sich die ganze Sache darauf konzentriert, nachzutreten, weil es vor zwanzig Jahren nicht gelungen ist, einen Ministerpräsidenten zu legen.
Natürlich ist daran nicht die SPD oder die seinerzeitige PDS schuld, sondern die SED - Abteilung Kirche, sprich CDU Ost. Die wollten sogar einen wegen nachgewiesener IM-Tätigkeit arbeitslos gewordenen SPD Krankenwagenfahrer als Experten in ihr Untersuchungsauschußteam holen. Muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! In ihrer Not wollten sie ein Bündnis mit dem Teufel schließen!
Offensichtlich hat der Herr Schröder wohl ein persönliches Rachebedürfnis an der Leiterin der Politischen Bildung. Jeder wußte Bescheid über die Herkunft und unabhängigen Ansichten der Frau, die allerdings auch in der seinerzeitigen Arbeit postitives über das Jugendstrafrecht feststellen konnte, weil es das eben auch gab! Leider vergißt Herr Schröder, ihre Kritik an dem, was nicht so positiv war, zu erwähnen. Wenn die Frau nicht gut gewesen wäre, wäre sie nie die rechte Hand des ersten frei gewählten Ministerpräsidenten der DDR, übrigens von der CDU, geworden, und hätte sich der erste Ministerpräsident des Landes Brandenburg die Dame nicht ins Team geholt. Und sie hat immer ihre eigene Meinung behalten, auch gegenüber Stolpe, dem sie kritisch verbunden ist. Ich halte es für eine bodenlose Unverschämtheit des Kommentators, hier mit ausgewiesenem Schwachsinn einen Nebenkriegsschauplatz zu eröffnen!
Es zeigt, wie auch zum Beispiel am Kommentar des "Leser", dass es immer noch sehr wichtig ist, zu erklären und aufzuklären, über die "ach so schlimme DDR-Geschichte", die in der Tat wirklich mehr als schlimm war.
Dem "Leser" kann man somit nur wünschen, dass auch er es einmal begreift und sich damit auseinander setzt.
Eventuell muss man wirklich darauf etwas Rücksicht nehmen, das er, wie er selbst sagt, zu jung für die noch recht zeitnahen Debatten über den ehemaligen Unrechtsstaat "DDR" ist und man kann für Menschen wie den "Leser" und auch für sich selbst nur hoffen, das solch diktatorische Züge in Deutschland nie wieder nahrhaften Boden finden!
Auch darum ist die Arbeit eines Herrn Schroeder und von anderen Gelehrten und Wissenschaftlern sehr wichtig.
In einem Bundesland wie Brandenburg war solch ein kritisches Thema schon immer schwierig.
Man muss sich doch nur die Gegebenheiten und auch Teile der Bevölkerung hier, vor und auch nach der Wende, zu Gemüte ziehen.
Brandenburg war und ist ein Heim für "ehemalige" und das wird leider auch noch eine gewisse Zeit so bleiben.
Den Kritikern und "Verklärern", die diese Debatte natürlich auf den Plan ruft, sei mal eine Frage gestellt:
"Hat man nach 1945 auch sofort mit der Aufklärung, der Verbrechen im dritten Reich, begonnen bzw. beginnen können oder war das erst etwas später und ist die Aufklärung über diese Verbrechen heutzutage schon abgeschlossen?
Also, vielleicht mal etwas mehr darüber nachgedacht, bevor man mit den vorschnellen "Totschlagsargumenten" von "Schwamm drüber" bis "interessiert doch keinen" kommt...
Es interessiert schon eine Menge Leute, wie wir dahingekommen sind, wo wir jetzt sind. Nicht die Lautstärke der Diskussion spiegelt die Wahrheit wider.
Wir erleben doch heute immer wieder, wie gut Netzwerke sind; Affäre Speer, Krampnitz, Hilpert & Co. usw. usf.
Wie viele Protagonisten der DDR haben sich nach der Wende schnell auf neuen Pöstchen eingerichtet und die von ihnen Kujonierten stehen heute wieder verbittert vor der Tür!
Gerade wenn Sie so jung sind, wie Sie behaupten, sollten Sie sich Sorgen machen um eine Politik des Verdrängens und Wegschauens, sonst landen Sie schnell mal eine einer neuen DDR!
welchen tatsächlichen Wert hat diese Kommission für die ganz normalen Menschen in diesem Land und was kostet uns dieses erneute Aufrühren jener "ach so schlimmen" DDR-Geschichte? Liegt das mangelnde Interesse der Mehrheit schlicht daran, dass die Ergebnisse dieser erneuten Geschichtsdeutungen schlicht belanglos sind, wenn um's Heute und Morgen geht? Eine Minderheit versucht dennoch verzweifelt, dem Rest der Gesellschaft eine Diskussion an die Backe zu nageln, die abgesehen von dieser Minderheit keinen interessiert. Die Abgeordneten wurden ins Parlament gewählt, um die Geschicke dieses Landes in der Gegenwart und für die Zukunft zu lenken. Damit wären sie an sich ausgelastet. Einigen auf dem Brauhausberg scheint diese Arbeit aber nicht zu liegen. Deshalb bemüht man billigen Populismus und sonnt sich selbstgefällig im Licht der Öffentlichkeit, während man auf vermeintliche Fehler verweist, die vor zwanzig Jahren begangen wurden. Unsere Enkel werden sich hoffentlich einst darüber amüsieren, wie gegenwärtig die politische Crew des Landes auf der Brücke des Dampfers Brandenburg geschlossen ins Achterwasser schaut und über Fehler der alten Steuermänner streitet, während der Kahn mit voller Fahrt durch die Untiefen der Gegenwart rauscht. Fahrlässig ist der Begriff, der mir dazu einfällt. Vielleicht bin ich auch einfach nur zu jung, um diesem Theater etwas abzugewinnen.